Kolumne von Alexander Mayer

Der Bitcoin-Zyklus hat das Potenzial, in eine Verlängerung zu gehen

decentralist.de · Uhr

Die Politik der Notenbanken hat die Auf- und Abwärtszyklen bei Bitcoin in den vergangenen Jahren mehr als jeder andere Faktor geprägt. Der aktuelle Lauf der Kryptowährung könnte aus genau diesem Grund noch nicht an seinem Ende sein.

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Quelle: CryptoFX/Shutterstock.com

Bitcoin bewegt sich seit seinen Ursprüngen kurz nach der Finanzkrise hartnäckig in einem vierjährigen Zyklus – getrieben wird dieser maßgeblich durch die ebenfalls zyklische Liquidität an den Märkten, die stark durch die Geld- und Fiskalpolitik der großen Zentralbanken und Wirtschaftszonen beeinflusst wird.

Seit dem letzten Bullenlauf wird die Gültigkeit dieser Zeitspanne infrage gestellt. Viele argumentieren, dass das eigentliche letzte Zyklus-Höhepunkt bereits im März 2021 erreicht wurde.

Auch in diesem Zyklus gab es in der ersten Jahreshälfte 2024 Diskussionen über einen verkürzten Zyklus, da die Zulassung der Bitcoin-Spot-ETFs an der Wallstreet zu einer – zumindest in den Augen einiger Marktteilnehmer – vorweggenommenen Rally geführt hat. Diese These wurde mittlerweile negiert, da Bitcoin sich im weiteren Verlauf dieses Zyklus bisher recht treu an seine vergangenen Muster gehalten hat. 

Dieses Argument spricht für einen verlängerten Zyklus

Nun tritt jedoch vermehrt die Diskussion am Markt auf, ob es diesmal zu einem „Extended Cycle“ kommen wird, also dass der Zyklus nicht wie üblich im vierten Quartal des Post-Halvingjahres sein Ende finden wird – sprich im vierten Quartal 2025 – sondern darüber hinaus gehen wird.

Diese Diskussion basiert auf einem validen Argument: die US-Notenbank, der wohl mit Abstand größte Faktor für die Entwicklung der globalen Liquidität – hält sich bisher mit geldpolitischer Lockerung zurück, nachdem sie während der Corona-Krise früh in die Vollen gegangen ist.

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Bitcoin

Im Chart oben ist der langfristige Bitcoin-Kurs entsprechend seiner vierjährigen zyklischen Muster abgebildet. In blau unterlegt ist die Entwicklung der globalen Geldmenge M2, bestehend aus den Balancesheets der wichtigsten Zentralbanken Fed, EZB, Bank of Japan und der People´s Bank of China. Im langfristigen Vergleich ist eine sehr starke Korrelation zwischen der Entwicklung des Bitcoin-Preises und der Entwicklung der globalen Geldmenge M2 zu erkennen.

Der Bitcoin-Chart
Quelle: Tradingview

Letzten Endes ist nicht das Bitcoin-Halving – wie von vielen Investoren immer noch fälschlich angenommen - der Haupt-Orientierungspunkt für die Entwicklung der Bitcoin-Zyklen, sondern es hat klar die Entwicklung der Geldmenge den größten Einfluss auf den Zyklus, beziehungsweise setzt die eigentlichen Rahmenbedingungen für diesen. 

Wo stehen wir im Liquiditätszyklus?

Der Oktober 2022 hat mit einem Tiefpunkt der Liquiditätsentwicklung das Ende des letzten Liquiditätszyklus markiert. Seitdem befinden wir uns in einem neuen Zyklus, der sich jedoch bisher trotz einer insgesamt steigenden globalen Geldmenge als „holpriger“ erweist als die beiden vorherigen Zyklen, die klarere Aufwärtstrends aufgewiesen haben.

Das liegt hauptsächlich an der zögerlichen Haltung der US-Notenbank, nachdem diese im letzten Zyklus einen Fehler gemacht und zu lange auf geldpolitische Lockerung gesetzt hat, was zu einer ausufernden Inflationsentwicklung geführt hat. Von US-Seite wurde dieser Liquiditätszyklus bisher nicht durch „klassische“ Maßnahmen wie Zinssenkungen und Quantitative Easing der Federal Reserve angetrieben, sondern durch viele indirekte Maßnahmen, vor allem von fiskalischer Seite.

Die Verlagerung der Schuldenaufnahme an das kurzfristige Ende der Zinskurve durch das US-Finanzministerium hat zu einem Abfluss in der Reverse Repo Facility geführt, in der durch die Corona-Krise freigesetztes, jedoch ungenutztes Kapital gesteckt hat. Vor allem diese Liquiditätsinjektion hat den Zyklus von Ende 2023 bis 2024 angetrieben.

Im September letzten Jahres hat die Fed erste Zinssenkungen vorgenommen, doch die Inflation befindet sich weiterhin zu weit entfernt von dem von der Fed gewünschten Niveau von 2,0 Prozent. Die zögerliche Haltung der Federal Reserve schränkt den Spielraum anderer Zentralbanken ein, geldpolitische Lockerung zu betreiben, da der Zinsspread zwischen den USA und anderen Währungsräumen nicht zu hoch werden kann, ohne zu großen Problemen zu führen.

Die Federal Reserve als globaler Ankerpunkt der Finanz- und Währungsmärkte spielt weiterhin die entscheidende Rolle, auch wenn Europa und China mittlerweile aufgrund drängender wirtschaftlicher Probleme in eine neue Lockerungsphase übergegangen sind.

Wie ist der weitere Ausblick für den Zyklus?

Die bisher insgesamt zögerliche Haltung der Federal Reserve liefert daher tatsächlich ein Argument dafür, dass dieser Liquiditätszyklus sich noch bis weit in das Jahr 2026 hinein erstrecken kann, da es einige fundamentale Treiber gibt, die schlussendlich ein Einknicken der Fed alternativlos machen.

Die US-Schuldenkrise, schwächelnde Wirtschaftsräume wie Europa, Japan und China, sowie ein dringend benötigtes günstiges Umfeld für die Refinanzierung von vielen Unternehmens- und Staatskrediten werden alle zum Krisenpotenzial, wenn nicht genügend neue Liquidität freigesetzt wird, um die „Löcher zu stopfen“.

Die zeitliche Komponente zu timen, ist wie immer beim Handwerk des Investierens schwer bis unmöglich zu erreichen. Ein weiterhin ebenso plausibles Szenario bleibt, dass der Bitcoin-Kurs auch diesmal sein Zyklus-Top wieder gegen Ende des Post-Halving-Jahres finden wird. Dass sich die Liquidität an den Märkten aufgrund der angesprochenen Faktoren ausweiten wird, bleibt jedoch ein wahrscheinliches Szenario und stellt zumindest in Aussicht, dass für Bitcoin das Top in diesem Zyklus noch nicht erreicht ist. 

Denken Sie langfristig!

Wann kommt das Bitcoin-Top in diesem Zyklus? Ein Blick auf relevante On-Chain- und Makro-Indikatoren liefert wichtige Orientierungspunkte. Erfahren Sie mehr dazu in der aktuellen Analyse auf decentralist.

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