Verdi fordert von Regierung Einsatz gegen Commerzbank-Übernahme

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Die Gewerkschaft Verdi und der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank fordern die Bundesregierung auf, sich gegen eine Übernahme des Frankfurter Geldhauses durch die italienische Großbank UniCredit zu stemmen.
Sie solle sich vielmehr gemeinsam mit den Beschäftigten für eine starke und eigenständige Commerzbank einsetzen, teilten Verdi und der Gesamtbetriebsrat am Freitag mit. Die UniCredit hatte vergangene Woche überraschend bekanntgegeben, neun Prozent an der Commerzbank erworben zu haben. Die Hälfte kaufte sie dabei vom Bund. Ein öffentliches Übernahmeangebot für die Commerzbank schloss UniCredit-Chef Andrea Orcel inzwischen aus. Die Bundesregierung hat sich noch nicht klar positioniert. Am Mittwoch soll der Finanzausschuss des Bundestages über die aktuelle Position informiert werden.
"Wir als Gesamtbetriebsrat setzen uns entschieden für die Eigenständigkeit und die Zukunftsfähigkeit unserer Bank ein", erklärte Commerzbank-Gesamtbetriebsratschef Uwe Tschäge. Eine Übernahme durch UniCredit würde nicht nur bisherige Erfolge aufs Spiel setzen, sondern auch die Arbeitsplätze gefährden. "Wir fordern die Bundesregierung auf, keine übereilten Entscheidungen bezüglich der Veräußerung ihrer Anteile zu treffen", fügte er hinzu.
Verdi-Chef Frank Werneke forderte, die Unabhängigkeit der Commerzbank und das Engagement der Beschäftigten nicht zu verspielen. "Der Bund darf keine weiteren Anteile an der Commerzbank abgeben, sondern muss sich klar für den Erhalt der Commerzbank als eigenständiges Institut positionieren, auch und gerade im Interesse der deutschen Wirtschaft", merkte er an. In einer Zeit steigender internationaler Unsicherheit sei es mit Blick auf die deutsche Wirtschaft und insbesondere den deutschen Mittelstand wichtiger denn je, dass die Commerzbank ihre Eigenständigkeit wahre. Angesprochen auf die Verdi-Forderung sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit in Berlin, die Lage werde jetzt gründlich analysiert. Es gebe dabei aber keinen neuen Sachstand.
FINANZAUSSCHUSS SOLL UNTERRICHTET WERDEN
Der Bund hält jetzt noch zwölf Prozent an Deutschlands zweitgrößter börsennotierter Bank. Die Anteile hatte der Staat in der globalen Finanzkrise vor 15 Jahren erworben, um der Commerzbank unter die Arme zu greifen. Bundesfinanzminister Christian Lindner hatte erst am Donnerstag klar gemacht, dass der Staat auf lange Sicht aus der Commerzbank aussteigen werde. "Der Bund kann, darf, will nicht auf Dauer an einer privaten Bank beteiligt sein", hatte der FDP-Vorsitzende gesagt. Deswegen habe die Bundesregierung entschieden, die Beteiligung an dem Frankfurter Geldhaus abzustoßen. Ein erster Schritt sei bereits getätigt worden. Lindner äußerte sich nicht dazu, wann dies geschehen soll.
UniCredit, die in Deutschland bereits durch die HypoVereinsbank vertreten ist, hat ein Interesse, die Commerzbank zu übernehmen. Der Bund fühlte sich vom Einstieg überrumpelt. Insidern zufolge stehen zunächst keine weiteren Verkäufe an. Die Commerzbank hat den Bund gebeten, seine verbliebene Zwölf-Prozent-Beteiligung zu halten. Das Bundesfinanzministerium wird den Finanzausschuss des Bundestages am Mittwoch kommender Woche über die Haltung der Bundesregierung zur angedachten Übernahme der Commerzbank durch UniCredit unterrichten. Das geht aus der Tagesordnung für die Sitzung hervor, die Reuters vorliegt. Die Sitzung ist nicht öffentlich.
(Bericht von Frank Siebelt und Christian Krämer redigiert von Olaf Brenner; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)