onvista-Börsenfuchs: Die Frühwarn-Ampel springt auf gelbrot

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Hallo Leute! Ich hab‘ die Stimmungsmacher für Wirtschaft und Börse mal sortiert. Deren Einschätzungen gehen jetzt weiter auseinander als vorher. Das Gesamtergebnis fällt (leider) nicht gerade ermutigend aus. Putin ist schuld. Die Kombination aus Rezession und Inflation ist voll der Mist – wenn sie kommt und anhält. Dem Aktienmarkt kann sie nicht gut bekommen, obwohl sich die Propheten mit dramatischen Baisse-Warnungen zurückhalten. Noch.

Russlands Krieg gegen die Ukraine hat weltweit für tiefe Bestürzung gesorgt. Die Fernsehbilder bringen uns die entsetzlichen Folgen ganz nah. Neben der humanitären Katastrophe verursacht der Krieg bereits jetzt weltweit spürbare wirtschaftliche Schäden, die sich einer aktuellen OECD-Analyse zufolge weiter verschärfen könnten. Die durch den Krieg ausgelöste Angebotsverknappung bei Rohstoffen verschärft die pandemiebedingten Lieferstörungen, befürchtet die Organisation. Dies wird die Verbraucher und Unternehmen geraume Zeit belasten.

Der Krieg lässt Rezessionsgefahr für Deutschland steigen. Das signalisiert auch der Konjunkturindikator des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Das auf aktuellen Wirtschaftsdaten basierende Frühwarnsystem taxiert eine Rezessionswahrscheinlichkeit für die nächsten drei Monate derzeit auf 23,9 Prozent nach 16,1 Prozent im Februar. Der nach dem Ampelsystem aufgebaute Indikator schaltet daher von „gelbgrün“ auf „gelbrot“. „Das signalisiert zunächst für den Zeitraum von März bis Ende Mai eine erhöhte konjunkturelle Unsicherheit.

Auch prominente Investmentstrategen scheuen nicht vor bedeutungsschweren Urteilen. Denn die Welt scheint sich derzeit nur in Superlativen fassen zu lassen: Ein historisches Ereignis jagt das andere. Innerhalb von nur 24 Monaten haben wir die erste Pandemie seit einem Jahrhundert, die tiefste Rezession der jüngsten Geschichte, die höchsten US-Inflationsraten seit 40 Jahren und den schwersten Konflikt in Europa seit Generationen erlebt. Die Meldungen überschlagen sich geradezu, und man findet kaum noch Muße, die Lage einmal in Ruhe zu betrachten. Nicht zuletzt deshalb übersieht man leicht, dass die „neue Normalität“ alles andere als normal ist.

Die kräftige Inflationsbeschleunigung ist eines der alles überschattenden wirtschaftlichen Risiken. Sie betrifft praktisch jeden von uns – ob wir nun Lebensmittel einkaufen, unsere Heizkosten bezahlen oder verstehen möchten, wie sich Inflation auf das „reale“ Wachstum, die Lohnentwicklung und die Anlagerenditen auswirkt. Derzeit rücken die direkten Auswirkungen ins Blickfeld – und die gehen über die jüngsten Ausschläge der Erdgas- und Ölpreise hinaus. Knapp 30 % der globalen Weizenexporte und rund 12 % aller weltweit gehandelten Kalorien stammen zusammengenommen aus Russland und der Ukraine. Russland und die Ukraine sind außerdem wichtige Produzenten von Neongas (das für Halbleiter benötigt wird), Kali (woraus Dünger hergestellt wird) und Aluminium. Das heißt: Die Güterpreise, die bereits in der Pandemie nach oben schnellten, könnten hoch bleiben oder weiter ansteigen.

Ähnlich äußern sich Londoner Anlageexperten, die keinen Hehl aus der Skepsis für die weitere Marktentwicklung machen. Denn die aktuellen geopolitischen Spannungen, die Besorgnis über eine höhere Inflation, bevorstehende Zinserhöhungen, steigende Energiepreise und Unterbrechungen der Lieferketten führen allesamt zu einem langsameren Wirtschaftswachstum und dem Risiko einer Stagflation.

Die Erwartungen an das Gewinnwachstum sind seit Jahresbeginn drastisch zurückgegangen. Andere Akteure sind überzeigt, dass höhere Rohstoffpreise zu einer schwächeren Verbrauchernachfrage und einem geringeren Wirtschaftswachstum führen werden. Konkret wird deshalb erwartet, dass das globale Gewinnwachstum für Aktien im Jahr 2022 weniger als 5 % betragen wird. Das entspricht also etwa der Hälfte der derzeitigen Markterwartung. Angesichts der zunehmenden geopolitischen Spannungen und des Rezessionsrisikos wird es dem Markt schwerfallen, positive Renditen für die Anleger zu erwirtschaften. gehören nicht gerade zu den internationalen Favoriten, obwohl unsere Aktien nach ihren überdurchschnittlichen Kurskorrekturen vereinzelt wieder als interessant gelten. Außerdem: In einem rezessiven Umfeld sollten sich Anleger auf Energie- und Gesundheitstitel konzentrieren. Aktien aus diesen Sektoren könnten 2022 ein starkes Cash-flow-Wachstum liefern. Die Ölproduzenten haben ihre Betriebskosten in den letzten zehn Jahren drastisch gesenkt. Angesichts der geopolitischen Spannungen, die das Angebot begrenzen und zu höheren Ölpreisen führen, erwarten Fondsmanager einen ungewöhnlich hohen freien Cash-flow. Im Gesundheitswesen wird aufgrund der demografischen Entwicklung und neuer Produkte ein gutes Wachstum gesehen.

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