Kolumne

Ölpreis 2024: 150 Dollar sind möglich

Heiko Böhmer · Uhr
Quelle: AzmanMD/Shutterstock.com

Zwar rückt die E-Mobilität immer stärker in den Fokus – aber Öl als Schmierstoff der Weltwirtschaft wird noch lange eine große Bedeutung haben. In diesen Tagen nun erreichen die USA mit deutlich über 13 Millionen Barrel am Tag eine neue Rekordproduktion. Die alte Rekordmarke aus dem März 2020 wurde überschritten. Gleichzeitig erscheint eine außergewöhnliche Preisprognose von 150 Dollar pro Barrel schon für 2024. 

Mit dem jüngsten Anstieg haben die USA ihre Rolle als größter Ölproduzent der Welt klar gefestigt. Wie massiv der Anstieg in den letzten knapp 15 Jahren ausgefallen ist, verdeutlicht der Chart zur Entwicklung der US-Erdöl-Produktion. Hier sind die wöchentlichen Daten zur Tagesproduktion in Millionen Barrel eingearbeitet. Kurz zur Einordnung: Global liegt die Ölproduktion – ungeachtet der zuletzt ausgesprochenen Ölkürzungen der OPEC – immer noch im Bereich um 100 Millionen Barrel. Und 2010 lag die globale Ölproduktion nach Angaben der Internationalen Energie Agentur (IEA) noch bei knapp 87 Millionen Barrel.

Quelle: wellenreiter-invest.de

US-Ölboom durch Fracking – Neuer Produktionsrekord 

Seitdem haben die USA, vor allem angetrieben durch den Fracking-Boom, die inländische Produktion von knapp sechs Millionen Barrel auf zuletzt mehr als 13,2 Millionen Barrel mehr als verdoppelt. Beim Blick auf die langfristige Entwicklung fallen jedoch die deutlichen Schwankungen in den Vereinigten Statten auf. Nach einem ersten Hoch von knapp 10 Millionen Barrel im Jahr 2015 ging es in den folgenden beiden Jahren noch einmal bergab. Doch seit 2017 erfolgte dann ein wirklicher Boom, der erst durch die Corona-Krise im Frühjahr 2020 gestoppt wurde. In den vergangenen Monaten gab es wieder einen Schub bei der Produktion in den USA – auch durch die Ausweitung der aktiven Bohrlöcher. 

Saxo Bank Vorhersage: 150 Dollar Ölpreis im kommenden Jahr 

Für die Stimmung an den Kapitalmärkten ist der Ölpreis ein ganz wichtiger Faktor. Zuletzt kam der Ölpreis deutlich zurück. Die Krisen der vergangenen Jahre haben jedoch immer wieder zu massiven Schwankungen geführt. Und wie wäre es denn, wenn sich der Ölpreis in den kommenden 12 Monaten auf 150 Dollar verdoppeln würde? Ein solches Szenario hat in dieser Woche die Saxo Bank veröffentlicht.

Die ungewöhnlichen Prognosen der Saxo Bank haben einen fast schon legendären Ruf. Und eine Prognose für 2024 sieht eben einen Ölpreis von 150 Dollar vor. Zur Begründung heißt es: „Wir könnten bis Mitte des Jahres 150 US-Dollar pro Barrel erreichen, da die Nachfrage stärker als erwartet ausfällt, weil die grüne Transformation angesichts steigender Kosten ins Stottern gerät und die OPEC+ unter der Führung Saudi-Arabiens das Angebot fest im Griff hat.“ 

Wichtig ist dabei die Einordnung: Gegenüber normalen Bankprognosen stechen die Prognosen der Saxo Bank durch ihre mitunter provokanten Thesen schon heraus. Im Grunde geht es eher um das Abstecken möglicher oder fast unmöglicher Szenarien. Die Experten um den Chief Investment Officer Steen Jakobsen beschreiben es oft so, dass wir alle massive Veränderungen erleben würden, selbst wenn nur ein oder zwei der Prognosen eintreffen würden. Dass alle Prognosen sich gleichzeitig erfüllen, ist dabei völlig ausgeschlossen, weil sie sich zum Teil komplett widersprechen. Die Saxo Bank betreibt mit ihren Szenarien wirklich ein Denken „Outside the Box“ und genau dafür sind die Impulse auch so wichtig. 

Sowohl die Entwicklung der US-Ölproduktion als auch der Blick auf die Prognose zeigen deutlich: Das fossile Zeitalter mit Öl und anderen Energieträgern ist lange noch nicht vorbei. 

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