Allianz erwartet keinen Rekordgewinn - 2020 "wird nicht zum Lachen"

Reuters

München (Reuters) - Die Allianz rechnet angesichts der Coronakrise 2020 mit einem Gewinnrückgang.

"Gehen Sie mal davon aus, dass wir in diesem Jahr keinen Rekordgewinn erzielen werden", sagte Vorstandschef Oliver Bäte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Dieses Jahr wird nicht zum Lachen." Europas größter Versicherer hat bisher ein operatives Ergebnis von 11,5 bis 12,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Im vergangenen Jahr hatte die Allianz mit 11,9 Milliarden Euro so viel verdient wie nie. "Über unser Geschäftsmodell mache ich mir keine Sorgen", sagte Bäte. "Aus den Aktiengeschäften haben wir zwar nicht mehr die schönen Wertpolster, die wir mal hatten, aber auch keine Verluste." Die Kapitalanlagen der meisten Versicherer, die einen großen Anteil zum Gewinn beisteuern, bestehen nur in geringem Maß aus Aktien.

Um die Folgen einer Pandemie und anderer Katastrophen in Zukunft finanziell abzufedern, schlägt der Allianz-Chef einen europäischen Notfallfonds vor, in den die Versicherer und die Staaten einzahlen. "In einem Extremszenario wie einer Pandemie wird das private Kapital nie ausreichen, da brauchen wir immer eine Partnerschaft zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft", sagte Bäte. "Ich wäre dafür, auf europäischer Ebene einen Fonds einzurichten, in den die Versicherungsbranche einzahlt und den man in Krisensituationen anzapfen kann - und zwar nicht nur für Pandemien, sondern auch für schwere Naturkatastrophen." Ein solches Polster könnte auch die Folgen des Klimawandels bewältigen helfen. Bisher haben sich aber nur wenige Unternehmen gegen die Folgen einer Pandemie versichert.

Bäte vergleicht den Stillstand infolge des Coronavirus mit einem "Systemausfall", der die Versicherer allein überfordern würde. "Die faktische Schließung der Wirtschaft ist kein Zufallsereignis, das hat die Politik beschlossen. So etwas kann kein Unternehmen versichern, weil man das Risiko nicht berechnen kann." Die Assekuranz könnte die daraus entstehenden Verluste nicht tragen. "Wenn statt sieben bis acht Prozent der Autos 90 Prozent im Jahr einen Unfall hätten, dann wären die Versicherungsprämien in der Autoversicherung unbezahlbar. Wir versichern Zufälle in einem begrenzten Rahmen."

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