Kolumne von Alexander Mayer

Bitcoin: Jerome Powell gibt den Märkten endlich, was sie wollen

decentralist.de · Uhr
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Nach einem Absturz auf ein Sechs-Wochen-Tief bei rund 111.600 Dollar konnte der Bitcoin-Kurs nach der Rede von US-Notenbank-Chef Jerome Powell wieder aufatmen.

Mit einem Anstieg von knapp fünf Prozent zurück über die Marke von 116.000 Dollar konnte der Kurs einen Rückeroberungsversuch des zuletzt eingebüßten 50-Tage-Trends starten, dieser zeigt sich bisher jedoch als charttechnischer Widerstand.

Bitcoin
Quelle: Tradingview

Powell macht Hoffnung auf geldpolitische Wende

Der Notenbank-Chef hat in der traditionellen jährlichen Rede auf dem Jackson-Hole-Symposium erklärt, dass die aktuelle Lage bei Inflation und Arbeitsmarkt eine baldige Anpassung der Geldpolitik rechtfertigen könnte und damit die Tür für eine Zinssenkung im September weit geöffnet.

Powell warnte zwar vor möglichen Inflationseffekten durch die Handelszölle, zeigte sich aber optimistischer, dass es sich eher um einmalige Preisanstiege handeln könnte. Zuvor war die Unsicherheit an den Märkten groß, da Powell zuletzt immer wieder "hawkishe" Töne angeschlagen hatte.

Die Markterwartung an eine Zinssenkung im September ist laut CME-Prognosetool nun auf über 85 Prozent gestiegen. Trotzdem stehen bis zum nächsten Zinsentscheid noch einige wichtige Daten an, die die Entscheidung der Fed beeinflussen können, darunter der US-Arbeitsmarktbericht und neue Inflationszahlen.

Das bedeutet es für die Märkte

Powells Rede hat unmittelbar positive Impulse gesetzt, allerdings hat der Notenbankchef sich wie immer einigen Spielraum offengelassen, indem er zwischen Inflationsgefahren durch Zölle und der Arbeitsmarktschwäche abgewogen hat. Erst eine tatsächliche Zinssenkung im September dürfte weitere klare Impulse für die Märkte setzen. 

Auch in Kombination mit der üblichen Saisonalität steht die aktuelle Erholung bei Bitcoin auf wackeligen Beinen. Traditionell verzeichnet Bitcoin in den Sommermonaten zwischen Juli und September seine schwächste Periode des Jahres. Ein Retest und zwischenzeitlicher Einbruch unter wichtige charttechnische Bullenmarkt-Unterstützungen wäre nicht unüblich und hat in den letzten beiden Jahren in dieser Marktphase das Bild geprägt, auch wenn Bitcoin sich seit Anfang 2023 in einem strukturellen Aufwärtstrend bewegt.

Bitcoin
Quelle: Tradingview

Ein Retest der runden Marke von 100.000 Dollar, auf deren Niveau derzeit auch der 200-Tage-Trend verläuft, wäre daher kein abwegiges Szenario. 

Der weitere Ausblick

Offiziell konzentriert die Fed sich weiterhin auf ihr Doppelmandat und versucht den Spagat zwischen Inflationsbekämpfung und Unterstützung des Arbeitsmarktes. Der Elefant im Raum bleibt jedoch die US-Schuldenkrise. Die Regierung benötigt niedrigere Zinsen, um anstehende Refinanzierungen in Billionen-Höhe stemmen zu können.

Auch andere Wirtschaftszonen wie China und Europa sind von der Fed abhängig, da ein zu hoher Zinsspread zwischen den Währungsräumen den Spielraum für dringend benötigte geld- und fiskalpolitische Impulse einschränkt. 

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Aufgrund dieser Ausgangslage sind sämtliche Beteuerungen der Fed, einen konservativen geldpolitischen Fahrplan aufrechtzuerhalten, mit Vorsicht zu genießen. Sobald es im globalen System zu einer Liquiditätskrise kommt, werden die Zinsen sehr schnell und sehr stark fallen – in Kombination mit weiteren Maßnahmen, die neue Liquidität ins System pumpen und langfristig die Inflation weiter antreiben werden.

Daher ist die Kritik an der Fed berechtigt, dass der Verzicht auf präventive Maßnahmen ein großer Fehler sein könnte, auch wenn die Inflation immer noch höher ist als gewünscht und ein Richtungswechsel wie ein Einknicken gegenüber der Trump-Regierung aussehen und die Unabhängigkeit der Fed infrage stellen könnte. Die Inflationskosten bei einem zu späten Eingreifen könnten deutlich höher sein.

Aus der Bitcoin-Perspektive betrachtet bleibt die fundamentale Lage weiterhin vielversprechend, da die globale Liquidität sich ausweitet und diesem Bullrun weiteren Spielraum verschafft. Die Ausgangslage bleibt, dass die Fed eine geldpolitische Antwort auf die US-Schuldenkrise wird liefern müssen, da am freien Markt nicht genug Ressourcen verfügbar sind, um den Schuldenhunger der USA bedienen zu können.

Denken Sie langfristig!

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