Dax startet kaum verändert in den Handel – Hugo Boss erholt sich von vorbörslicher Schwäche

Der Dax hat sich nach den jüngsten Rekorden am Mittwoch stabil gezeigt. Trotz der Schwäche der US-Börsen am Vortag und enttäuschender Quartalsberichte europäischer Konzerne hielt sich der deutsche Leitindex mit minus 0,1 Prozent auf 19.460 Punkte relativ stabil.
Für Thomas Altmann, Portfolio-Manager von QC Partners stellt sich mit Blick auf den Dax inzwischen die Frage: „Macht die Rally nur eine Pause oder ist sie zu Ende?“ Historisch gesehen, so argumentiert er, habe der deutsche Leitindex mehr als die Hälfte seiner Rekordhochs in ersten Halbjahren erzielt und die aktuell bisher ähnliche Tendenz passe gut in dieses Bild. Das aber würde dann für eine nachhaltige Fortsetzung der Rally nicht sehr optimistisch stimmen.
Analyst Martin Utschneider von Finanzethos verweist unterdessen auf einen weiterhin intakten Aufwärtstrend und resümiert: „Der Dax atmet durch, fällt aber nicht ab.“ Am Vortag hatte das hiesige Börsenbarometer mit 19.633 Zählern erneut eine Bestmarke erreicht, anschließend aber an Schwung verloren und knapp im Minus geschlossen.
Bevor am Donnerstag die Europäische Zentralbank (EZB) über die Höhe der Leitzinsen entscheidet und diese wohl etwas weiter lockern dürfte, steht hierzulande zunächst einmal der Quartalsbericht von Adidas im Blick. Und anders als LVMH und ASML enttäuschte der Sportartikelhersteller nicht. Vielmehr erhöhten die Herzogenauracher nach einem besser als erwartet ausgefallenen Jahresviertel seine Prognosen für 2024 erneut. Der Aktie half das jedoch nach einem zuletzt bereits guten Lauf wenig. Sie gab als einer der schwächsten Dax-Werte 2,1 Prozent ab.
Hugo Boss erholt sich von vorbörslicher Schwäche
Enttäuschende Quartalszahlen des französischen Luxuskonzerns LVMH haben am Mittwoch die Hugo-Boss-Aktie vorbörslich belastet. Bei Tradegate lag sie kurz vor Handelseröffnung bei Xetra mit 3,4 Prozent im Minus im Vergleich zum gestrigen Xetra-Schlusskurs.
Mit Eröffnung des Handels auf Xetra wurden die Anleger jedoch mutiger und griffen zu. Nach gut einer Stunde Handel liegt die Aktie mit 0,3 Prozent im Plus bei 40,75 Euro.
Anders läuft es beim französischen Mode- und Luxusartikelhersteller LVMH, der unter einer offenbar gesättigten Nachfrage nach Luxus bei den chinesischen Verbrauchern leidet.Die LVMH-Aktie liegt derzeit mit über fünf Prozent im Minus.
Weniger Bestellungen bei Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway
Kunden der Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway haben im abgeschlossenen Quartal deutlich weniger bestellt noch vor einem Jahr. In den Monaten Juni bis September knickte die Zahl aller Bestellungen um sechs Prozent auf 211,1 Millionen ein, wie der Kontrahent von Delivery Hero am Mittwoch in Amsterdam mitteilte. Neben Großbritannien und Irland enttäuschte vor allem das Segment Nordeuropa - in dieser Region gruppiert Just Eat Takeaway auch den wichtigen Markt Deutschland. Die Bestellungen in Nordeuropa gingen um zwei Prozent zurück. Analysten hatten im Schnitt mit einem Plus von fast zwei Prozent gerechnet.
Konzernweit rutschte der Bruttotransaktionswert (Gross Transaction Value, GTV) um drei Prozent auf 6,3 Milliarden Euro ab. Auch hier hatten Branchenkenner durchschnittlich mehr erwartet. Konzernchef Jitse Groen gibt sich aber weiter davon überzeugt, die Jahresziele erreichen zu können.
So rechnet Just Eat Takeaway für 2024 weiter mit einem um Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 450 Millionen Euro nach 324 Millionen im Jahr zuvor. Bei konstanten Wechselkursen und ohne das kriselnde Nordamerika-Segment soll der Bruttotransaktionswert um zwei bis sechs Prozent zulegen. Einen Käufer für den US-Lieferdienst Grubhub hat Groen auch nach Monaten noch nicht gefunden.
Großbritannien: Inflation geht zurück - Pfund unter Druck
Die Inflation in Großbritannien hat im September nachgelassen. Die Verbraucherpreise legten im Jahresvergleich um 1,7 Prozent zu - nach einem Plus von 2,2 Prozent im August, wie das Statistikamt ONS am Mittwoch in London mitteilte. Volkswirte hatten im Durchschnitt 1,9 Prozent auf dem Zettel. Im Monatsvergleich waren die Verbraucherpreise im September unverändert.
Damit liegt die Jahresteuerungsrate nun erstmals seit dem Frühjahr 2021 unter der Marke von zwei Prozent, die von der britischen Notenbank als Zielwert angestrebt wird. Zum Vergleich: im Herbst 2022 hatte sie noch 11,1 Prozent betragen.
Für den Rückgang der Verbraucherpreise im Jahresvergleich sorgten vor allem niedrigere Preise für Flugtickets und Benzin. Dem standen höhere Preise für Lebensmittel und nicht-alkoholische Getränke gegenüber.
Bei den Erzeugerpreisen meldete das Statistikamt einen Rückgang. Die Preise, die Hersteller für ihre Waren verlangen, fielen demnach im September um 0,7 Prozent im Jahresvergleich.
Das britische Pfund geriet nach den Daten unter Druck. Im Handel mit dem US-Dollar fiel der Kurs unter 1,30 Dollar.
Redaktion onvista/dpa-AFX