Aktienmarkt nach EZB-Sitzung unverändert - SDax-Wert verliert fast zweistellig

Die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Anleger am deutschen Aktienmarkt am Donnerstag nicht vom Hocker gerissen. Der Dax, der knapp unter seinem Rekordhoch in den Handel gestartet war, hielt sich auch nach dem Zinsentscheid in etwa auf Vortagesniveau und schloss 0,1 Prozent höher bei 20.426 Punkten. Der MDax sank letztlich um 0,4 Prozent auf 26.813 Zähler.
Die EZB senkte zum vierten Mal in diesem Jahr den Leitzins. Sie reagierte mit einem Schritt um 0,25 Prozentpunkte auf die schwächelnde Konjunktur im Euroraum. Zudem wurden die Inflations- und Wachstumsprognosen leicht nach unten angepasst. Volkswirte rechnen damit, dass die Notenbank die Leitzinsen im nächsten Jahr noch weiter herabsetzen wird.
Denn Handelskonflikte etwa mit den USA und ihrem wiedergewählten Präsidenten Donald Trump könnten die schwächelnde Konjunktur in Europa zusätzlich unter Druck setzen."Das war nicht der letzte Schritt nach unten", konstatierte der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater. "Inzwischen haben die Konjunkturpessimisten im EZB-Rat ein großes Gewicht. Die Leitzinsen werden sich im kommenden Jahr mindestens auf ein neutrales Niveau von 2 Prozent abwärts bewegen", erwartet er.
Schott Pharma nach Geschäftsbericht am MDax-Ende
Die Aktien von Schott Pharma sind am Donnerstag nach Jahreszahlen und einem Ausblick auf Berg- und Talfahrt gegangen. Auf deutliche Gewinne zum Handelsstart sackten die Papiere des Pharma-Spezialverpackungsherstellers auf ein Rekordtief bei 23,60 Euro, bevor es wieder aufwärts ging. Die Aktie beendete den Xetra-Handel oberhalb von 24 Euro mit einem Tagesverlust von knapp sechs Prozent und war damit unter den schwächsten MDax-Titeln.
Der Gerresheimer-Konkurrent war im September 2023 mit Ausgabepreis von 27 Euro aufs Parkett gegangen. Seither ging es für die Aktien überwiegend abwärts. Gerresheimer reagierten unterdessen kaum auf den Bericht von Schott. Sie gaben zum Handelsschluss um 0,4 Prozent auf 76,10 Euro nach.
Ein Händler sprach von einem "gemischten Zahlenwerk" bei Schott Pharma, mit zugleich soliden Zielen für das neue Geschäftsjahr und bekräftigten Mittelfristzielen. UBS-Analyst Olivier Calvet nannte dagegen das operative Ergebnisziel (Ebitda) für 2024/25 etwas enttäuschend, während Analyst James Vane-Tempest von Jefferies den hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Margenausblick monierte. Zudem verwies er darauf, dass die Prognosen für das Geschäftsjahr 2024/25 etwas unter denen lägen, die Schott Pharma im Jahresverlauf gegeben habe.
SDax: Medios kürzt Prognose und stürzt ab
Auch die Aktien des Spezialpharma-Unternehmen Medios fielen am Donnerstag kräftig. Hintergrund: Der Konzern senkt kurz vor Ablauf des Jahres seine Ziele. Der Schritt kommt überraschend, denn vor rund einem Monat hatte der Vorstand seine Prognose nach einem starken Quartal noch bestätigt.
Doch die Hoffnungen auf millionenschwere Einnahmen kurz vor Jahresschluss erfüllten sich nicht. "Wir können nun Mitte Dezember besser abschätzen, welche Aufträge in diesem Jahr noch abgearbeitet werden können", begründete Medios-Chef Matthias Gärtner den Schritt am Donnerstag im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Dieses fehlende Geschäft dürfte sich in die kommenden Monate verschieben, ergänzte der Manager.
An der Börse brach die Aktie ein. Das im SDax notierte Papier verlor bis zum Xetra-Handelsschluss gut neun Prozent auf 11,56 Euro und fiel damit auf den niedrigsten Stand seit 2017. Allein im laufenden Jahr hat es mehr als ein Viertel an Wert eingebüßt. Doch bereits seit Ende der Pandemie, in der die Börse noch Höchstkurse für Medios über 40 Euro aufgerufen hatte, war es konsequent abwärtsgegangen.
(mit Material von dpa-AFX)