EZB-Vertreter signalisieren weitere Zinssenkungen

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Berlin (Reuters) - Führende Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) signalisieren angesichts nachlassender Inflationsrisiken und mauer Konjunktur weitere Zinssenkungen im kommenden Jahr.

"Wenn die eingehenden Daten weiterhin unsere Grundlinie bestätigen, ist die Richtung klar", sagte EZB-Präsidentin Lagarde am Montag in Litauen. "Wir gehen davon aus, dass wir die Zinssätze weiter senken werden." Die EZB hat im zu Ende gehenden Jahr ihren Leitzins wegen viermal gesenkt - zuletzt am Donnerstag. Der am Finanzmarkt richtungsweisende Einlagensatz, zu dem Geldhäuser bei der Notenbank ihr Geld parken können, liegt aktuell bei 3,00 Prozent. Der Desinflationsprozess sei "auf gutem Wege", sagte Lagarde. Die Risiken für das Wirtschaftswachstum hätten dagegen zugenommen.

Auch EZB-Ratsmitglied Peter Kazimir sieht deshalb noch Luft für weitere Zinssenkungen. "Wir haben in diesem Jahr bereits entscheidende Schritte unternommen, und wir haben noch einen beträchtlichen Handlungsspielraum", sagte der slowakische Notenbankchef. Die Beibehaltung eines schrittweisen Vorgehens durch Zinssenkungen um 0,25 Prozentpunkte sei "nach wie vor die umsichtigste Strategie". "Auf diese Weise können wir eine helfende Hand reichen und einen Teil des wirtschaftlichen Drucks, den wir erleben, abmildern", begründete das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB). "Gleichzeitig erlaubt uns dieser Ansatz, unser Pulver trocken zu halten."

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos verwies auf die zuletzt gesenkten Inflationsprognosen der Frankfurter Währungshüter. Sollten sie zutreffen, dürfte der eingeschlagene Weg der Zinssenkungen fortgesetzt werden, sagte er in Madrid. Die EZB strebt eine Inflation von zwei Prozent an, die sie als optimales Niveau für den Euroraum erachtet. Für 2025 gehen sie von 2,1 Prozent aus, für 2026 von 1,9 Prozent.

Eine aggressivere geldpolitische Lockerung sieht Ratsmitglied Kazimir trotz der Konjunkturflaute kritisch. "Eine solche Maßnahme ist zwar kurzfristig wirksam, birgt aber die Gefahr, dass wir unsere Instrumente überstrapazieren, ohne die Ursachen der schleppenden Erholung in Europa anzugehen", warnte Kazimir. Die nächste Zinsentscheidung der Währungshüter ist für den 30. Januar geplant.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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