Uniper: Aktie stürzt auf Rekordtief – Versorger leiden unter Gaskrise

onvista · Uhr
Quelle: TippaPatt/Shutterstock.com

Anleger sollten derzeit gar nicht erst auf die Idee kommen, Uniper-Aktien ins Depot zu holen. Der Stopp der Gaslieferungen durch Nord-Stream-1-Pipeline hat den stark angeschlagenen Versorger noch tiefer in die Krise gestürzt, als er eh schon war. Im Laufe des heutigen Handels fielen die Uniper-Aktien sogar zeitweise auf unter 5 Euro. Mittlerweile liegen sie knapp über der 5-Euro-Marke.

Vincent Ayral, ein Analyst der Bank JPMorgan, sagt ganz offen: Der komplette Lieferstopp sei schon ein „Basisszenario“ geworden, der kurzfristig den Finanzdruck auf Uniper stark erhöht. Der Konzern muss jetzt das Gas auf dem Markt besorgen, wo die Preise gerade durch die Decke gehen. Ayral rechnet mit weiteren Staatshilfe für Uniper.

Die Gefahr, dass Uniper aus dem MDax fliegt, ist real. Die Zugehörigkeit setzt sich einzig aus der Marktkapitalisierung des Free Floats zusammen – und da der Kurs auf Jahressicht um 83 Prozent gefallen ist, droht der Rausschmiss aus dem Nebenwerte-Index. Das würde den Kurs weiter belasten, da alle ETFs, die den MDax nachbilden, ihre Uniper-Aktien veräußern müssten. Heute Abend nach Handelsschluss wird die Deutsche Börse die Absteiger bekannt geben.

Auch andere Versorger belastet die Gaskrise

Aber auch die anderen Versorger leiden unter der Gaskrise. Bis zum Mittag hat RWE knapp 3,5 Prozent und E.ON 1,5 Prozent an Wert eingebüßt. Die Aussichten sind zwar nicht so dramatisch wie bei Uniper, aber rosig sehen sie auch nicht aus. Die von der Regierung geplante Strompreise für den Basisverbrauch belasten, die die Gewinne drücken könnten. Auch die Diskussion um die Besteuerung der Übergewinne verunsichert die Anleger.

Die Regierung plant, die Gewinne stärker zu besteuern, die durch die explodierenden Preise aufgrund der westlichen Sanktionen entstanden sind. Diese sollen die Strompreise für den Basisverbrauch subventionieren. RWE ist vor allem in der Stromerzeugung aktiv, wohingegen Eon sich auf Netze und Vertrieb fokussiert.

Encavis: Aktie sackt um mehr als 8,6 Prozent ein

Beim Betreiber von Wind- und Solarparks Encavis sieht es nicht anders aus. Deren Aktien sind um über 8,5 Prozent gefallen und liegen derzeit bei rund 18,80 Euro. Der Grund auch hier, die Strompreisbremse. Encavis betreibt Wind- und Solarparks und speist den Strom ins Netz ein. Sie sind daher stärker vom Strompreis betroffen als die Hersteller von Windturbinen und Solaranlagen.

Anders dagegen bei Nordex: Nachdem die Papiere des Windturbinen-Herstellers im frühen Handel absackten, haben sie sich mittlerweile erholt und liegen mit knapp 0,4 Prozent im Plus. Nordex wird diesen Monat vermutlich in den SDax wiederaufsteigen, nachdem sie vor drei Monaten rausgeschmissen wurde, weil das Unternehmen den Quartalsbericht nicht rechtzeitig veröffentlicht hatte.

Anders als bei Uniper gehören diese Aktien auf die Watchlist. Zugreifen sollte man noch nicht, dafür ist die Marktlage derzeit zu angespannt und unsicher. Es gilt abzuwarten, wie sich das Marktumfeld entwickelt und die Konzerne reagieren. Das lässt sich jetzt noch nicht absehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel