Börse am Morgen 26.01.2024

Dax schwächelt – Infineon leidet wegen Intel – LKW-Bauer Volvo schlägt Erwartungen

onvista · Uhr
Quelle: Ascannio / Shutterstock.com

Der Dax tut sich am Freitag auf dem Weg zu einem Rekordhoch weiter schwer. Die Stimmung wurde zum Auftakt von einer enttäuschenden Prognose des US-Chipkonzerns Intel getrübt. Somit kommt vom Technologiesektor, der zur Wochenmitte noch für Auftrieb gesorgt hatte, zum Ausklang einer starken Börsenwoche etwas Gegenwind. Auch schwächelnde Asien-Börsen galten als Belastung.

Der Dax sank nach etwas gut einer Stunde Handel um 0,20 Prozent auf 16 873 Punkte. Er bleibt damit etwas auf Distanz zum Rekordhoch, das bei 17.003 Punkten liegt. Auf Wochensicht kommt der Leitindex aber immer noch auf einen Anstieg um 1,9 Prozent.

„Nach den jüngsten Unternehmensberichten werden sich viele jetzt fragen, ob der aktuelle Optimismus an der Wallstreet nicht doch übertrieben ist“, gab Thomas Altmann, Portfolio-Manager beim Vermögensverwalter QC Partners, zu Bedenken. Am Vortag hatte der Leitindex nach der erwartungsgemäßen Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) die Verluste noch aufgeholt und leicht im Plus geschlossen. Signale hinsichtlich einer Zinssenkung waren ausgeblieben

Am Freitag dürfte der sogenannte PCE-Preisdeflator in den USA mit Blick auf die künftige Geldpolitik in den Vereinigten Staaten kritisch beäugt werden. Marktbeobachter Michael Hewson von CMC Markets sieht in diesem einen wichtigen Indikator für den Markt und die Fed, die in der kommenden Woche ihre Zinssitzung abhält. Eine weitere Verlangsamung des Preisindikators auf 3 Prozent oder sogar weniger sei wohl der Konsens und könnte die Fantasie für eine Zinssenkung schon im März stützen.

Infineon unter Druck - Sektorstimmung leidet unter Intel

Im Chipsektor bleibt die Stimmung im Zuge der Resultate von Intel gedämpft. Der US-Halbleiterriese enttäuschte mit seinem Ausblick für das laufende Quartal und dies wirkte sich auch hierzulande auf die Nachfrage nach Chipwerten aus.

Die Infineon-Aktie fiel nach gut einer Stunde Handel auf um 1,47 Prozent auf 34,13 Euro. Infineon setzte damit seinen durchwachsenen Kursverlauf der vergangenen Tage fort, obwohl der Tech-Sektor insgesamt eine besonders starke Woche hinter sich hat. Auch die Papiere des Wafer-Zulieferers Siltronic und des Branchenausrüsters Aixtron gaben vorbörslich nach.

Die Intel-Aktien, die in den vergangenen Tagen ihr bisheriges Jahresminus fast aufgeholt hatten, brachen im nachbörslichen US-Handel um etwa zehn Prozent ein. Der Prozessorhersteller stellte für das laufende Vierteljahr Erlöse zwischen 12,2 und 13,2 Milliarden Dollar in Aussicht, was deutlich weniger war als die von Analysten im Schnitt erwarteten gut 14 Milliarden. „Auch wenn wir davon ausgehen, dass die meisten Anleger mit einer Verfehlung der Prognosen gerechnet hatten, war der Ausblick für das erste Quartal äußerst schwach und deutlich schlechter als befürchtet“, sagte Analyst Stacy Rasgon von Bernstein Research.

Getrübt wurde die Sektorstimmung auch von einer pessimistischen Analystenstimme zum Chip-Hersteller STMicroelectronics, der am Vortag einen schwachen Ausblick abgegeben hatte. Die Barclays Bank gab am Freitagmorgen ihr optimistisches Votum für die Aktien auf, deren Kurs im Tradegate-Handel um 2,6 Prozent sank. Analyst Simon Coles begründete seine vorsichtigere Einstufung mit seinen Schätzungen, die kurzfristig unter dem Konsens lägen. Auch der aktuelle Aktienkurs in Relation zu den Gewinnerwartungen spreche gegen ein optimistisches Votum. Der Experte zieht die Aktien von Infineon vor, da die Deutschen weniger stark auf Industrie-Endmärkte ausgerichtet seien, die aktuell am deutlichsten schwächelten.

