Dax steigt vor EZB-Zinsentscheidung – Merck und Sartorius schnellen hoch

Der Dax ist am Tag der EZB-Zinsentscheidung mit Gewinnen gestartet. Gut eine Stunde nach Handelsbeginn liegt der Leitindex mit 0,48 Prozent im Plus bei 19.525 Punkten. Unterstützung lieferten Kurssprünge von Sartorius und der Merck KGaA. Hier nahmen Sorgen vieler Investoren in puncto Geschäftsentwicklung ab.
Am Dienstag noch hatte er bei 19.633 Zählern ein Rekordhoch erreicht. Hinweise der Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks auf künftig weitere Leitzinssenkungen sowie erfreuliche Quartalszahlen könnten nun nach und nach frischen Schwung geben.
Ein kleiner Zinssenkungsschritt durch die Europäische Zentralbank (EZB) gilt bereits als ausgemachte Sache. Wichtiger sind daher die begleitenden Worte der EZB-Vorsitzenden Christine Lagarde.
Von der EZB wird an diesem Nachmittag eine erneute Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte erwartet. Es wäre der dritte Zinsschritt in diesem Jahr. Das Hauptaugenmerk gilt denn auch eher den Begleitkommentaren mit den Fragen: Wird es Hinweise auf eine weitere Senkung im Dezember geben oder auf das angestrebte Ausmaß des Zinszyklus?
„Wohl eher nicht“, vermuten die Analysten der hessischen Landesbank Helaba. Vielmehr werde die EZB wie üblich für künftige Entscheidungen auf die Datenabhängigkeit verweisen, auch wenn das für die Marktteilnehmer kein Grund sein dürfte, ihre Zinsspekulationen zurückzufahren, schrieben sie. „EZB-Präsidentin Lagarde wird es derweil heute schwer haben, sich am Markt Gehör zu verschaffen, denn am frühen Nachmittag steht eine Reihe interessanter US-Daten zur Veröffentlichung an.“ Unter diesen dürften vor allem die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion besonders beachtet werden.
Merck und Sartorius schnellen hoch - weniger Geschäftssorgen
Die Aktien der Merck KGaA und die von Sartorius haben am Donnerstag einen Erholungskurs eingeschlagen. Sorgen in puncto Geschäftsentwicklung nahmen ab.
Merck legten kurz nach dem Handelsstart um rund acht Prozent auf 166,40 Euro zu. Seit dem Jahreshoch von 177 Euro Ende August war es zuletzt nach unten gegangen. Für 2024 steht nun wieder ein Kursplus von mehr als 15 Prozent auf dem Zettel.
Die Aktien des Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzerns dürften laut einem Händler auch von der Erleichterung bei Sartorius profitieren. Bei dem Pharma- und Laborzulieferer aus Göttingen liefen die Geschäfte im dritten Quartal wie erwartet und teils sogar leicht besser.
Zudem bestätigte Sartorius die Jahresziele, was angesichts niedriger Erwartungen vieler Investoren ausreichen sollte, die Aktien zu stützen, schrieb Analyst Charles Weston von der kanadischen Bank RBC. Am Markt waren nach kassierten Jahreszielen des Schweizer Branchenkollegen Tecan am Vortag Sorgen mit Blick auf Sartorius aufgekommen und hatten allgemein belastet.
Für die im Dax notierten und zuletzt teils arg gebeutelten Sartorius-Vorzugsaktien ging es im frühen Handel um gut 17 Prozent auf 268 Euro nach oben. 2024 notieren die Papiere gleichwohl immer noch rund ein Fünftel im Minus. Kaufzurückhaltung der Kunden, die sich während der Corona-Pandemie die Lager vollgestopft hatten, lastete auf den Geschäften des Unternehmens und auf dem Aktienkurs.
Neben den eher positiven Signalen seitens Sartorius ziehe mit Blick auf Merck wohl das Zauberwort „Künstliche Intelligenz“ (KI), sagte der Händler weiter. Dass Merck nach zwei Studienflops mit wichtigen Medikamenten seine mittelfristigen Wachstumsambitionen für die Pharmasparte eindampfte, war laut den Experten des Analysehauses Jefferies zudem keine Überraschung.
Dagegen äußerte sich das Merck-Management anlässlich des Kapitalmarkttages zuversichtlich, mittelfristig wieder zu nachhaltigem Wachstum zurückkehren zu können. Dabei dürfte Merck eigenen Angaben zufolge dank des aktuellen Booms von KI-Anwendungen von einer beschleunigten Entwicklung in seiner Elektronik-Sparte mit Halbleitermaterialien profitieren. Für diesen Bereich hob Merck seine Mittelfristziele denn auch an.
Chiphersteller TSMC profitiert weiter von KI-Boom - Zuversichtlicher Ausblick
Die weiterhin hohe Nachfrage nach Chips für Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz (KI) stimmt den taiwanesischen Hersteller TSMC optimistisch fürs restliche Jahr. Im vierten Quartal dürften die Umsätze zwischen 26,1 und 26,9 Milliarden US-Dollar (bis zu 24,8 Mrd Euro) liegen, wie der Konzern am Donnerstag im taiwanesischen Hsinchu mitteilte. Analysten hatten dem Chipkonzern im Schnitt nur knapp 25 Milliarden Dollar zugetraut. Auch mit der Margenprognose übertraf TSMC die Erwartungen deutlich.
Im abgelaufenen dritten Quartal stieg der operative Gewinn um 58 Prozent auf knapp 361 Milliarden Taiwan-Dollar (10,3 Milliarden Euro). Die entsprechende Marge legte von 42,5 Prozent im Vorquartal auf 47,5 Prozent zu. Unter dem Strich verdiente TSMC mit gut 325 Milliarden Taiwan-Dollar etwa 54 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz kletterte, wie bereits bekannt, um 39 Prozent auf knapp 760 Milliarden Taiwan-Dollar nach oben. Das gesamte Zahlenwerk fiel spürbar besser aus als von Analysten erwartet.
TSMC ist der weltweit größte Auftragsfertiger von Chips. Das Unternehmen produziert die Chips, die für das Training Künstlicher Intelligenz benötigt werden und beliefert unter anderem große KI-Anbieter wie die US-Konzerne Nvidia und Apple. TSMC will daher weiter viel Geld in den Aus- und Umbau der Produktion stecken: 2025 dürften die Investitionen sehr wahrscheinlich höher ausfallen als in diesem Jahr. Für 2024 stellte TSMC Ausgaben knapp über 30 Milliarden US-Dollar in Aussicht.
Redaktion onvista/dpa-AFX