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3 Fragen an Bernecker: Sind die US-Inflationsdaten wirklich ein Grund zum feiern, wird die Fed den Fuß vom Gaspedal nehmen und wann knackt die Telekom die Marke von 20 Euro?

onvista · Uhr
Quelle: Bernecker

Freitag stellen wir wieder dem Börsenexperten Hans A. Bernecker drei Fragen zum aktuellen Marktgeschehen. Klar, dass wir unter anderem seine Meinung zu den US-Inflationsdaten wissen wollten. 

onvista: Herr Bernecker, die US-Inflations-Daten sind niedriger als erwartet. Ist das bei 8,5 Prozent wirklich ein Grund für steigende Kurse?

Im Zyklus der Inflation wurde die erste Spitze im Juli/August erreicht bzw. überschritten. Dem folgt ein langsamer Rückbau, jedoch keine endgültige Wende. Das wird sich in der Struktur erst in den kommenden drei bis sechs Monaten herausstellen. Am Ende resultiert daraus eine dauerhafte Inflation in der Größenordnung von 3 bis 3,5 %, annualisiert gerechnet. Weiter ist im Moment nicht zu denken. Daraus folgt jedoch, dass eine dramatische Änderung der Zinspolitik ebenso wenig zu erwarten ist wie eine massive Rezession. Die Aktienmärkte haben einen anderen Denkansatz vor sich: Alle waren in den bekannten Korrekturen innerhalb von zwei bis drei Tagen um rd. 30 % entwertet worden. Ohne ökonomischen Grund. Von den jetzigen Kursen aus gerechnet errechnet sich z. B. für den DAX ein Comebackpotenzial von exakt 42,7 %. Kein Unternehmen ist aus der Rolle gefallen, wie die Berichtssaison zeigt. Wie lange werden also alle Titel benötigen, bis sie die alten Kurse vor Corona und Ukraine-Krieg wieder erreichen? Es wird eines der spannendsten Comebacks, die es jemals in dieser Form gegeben hat.

onvista: Wird die Fed nach den Daten ihrer Meinung wirklich den Fuß vom Gaspedal nehmen?

Die Fed hat eine klare Perspektive vor sich. Die Inflationsdynamik nimmt ab, ist aber noch nicht überwunden. Nun kommt es darauf an, die Zinsen angemessen anzuheben, ohne den Markt zu touchieren. Das geht vor allem über das Instrument der Geldmengensteuerung. Eine brutale Bremse steht jedenfalls nicht bevor. Dann gilt das, was ich oben dargelegt habe.

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Die EZB steht in einer völlig anderen Ausgangslage. In ihrer Position als Bank für alle Fälle kann sie in den Sachfragen Zins und Inflation nur kommentieren, aber nicht wirklich handeln. Von ihr gehen für die europäischen Aktienmärkte keine brauchbaren Signale aus.

onvista: Die Deutsche Telekom erhöht erneut die Prognose. Müsste die Marke von 20 Euro nicht langsam mal fallen?

Telekom hat einen objektiven Firmenwert von gut 140 bis 150 Mrd. Euro. Aktuell sind es 94 Mrd. Euro. Allein die amerikanische Tochter T-MOBILE hat einen Wert von etwa 140 Mrd. Dollar in der Telekom-Bilanz. Kleine Abweichungen ergeben sich aus den New Yorker Kursen und den noch restlichen Optionen für T-MOBILE-Aktien aus dem Bestand von Softbank als Noch-Mitaktionär. Das einzige Handicap ist die Bundesbeteiligung, die aus der Sicht großer Investoren ein Hemmschuh darstellt. Ähnliches gilt auch für die DT. POST. Ergo:

In der Bewertung steckt ein Potenzial von vorsichtig 20 bis 25 %. Ein Schnellstart dafür ist unmöglich, eine kontinuierliche Aufwertung jedoch sehr wahrscheinlich. Das nutzt man am günstigsten mit Call-Optionen mit einem größeren Hebel.

onvista: Vielen Dank Herr Benercker

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