Aktienmarkt tief im Minus - Autowerte unter Druck

Kalte Dusche für die Anleger: Nach der von Zinshoffnungen getragenen Rally vom Vortag ist der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag eingeknickt. Mit Blick auf die Haltung der US-Notenbank Fed hat sich Enttäuschung breit gemacht, die Hoffnungen auf mehrere Zinssenkungen noch in diesem Jahr verflüchtigen sich.
Der Dax verlor knapp zwei Prozent auf 18.2665 Punkte und fiel auf den tiefsten Stand seit Anfang Mai. Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte sank um 2,6 Prozent und schloss mit 26.075 Zählern.
Am Mittwochnachmittag hatten weniger stark als erwartet gestiegene US-Verbraucherpreise im Mai die Aktienbörsen noch angetrieben. Am Abend jedoch ließ die US-Notenbank Fed durchblicken, dass sie es mit Zinssenkungen nicht eilig hat. Sie deutete für das laufende Jahr nur eine Zinssenkung an - eine Abkehr von den bisher drei prognostizierten Zinsschritten. Alle seien sich einig, dass das weitere Vorgehen von den Daten abhängen werde, sagte Fed-Chef Jerome Powell.
Von einer "Geldpolitik in der Warteschleife" sprach Analyst Eric Winograd vom Investmenthaus AllianceBernstein. Er rechnet nicht mit einem deutlichen Rückgang der Inflation in den USA. "Ich gehe nach wie vor davon aus, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr nur einmal senken wird" - und das voraussichtlich erst im Dezember.
Autowerte nach Zollandrohung stark unter Druck
Die Androhung europäischer Sonderzölle auf chinesische Elektrofahrzeuge hat am Donnerstag die Kurse der hiesigen Autohersteller auf mehrmonatige Tiefstände gedrückt. Drohende Vergeltungsmaßnahmen Chinas verunsichern die Investoren immer mehr. Der europäische Automobilsektor, der erst vor zwei Monaten auf ein Rekordhoch gestiegen war, ist mittlerweile um fast 14 Prozent abgesackt auf den tiefsten Stand seit Anfang Februar.
China droht der EU wegen der von ihr erwogenen Strafzölle auf chinesische E-Autos eine Klage vor der Welthandelsorganisation (WTO) an. Zuvor hatte die EU-Kommission China mit hohen vorläufigen Strafzöllen auf E-Autos gedroht. Der Verband der Automobilindustrie kritisiert die Überlegung der EU-Kommission, hohe Strafzölle zu erheben. Diese wären ein Hindernis für die globale Zusammenarbeit, argumentiert der Verband.
China sei wohl bereit, die Importzölle auf Pkw mit mehr als 2,5 Liter Hubraum von derzeit 15 auf 25 Prozent zu erhöhen, schrieben die Autoexperten on Bernstein Research unter Berufung auf Chinas Handelskammer bei der Europäischen Union. Das könnte vor allem BMW und Mercedes-Benz treffen. Bei BMW seien im vergangenen Jahr 13 Prozent der in China registrierten Pkw Importwagen gewesen, bei Mercedes-Benz sogar 20 Prozent. Die Marken VW und Audi importieren lediglich ein beziehungsweise neun Prozent aller in China registrierten Pkw mit großen Motoren, hieß es weiter in der Studie.
Investoren gingen am Donnerstag in Deckung: Die Kursverluste reichten von 1,8 Prozent bei Mercedes-Benz über 3,5 für Volkswagen bis zu 5,7 Prozent bei der VW-Beteiligungsgesellschaft Porsche Holding. Letztere zierte damit das Dax-Ende. Für die Titel des Sportwagenbauers Porsche AG bedeuteten Abschläge von fast drei Prozent ein weiteres Rekordtief auf Schlusskursbasis knapp oberhalb von 70 Euro.
BVB-Aktien profitieren von Terzic-Trennung
Die Aktien von Borussia Dortmund haben am Donnerstag nach ihrer jüngsten Talfahrt zu einem Erholungsversuch angesetzt. Die Trennung vom bisherigen Trainer Edin Terzic führte am Nachmittag dazu, dass sich der Kurs des SDax-Werts mit bis zu drei Prozent ins Plus absetzte. Zuletzt stand noch ein Plus von 1,4 Prozent auf 3,56 Euro auf der Kurstafel. Seit Ende Mai waren die Aktien um bis zu 17 Prozent gefallen, nachdem das Champions-League-Finale gegen Real Madrid verloren gegangen war.
Der Bundesligist entsprach am Donnerstag der Bitte des Fußball-Lehrers, den Vertrag mit sofortiger Wirkung aufzulösen. Der enttäuschende fünfte Platz in der Bundesliga erwies sich für Terzic als zu große Hypothek. Zwar qualifizierte sich der BVB aufgrund einer Sonderregelung dennoch für die kommende Saison in der lukrativen Champions League, verspielte aber viel Kredit. Der bisherige Assistent Nuri Sahin wird nun als möglicher Nachfolger von Terzic gehandelt. (mit Material von dpa-AFX)