Thyssen ringt mit Folgen des Ukraine-Kriegs - Kurzarbeit möglich

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DEUTSCHLAND-THYSSENKRUPP:Thyssen ringt mit Folgen des Ukraine-Kriegs - Kurzarbeit möglich

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- von Tom Käckenhoff und Matthias Inverardi

Düsseldorf (Reuters) - Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz schließt wegen der Auswirkungen des Ukraine-Kriegs Kurzarbeit teilweise nicht aus und will eine Entscheidung über die Zukunft der Stahlsparte nicht überstürzen.

"Angesichts des Krieges haben wir gruppenweit Gegenmaßnahmen ergriffen", erklärte Merz in einer der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorliegenden Mitarbeiter-Info. "Wir stellen Ausgaben auf den Prüfstand, in manchen Bereichen müssen wir uns auf die Notwendigkeit von Kurzarbeit vorbereiten." Wo immer möglich, versuche das Unternehmen, Preissteigerungen an die Kunden weiterzureichen. "Nichtsdestotrotz sind wir nun umso mehr gefordert, in allen Bereichen weiter konsequent an unserer Performance zu arbeiten."

Thyssenkrupp hatte am Mittwochabend mitgeteilt, sich wegen der wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs keine Prognose zuzutrauen, ob der Konzern eine mögliche Abspaltung des Stahl-Geschäfts wirklich umsetzen kann. Das Management setzte zudem die Prognose hinsichtlich Free Cashflow vor M&A aus. Für das Geschäftsjahr 2021/22 hatte Thyssenkrupp noch im Februar einen bereinigten operativen Ertrag (Ebit) in einer Bandbreite von 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro, einen Jahresüberschuss von mindestens einer Milliarde Euro und einen Free Cashflow vor M&A im Bereich eines ausgeglichenen Wertes angekündigt.

An der Börse rutschte die Aktie am Donnerstag zeitweise mehr als sieben Prozent ins Minus.

INDIREKTE AUSWIRKUNGEN DES KRIEGS TREFFEN STAHLSPARTE HART

Der Konzern beschäftigt in der Ukraine und Russland Merz zufolge rund 450 Mitarbeiter. Auch der Umsatz mit Kunden in der Region sei sehr begrenzt. "Viel gravierender sind die indirekten Auswirkungen: Lieferketten sind gestört, Werke bei unseren Kunden stehen still, Rohstoff- und Energiepreise gehen durch die Decke", erläuterte Merz in der Mitarbeiter-Info. Das bekäme der Konzern vor allem im Stahlgeschäft zu spüren, aber auch im Automobilgeschäft. "Gegenläufige Entwicklungen bei Materials Services, wo wir von steigenden Rohstoff- und Materialpreisen profitieren, sowie eingeleitete Gegenmaßnahmen werden diese Belastungen nicht vollständig kompensieren können."

Die Zukunft der Stahlsparte mit seinen gut 26.000 Mitarbeitern ist wieder offen. In den vergangenen Jahren

waren sowohl eine Fusion mit Tata Steel Europe als auch ein Übernahmeversuch durch Liberty Steel gescheitert. Thyssenkrupp hatte das Geschäft auf Vordermann gebracht und eine Verselbständigung der Sparte angestrebt - mit einem Spin Off als bevorzugte Option. Die Stahlbranche mit Playern wie Thyssenkrupp, Salzgitter und Weltmarktführer ArcelorMittal steht vor dem größten Umbau ihrer Geschichte. Für die Transformation zu einer klimafreundlichen

Produktion müssen Milliardensummen investiert werden.

Im aktuell instabilen Umfeld fehle für eine Verselbstständigung des Stahlgeschäfts die notwendige Planungssicherheit, erklärte Merz nun. "Wie entwickeln sich die Rohstoff- und Energiekosten? Wie entwickelt sich die Absatzsituation? Aber auch: Wie steht es um die Verfügbarkeit von Wasserstoff für die CO2-neutrale Stahlproduktion? Können wir weiter auf Erdgas setzen als Brückentechnologie?" Solange es auf wesentliche Fragen keine verlässlichen Antworten gebe, könne keine Aussage zur Machbarkeit einer möglichen Verselbständigung des Stahlgeschäfts getroffen werden. "Grundsätzlich sind wir jedoch nach wie vor davon überzeugt, dass eine eigenständige Aufstellung des Stahlgeschäfts sehr gute Zukunftsperspektiven eröffnet."

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