Börsen am Scheideweg: Mein Schlachtplan für das zweite Quartal 2020

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Börsen am Scheideweg: Mein Schlachtplan für das zweite Quartal 2020

Wenn Minuszinsen, Börsencrash, Währungsturbulenzen und Konjunktureinbruch aufeinandertreffen, stellt sich die Frage, wie man sein Geld jetzt noch arbeiten lassen kann. Risiken lauern überall, egal ob Bankkonto, Aktiendepot, Rentenversicherung, Goldbestände, Immobilien oder Währungsanlagen - ganz zu schweige von Bitcoin und Co.

Folgt auf den Ölpreiscrash eine Ölpreisexplosion? Droht nun Deflation wegen der wirtschaftlichen Kontraktion oder Inflation wegen der Geldentwertung? Kann der US-Dollar seine Funktion als Krisenwährung noch erfüllen oder zerbricht er an den überbordenden Defiziten? Gehen die Börsen noch eine Etage tiefer oder sehen wir schon den Beginn des Turnarounds? Zu jeder dieser Fragen lassen sich die unterschiedlichsten Antworten finden. Selbst renommierte Ökonomen widersprechen sich ständig in ihren Prognosen.

Trotzdem müssen wir handlungsfähig bleiben und die Weichen so stellen, dass wir unsere persönlichen Risiken minimieren und gleichzeitig Chancen nutzen können. Ich kann es nicht deutlich genug sagen: Die finanziellen Entscheidungen, die wir im zweiten Quartal 2020 treffen, können unsere Vermögenslage für das gesamte Jahrzehnt und darüber hinaus prägen.

Was wir über Aktien im aktuellen Umfeld wissen

Die Unsicherheit ist groß. Niemand kann zuverlässig einschätzen, wie die kommenden drei Monate verlaufen werden. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, auf die wir uns aus meiner Sicht weiterhin verlassen können:

1. Aktien bieten einen guten Schutz sowohl gegen Inflation als auch gegen Deflation. Unternehmen sind anpassungsfähig, weil sich ihre Kosten und Preise mit dem Wert des Geldes entwickeln. Ein gutes Unternehmen kann in beiden Szenarien profitabel wirtschaften. Bei Inflation steigen tendenziell die nominellen Gewinne. Bei Deflation bleiben die Zinsen unten, was ebenfalls die Refinanzierung erleichtert.

2. Die Produktivität wird weiter steigen. Die Vision von Industrie 4.0 entfaltet sich immer mehr, Low-Code-Plattformen sorgen für eine Demokratisierung der geschäftlichen IT und die künstliche Intelligenz kann immer mehr lästige Aufgaben übernehmen. Auch jetzt, wo viele Fabriken stillstehen, arbeiten Programmierer in aller Welt an den nächsten Lösungen, die Prozesse besser organisieren und somit für mehr Effizienz sorgen. Die Folge davon ist, dass die Wirtschaft aller Voraussicht nach bald wieder wachsen wird.

3. Auf lange Sicht wachsen Aktien über jede Krise hinaus. Wir müssen nur einen Blick auf die Geschichte des DAX werfen, um zu erkennen, dass selbst so krasse Übertreibungsphasen wie in der Dotcom-Blase von 1999/2000 irgendwann überwunden werden. Wer damals in der Spitze gekauft hat, wäre bei den aktuellen Tiefs noch solide im Plus. Anleger, die nach starken Rückgängen schrittweise eingestiegen sind, generierten sogar regelmäßig herausragende Renditen.

Wie man auf dieser Basis handeln sollte

Selbst wenn wir uns über die drei vorgenannten Punkte einig sind - es steht jedem frei, ob er der Argumentation folgen möchte -, ist noch längst nicht klar, was nun zu tun ist, um das Beste aus dieser Krise zu machen. Schließlich sind zwei Extremszenarien möglich: im einen haben wir schon im Sommer wirksame Medikamente und im Winter Impfstoffe. Die Weltwirtschaft kehrt wieder zur Normalität zurück und COVID-19 geht als unbedeutende Delle in die Börsengeschichte ein.

Im anderen zieht sich der Stillstand viel länger hin, als wir derzeit erwarten, und ein Dominoeffekt zieht eine Branche nach der anderen - und auch eine Volkswirtschaft nach der anderen - nach unten. Die Folgen wären viel tiefgreifender und die Aktienkurse würden über Jahre hinweg in den Keller gehen. Im ersten Fall wollen wir zu 100 % investiert sein, um die Welle der Trendwende voll mitzunehmen. Im zweiten Fall wäre es zunächst vielleicht klüger, Sachwerte zu besitzen statt Aktien und Bargeld.

Solange keine Klarheit darüber besteht, wie die Coronasache letztlich ausgeht, bietet es sich an, sein Pulver nicht zu früh zu verschießen. Entsprechend deiner investierbaren Mittel und Sparquote solltest du daher sicherstellen, dass du zu mehreren Zeitpunkten mit gewissem Abstand zukaufen kannst.

Konkret

Kurz- und mittelfristig ist alles möglich. Langfristig werden die besten Unternehmen wieder schöne Gewinne schreiben. Zumindest war es bisher nach jeder Krise so. Deshalb denke ich, dass man im April bei ausgewählten Top-Aktien oder auch Index-ETFs und Discount-Zertifikaten zugreifen kann. Mit Top-Aktien meine ich beispielsweise Unternehmen, die sich durch eine gute Liquiditätssituation, ausreichend Substanz und eine starke Wettbewerbsposition auszeichnen.

Im Mai können wir die Lage sicherlich schon wieder etwas besser abschätzen. Dann geht es darum, über eine Vielfalt an Ideen im zeitlichen Abstand Diversifizierung in sein Depot zu bringen, also verschiedene Unternehmensgrößen, Regionen und Branchen abzudecken. Der Sinn davon ist, dass wir flexibel bleiben und nicht zu stark in eine Richtung denken. So verhindern wir, dass wir durch eine falsche Überzeugung auf die schiefe Bahn kommen mit unseren Investments.

Bis Juni wissen wir dann vielleicht, welches Szenario sich eher entfaltet. Dabei dürfen wir uns allerdings nicht nur auf die reinen Auswirkungen von COVID-19 konzentrieren, sondern müssen auch im Blick behalten, wie sich die Verbindung von ausufernden Schulden und absehbaren negativen Zweitrundeneffekten auswirkt.

Wenn wir an dieser Front grünes Licht geben können, dann wäre der Zeitpunkt gekommen, einige unserer günstig bewerteten Lieblingsaktien einzusammeln. Im anderen Fall ist mit erneuten Turbulenzen zu rechnen und ich würde mein restliches Pulver lieber noch bis zum dritten Quartal trocken halten.

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Für den Aktienmarkt ging es lange Zeit immer weiter nach oben, bis sich Anfang 2020 plötzlich alles verändert hat.

Das Coronavirus beschäftigt die ganze Welt, und auch die Börsen. Lieferketten werden unterbrochen, Reisen abgesagt und Konsum verschoben. Das wird nicht einfach für die Wirtschaft. Dabei war Deutschlands Wirtschaft bereits vor dem Coronavirus nicht stark.

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Foto: Getty Images

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