AMAZON IM FOKUS: Corona sorgt weiter für Rekorde - Aktien-Höhenflug stockt

dpa-AFX

SEATTLE (dpa-AFX) - Der weltgrößte Onlinehändler Amazon wächst, wächst und wächst. Dank der Folgen der Corona-Pandemie hält der Boom bei Internetbestellungen ungebrochen an. Und auch die anderen Geschäfte wie das Bereitstellen von Speicherplatz für Unternehme oder die Videoangebote des wegen seiner Marktmacht umstrittenen Konzerns legen weiter kräftig zu. Was bei Amazon los ist, was die Analysten denken und was die Aktie macht.

DAS IST LOS BEI AMAZON:

Zum Jahresbeginn zog der Umsatz dank des Internet-Shoppingbooms und florierender Cloud-Dienste um 44 Prozent auf knapp 109 Milliarden Dollar an. Den Gewinn erhöhte Amazon in den ersten drei Monaten um mehr als das Dreifache auf den Rekordwert von 8,1 Milliarden Dollar. Der Konzern schnitt damit einmal mehr besser ab, als Experten es erwartet hatten.

Im Heimatmarkt Nordamerika, wo die US-Regierung den Konsum in der Corona-Krise mit billionenschweren Finanzhilfen für Verbraucher und Unternehmen ankurbelte, steigerte Amazon den Umsatz besonders stark. Doch auch international gab es kräftige Zuwächse. Das lukrative Cloud-Geschäft mit IT-Services und Speicherplatz im Internet brummte ebenfalls weiter.

Amazon gab zudem einen optimistischen Geschäftsausblick ab und stellte für das laufende Vierteljahr - trotz pandemiebedingter Sonderkosten in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar - einen Betriebsgewinn von bis zu acht Milliarden Dollar in Aussicht. Auch bei den Erlösen schraubte das Unternehmen die Ziele weiter nach oben. Amazon rechnet mit einem Umsatzwachstum zwischen 24 und 30 Prozent auf bis zu 116 Milliarden Dollar.

Dank der starken Zahlen und breiten Aufstellung ist es eine gute Zeit für Gründer Jeff Bezos, um wie Anfang des Jahres angekündigt im Herbst seinen Chefposten abzutreten. Nach rund 27 Jahren endet damit eine Ära bei Amazon, aber mit Andy Jassy dürfte für Kontinuität gesorgt sein.

Immerhin ist er derzeit schon der Chef von Amazon Web Services (AWS), dem wichtigsten Gewinnbringer des Konzerns - zumal Bezos den Konzern ja nicht ganz verlässt, sondern als geschäftsführender Vorsitzender des Verwaltungsrats und wichtiger Aktionär der starke Mann im Hintergrund bleibt.

SO LIEF DIE AKTIE ZULETZT:

Der Höhenflug der Amazon-Aktie ist in den vergangenen Monaten ins Stocken geraten. Nach der Bekanntgabe der erneut imposanten Quartalszahlen Ende April sprang der Kurs zwar ganz kurz auf das Rekordhoch von 3554 Dollar - doch danach ging es zum Teil auch wegen der allgemeinen Schwäche von US-Techwerten deutlich nach unten.

Aktuell kostet das Papier 3161 Dollar und befindet sich damit wieder in der Spanne zwischen rund 3000 Dollar und rund 3400 Dollar, in der sich der Kurs seit Sommer vergangenen Jahres bewegt. Damit ist das Papier immer noch fast doppelt so teuer wie im März 2020, als der Kurs im Zuge des zwischenzeitlichen Corona-Crashs in wenigen Wochen um ein Viertel bis auf fast 1600 Dollar eingebrochen war.

Doch schnell schalteten die Investoren bei Amazon wieder um und stuften das Unternehmen als einen großen wirtschaftlichen Gewinner der Corona-Krise ein. Die Aktie kehrte am Kapitalmarkt schnell wieder in die Erfolgsspur zurück. Das Papier hat auf lange Sicht eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt.

Anleger, die sich vor fünf Jahren zum Kauf einer Amazon-Aktie entschieden und diese seither gehalten haben, können sich über ein Kursplus von mehr als 300 Prozent freuen. Noch imposanter lesen sich die Zahlen, wenn man auf die Zeit seit dem Börsengang 1997 blickt.

