Tesla: Der Wind wird rauer – eine viertel Billionen Dollar Marktkapitalisierung ist seit dem Rekordhoch wieder dahin – ARK Invest bleibt bullisch
Die rosigen Zeiten für die Aktien des US-Elektroautobauers Tesla scheinen fürs erste wieder vorbei zu sein, da sowohl die direkte Konkurrenz, als auch unangenehme Entwicklungen am Gesamtmarkt das Unternehmen zunehmend unter Druck setzen. Seit dem Ende Januar erreichten Rekordhoch von etwas mehr als 900 Dollar mussten die Papiere ein Drittel an Wert abgeben. Das bedeutet einen Verlust des Börsenwerts von mehr als einer viertel Billionen Dollar. Allein in den letzten fünf Handelstagen ist die Aktie dabei um 21 Prozent eingeknickt.
Tesla machte vor allem Schlagzeilen mit seinem Engagement in die digitale Währung Bitcoin. Schon in naher Zukunft will Konzernchef Elon Musk Zahlungen in Bitcoin bei Käufen von Autos und anderen Produkten akzeptieren. Den Bitcoin-Kurs hatte diese Ankündigung in die Höhe getrieben.
Steigende Renditen als potenzielle Belastung
Die Tesla-Aktien rauschten in den letzten Wochen hingegen in die Tiefe, geschuldet auch der Schwäche im US-Technologiesektor. Dort litten die hoch bewerteten Aktien unter dem Zinsanstieg der 10-jährigen US-Staatsanleihen im Zuge gestiegener Inflationssorgen.Tesla ist als immer noch stark wachstumsorientiertes Unternehmen auf künftige liquide Mittel angewiesen und steht daher bei steigenden Finanzierungskosten über Kredite besonders unter Druck.
Ende Januar hatte Tesla zudem mit seinen Geschäftszahlen die Anleger enttäuscht. Zwar hatte der Konzern sein sechstes Quartal mit schwarzen Zahlen in Folge geschafft und erstmals ein ganzes Kalenderjahr mit Gewinn abgeschlossen, doch den erfolgsverwöhnten Tesla-Anlegern hatte dies nicht gereicht.
Auch der globale Chipmangel belastet Tesla wie die anderen Autobauer. Im Februar schloss Tesla kurzzeitig sein Werk in Fremont, Kalifornien – Musk machte einen „Teilemangel“ verantwortlich. US-Medien berichten zudem, dass es für viele Model 3 und Model Y Kunden monatelange Lieferrückstände gibt.
Der Rest der Industrie holt auf
BMW-Chef Oliver Zipse geht inzwischen auch davon aus, dass die Elektroauto-Offensive der großen Autobauer dem Vorreiter Tesla Luft aus den Segeln nehmen wird. „Es wird nicht einfach für Tesla, das Tempo zu halten, das wir bisher gesehen haben, denn der Rest der Industrie bewegt sich schnell vorwärts“, hatte Zipse Ende Februar gesagt.
Tempo macht hier auch gerade Volkswagen, etwa mit dem neuen E-Fahrzeug ID.3. Die Wolfsburger überzeugten außerdem den Markt mit starken Zahlen für das vierte Quartal. Analyst Patrick Hummel von der Schweizer Bank UBS hatte Ende Januar vom besten Quartal in der Geschichte gesprochen. Anfang März hob er sein Kursziel für die Volkswagen-Vorzüge von 200 auf 300 Euro an. Triebfeder sei der ID.3 als größte Elektromobilitäts-Chance. Er hält das Potenzial für Ergebniswachstum und Neubewertung für unterschätzt.
ARK Invest bleibt bullisch für Tesla
Starinvestorin Cathie Wood und ihr Investmentfunds ARK Invest bleiben hingegen positiv gegenüber dem US-Elektroautobauer eingestellt, wie Wood am Montag gegenüber CNBC bestätigt hat. „Wir werden – ich hoffe in den nächsten ein oder zwei Wochen – unser neues Kursziel für Tesla bekannt geben. Unser Vertrauen in Tesla ist aus einer Reihe von Gründen weiter gestiegen.“
Ihr sei klar gewesen, dass Tesla Marktanteile verlieren wird, doch der Autobauer habe sich bis jetzt besser gehalten, als von ARK prognostiziert. Zudem sehe man weitere Fortschritte bei der Entwicklung der Technologie für autonomes Fahren. ARK geht davon aus, dass Tesla sich den Löwenanteil des Marktes für autonom fahrende Taxis in den USA sichern könne.
ARK Innovation, das Flaggschiff der ETFs des Unternehmens, hat eine große Tesla-Position inne, knapp 10 Prozent des Funds besteht aus den Anteilen am Autobauer.
onvista-Redaktion/dpa-AFX
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