Lkw-Bauer Volvo legt 2023 stärker zu als gedacht - Aber weniger Aufträge

Eine schwächere Wirtschaftsentwicklung und niedrigere Transportmengen bremsen die Nachfrage beim Lastwagen- und Bushersteller Volvo. Der Auftragsstau bei Lkw in Nordamerika und Europa aus den vergangenen beiden Jahren sei mittlerweile weitgehend abgearbeitet, berichteten die Schweden am Freitag bei der Veröffentlichung der Geschäftszahlen für 2023 in Göteborg. Dank Zuwächsen im Schlussquartal lief es im vergangenen Jahr sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Gewinn indes besser als von Analysten im Durchschnitt erwartet.

Der Umsatz stieg 2023 um fast 17 Prozent auf rund 552,8 Milliarden schwedische Kronen (knapp 49 Mrd. Euro), wie der Konkurrent von Daimler Truck und der VW-Nutzfahrzeugholding Traton weiter mitteilte. Das operative Ergebnis legte sogar um fast die Hälfte auf 66,8 Milliarden Kronen zu. Unter dem Strich entfällt auf die Anteilseigner ein Gewinn von 49,8 Milliarden Kronen - nach 32,7 Milliarden im Vorjahr. Die Aktionäre sollen daran mit einer regulären Dividende von 7,50 Kronen je Aktie sowie mit einer Sonderausschüttung von 10,50 Kronen je Aktie beteiligt werden. Das sind insgesamt vier Kronen mehr als ein Jahr zuvor.

Analyst Jose Asumendi von der US-Bank JPMorgan bewertete die Geschäftszahlen in einer ersten Reaktion als solide. Allerdings werde der Ausblick schwächer. Er verwies dabei auch auf etwas niedrigere Erwartungen von Volvo an die Zulassungen schwerer Lkw in Europa im laufenden Jahr.

Für schwächere Geschäfte spricht auch die Auftragsentwicklung. Zwar stiegen die Lkw-Auslieferungen der Schweden im Schlussquartal nochmals etwas, doch der Auftragseingang sank um 9 Prozent auf 49.347 Stück. Damit kam Volvo 2023 auf Bestellungen für 204.897 Lkw, 6 Prozent weniger als 2022. Zum Vergleich: ausgeliefert wurden im vergangenen Jahr 246.272 Lkw.

Konsumstimmung geht nach Zwischenhoch zum Jahreswechsel wieder zurück

Die Konsumstimmung in Deutschland ist nach einem kurzen Zwischenhoch zum Jahreswechsel wieder eingebrochen. Das ist das Ergebnis der aktuellen Umfrage zum Konsumklima in Deutschland des Konsumforschungsinstituts GfK und des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen (NIM). Insgesamt ging das Konsumklima in der Prognose für Februar um 4,3 Punkte auf einen Wert von minus 29,7 Punkte zurück, den schlechtesten seit März 2023. Vor der Corona-Pandemie lag das Konsumklima vergleichsweise stabil bei um die plus 10 Punkte.

Der Rückgang falle auch deshalb so stark aus, weil die Sparneigung zu Jahresbeginn deutlich gestiegen sei, fanden die Nürnberger Forscher heraus. Hoffnungen auf eine nachhaltige Erholung des Konsumklimas müssten weiter in die Zukunft verschoben werden. Krisen und Kriege sowie eine anhaltend hohe Inflation verunsicherten Verbraucher und verhinderten eine Verbesserung der Konsumstimmung.

„Die Verbesserung des Konsumklimas im Vormonat war offenbar nur ein kurzes Aufflackern vor Weihnachten“, resümierte NIM-Konsumexperte Rolf Bürkl. „Falls es Hoffnungen gab, dass sich die Stimmung nachhaltig erholen kann, so wurden diese im Januar wieder zunichte gemacht.“ Das Konsumklima habe zu Jahresbeginn einen herben Rückschlag hinnehmen müssen.

Vor allem die Inflation, die zuletzt wieder leicht gestiegen sei, lasse die Einkommenserwartungen sinken und die Menschen größere Anschaffungen auf die lange Bank schieben. Die Rückkehr zu einem Mehrwertsteuer-Satz von 19 Prozent in der Gastronomie und die CO2-Abgabe könnten die Entwicklung verstärken. Auch die Konjunkturaussichten würden inzwischen wieder pessimistischer beurteilt.

Für die Studie zum Konsumklima in Deutschland im Auftrag der EU-Kommission werden monatlich 2000 Menschen in Deutschland befragt, der Befragungszeitraum für die aktuelle Erhebung lag zwischen dem 4. und 15. Januar.

Redaktion onvista/dpa-AFX