Seitdem verteuerte sich die Amazon-Aktie im Vergleich zu dem um Aktiensplits bereinigten Ausgabepreis von 1,5 Dollar um etwas mehr als 200 000 Prozent. Damit reicht Amazon bei dieser Wertung fast an den Softwarekonzern Microsoft heran. Der Kurs der Microsoft-Aktie legte seit dem Börsengang 1986 im Vergleich zum splitbereinigten Ausgabepreis von etwas mehr als 7 Cent um fast 350 000 Prozent zu.

Mit einer Marktkapitalisierung von derzeit knapp 1,6 Billionen Dollar lässt Amazon seine Einzelhandels-Konkurrenz mit großem Abstand hinter sich. Der chinesische Onlineriese Alibaba bringt es auf 560 Milliarden Dollar. Verglichen mit den anderen großen US-Techwerte belegt Amazon Platz drei: Zwar vor der Google-Mutter Alphabet (1,5 Billionen), aber hinter Microsoft (1,8 Billionen) sowie Spitzenreiter Apple (2,1 Billionen).

Der Kursanstieg der Amazon-Aktie hat Gründer und Noch-Vorstandschef Bezos zum reichsten Menschen der Welt gemacht und das, obwohl er Teile seiner Amazon-Aktien bei der Scheidung abgeben musste. Die Nachrichtenagentur Bloomberg beziffert sein Vermögen derzeit auf 184 Milliarden Dollar - seine Ex-Frau MacKenzie Scott kommt demnach auf 56 Milliarden Dollar. Sie liegt damit immerhin noch auf Rang 23 der Liste der weltweiten Milliardäre.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Die Meinung unter den Analysten ist weiter eindeutig: Alle 53 von Bloomberg erfassten Experten befürworten trotz des inzwischen erreichten Kursniveaus und des bevorstehenden Chef-Wechsels den Kauf. Damit ist das Stimmungsbild noch etwas optimistischer geworden. Mitte April gab es immerhin noch einen Analysten, der das Papier mit "Halten" eingestuft hatte.

Doch seit Anfang Mai empfiehlt auch Scott Mushkin von RS Capital das Amazon-Papier zum Kauf und erhöht das Kursziel auf 4245 Dollar. Nach den Zahlen zu den ersten drei Monaten des Jahres korrigierten die meisten Analysten ihre Erwartungen nach oben, so dass das durchschnittliche Kursziel inzwischen auf 4260 Dollar gestiegen ist - vor der Bekanntgabe hatte es noch bei rund 4000 Dollar gelegen.

Unter den Experten der großen Häuser zählt JPMorgan-Analyst Douglas Anmuth zu den größten Optimisten. Nach den Zahlen hob er sein Kursziel um 200 auf 4600 Dollar an. Amazon habe einmal mehr beim Umsatz positiv überrascht. Sowohl das Cloud-Geschäft mit IT-Services und Speicherplatz im Internet als auch das Geschäft mit Online-Werbung hätten angezogen.

Kursziele unter 4000 Dollar lassen sich kaum mehr finden - und falls doch, dann nur von kleineren Analysehäusern. Bei den bekannteren Namen zählen Arnaud Joly von der französischen Bank Societe Generale oder Stephen Ju von der Credit Suisse mit einem Ziel von 4000 Dollar zu den Vorsichtigsten. So erhöhte Ju nach den Zahlen auch sein Kursziel, aber nur um vergleichsweise geringe 50 Dollar.

DZ-Bank-Experte Ingo Wermann passte seinen fairen Wert für die Aktie ebenfalls um 50 Dollar auf 4200 Dollar an. "Bei Amazon läuft es rund. Ein hohes Umsatzwachstum geht mit einer Verbesserung der Ertragskraft einher", schrieb er in einer Studie zu den Quartalszahlen. "Zwar dürfte sich die Erlösdynamik im margenschwachen Onlinehandel mit dem Erfolg der Impfkampagnen etwas abmildern, jedoch dürfte dies auf der Gewinnseite durch die hervorragenden Perspektiven der lukrativen Geschäftsfelder Cloud Computing (AWS) und Online-Werbung mehr als ausgeglichen werden."/zb/ngu/fba

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