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BASF: Mehrheit der Analysten zuversichtlich, trotz Horrorprognose von Chemieverband

onvista · Uhr
Quelle: Palatinate Stock/Shutterstock.com

Gehen in der Chemie die Lichter aus? So schlimm wird es wohl nicht kommen, dennoch drosselt die Chemie- und Pharmabranche ihre Produktion immer weiter. Der Dachverband VCI (Verband der chemischen Industrie) rechnet damit, dass die Produktion in diesem Jahr um insgesamt 5,5 Prozent schrumpfen werde. Betrachtet man nur die Chemie- ohne die Pharmabranche, fällt das Minus noch dicker aus: 8,5 Prozent, wie der Verband am Mittwoch mitteilte.

Es ist schlimm – und wird wohl noch schlimmer

VCI-Präsident Christian Kullmann ist da sehr pessimistisch, er bezeichnet die Drosselung als ersten Schritt. Wenn bestimmte Prozesse, so Kullmann weiter, stillgelegt werden, dann laufen sie womöglich nie wieder an. Diesen interessanten Punkt hat Kullmann leider nicht weiter ausgeführt.

Sollte Kullmann recht haben, dann ist das ein schwerer Schlag für die Wirtschaft in Deutschland: Die Chemie- und Pharmaindustrie beschäftigt mehr als 473.000 Personen und ist von der Energiekrise besonders hart getroffen. Nach eigenen Angaben verbraucht sie mehr als 15 Prozent des gesamten Gases in Deutschland. Sie braucht Gas als Energiequelle und als Rohstoff zur Weiterverarbeitung - etwa in Kunststoffen, Arzneien oder Düngemitteln.

BASF besonders hart getroffen

Der Chemiekonzern BASF ist besonders von der Gas- und Energiekrise betroffen. Der Dax-Konzern erzielte im zweiten Quartal 2022 noch Gewinn dank Preiserhöhungen und eines schwachen Euros. Wie lange sie das aber noch durchhalten kann niemand sagen.

Konzernchef Martin Brudermüller gibt sich zwar zuversichtlich, dass bis zum Ende des Jahres der Betrieb am Ludwigshafener Standort mit reduzierter Last aufrechterhalten kann, sollte die Bundesregierung die dritte und letzte Notstandsstufe ausrufen. Und der Erdgasverbrauch bei BASF ist enorm: Alleine 2021 betrug er ca. 37 Terawattstunden, davon wurde etwa die Hälfte für die Strom- und Dampferzeugung verwendet, die Hälfte aber auch als Rohstoff.

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Bei BASF laufe derzeit die Suche nach Alternativen auf Hochtouren. Die Vorbereitungen, um Erdgas etwa durch Heizöl zu ersetzten, kämen - soweit technisch möglich - voran. Bei Anlagen, die große Mengen an Erdgas benötigen, werde BASF die Produktion reduzieren. Dazu zählten etwa die Ammoniakanlagen. Dies sei eine gängige Praxis in der chemischen Industrie, etwa bei unwirtschaftlichen Margen. Allerdings kostet das Geld: Brudermüller rechnet mit Mehrkosten in Höhe. von 800 Mio. Euro.

Die Analysten geben sich aber zuversichtlich: von 19 befragten Analysten empfehlen 11 den Kauf, sieben zum Halten und nur einer de sofortigen Ausstieg. Dieser Optimismus liegt darin begründet, dass BASF bereits reagiert habe. Außerdem können der Konzern die Kosten leichter weitergeben als andere Branchen (Preissetzungsmacht). Weiteres Plus: BASF besitzt rund 73 Prozent an Wintershall und könne so – zumindest – einen Teil des wegfallenden Erdgases und Erdöls beziehen.

Bei den derzeitigen Rohstoffpreisen könnte Wintershall Dea aus den nicht-russischen Vermögenswerten einen freien Barmittelzufluss (Cashflow) von über drei Milliarden Euro netto für BASF generieren. Sollte eine mangelnde Verfügbarkeit von Gas oder unwirtschaftliche Preise den Dax-Konzern dazu zwingen, seinen wichtigsten Chemiestandort in Ludwigshafen zu schließen, dann könnte der Cashflow aus den Öl- und Gasfeldern der Wintershall dies effektiv kompensieren.

(mit Material von dpa-AFX)

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