Fed: Zinsen werden ab März angehoben – Jerome Powell stimmt die Marktteilnehmer auf einen harten Kurs der Notenbank ein

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Normalerweise müssen Experten und Anleger ganz genau hinhören wenn Jerome Powell spricht. Die Änderung von einem Wort konnte schon eine Kursänderung bedeuten. Diesmal war es etwas anders. Die Zuhören mussten sich nicht sonderlich konzentrieren um zu hören, dass die Fed die Zügel anzieht. Jerome Powell ließ keine Zweifel aufkommen, dass die amerikanische Notenbank im März die Zinsen erhöht. Das war im Markt auch bereits schon eingepreist. Daher nahmen die US-Indizes die ersten Worte von Jerome Powell noch gelassen auf. Dann folgten allerdings  weitere Aussagen, die der Markt so nicht erwartet hatte.

Ein Satz lässt die Stimmung kippen

„Ich denke, es gibt ziemlich viel Spielraum, um die Zinssätze anzuheben, ohne den Arbeitsmarkt zu bedrohen.“ Ab diesem Satz hatte Powell wieder die volle Konzentration der Zuhörer. Denn jetzt waren mehr als 3 bis 4 Zinserhöhungen in diesem Jahr Tür und Tor geöffnet. Wie viele es letztendlich werden, dass verriet Powell zwar nicht, aber er deutete auch an, dass es deutlich mehr als 3 bis 4 werden könnten.

Auf Rückfrage schloss der Fed Chef nicht aus, sogar auf jeder der kommenden Sitzungen an der Zinsschraube zu drehen. Allerdings sagte der Fed-Chef auch, er habe derzeit noch keinen konkreten Zinspfad vor Augen. Dieser hänge von der konjunkturellen Entwicklung ab. Inklusive März tagt die Fed in diesem Jahr noch planmäßig sieben Mal. An den Märkten wird derzeit mit vier Straffungen um insgesamt einen Prozentpunkt gerechnet.

An März zweifelt keiner mehr

Powell nannte die Sitzung im März zwar nicht explizit als Starttermin für die Zinserhöhungen, aber er bestätigte vor Journalisten, die Fed erwäge, den Leitzins bereits „bei der Sitzung im März“ zu erhöhen – vorausgesetzt, die wirtschaftlichen Bedingungen sprächen weiter dafür. Angesichts der hohen Inflationsrate und der guten Lage am Arbeitsmarkt zweifelt allerdings niemand mehr daran, dass die Fed im März loslegt.  Zunächst bleibt der Zins wohl in der extrem niedrigen Spanne von 0 bis 0,25 Prozent.

Aktienmärkte ziehen sich zurück, Dollar und Staatsanleihen steigen

An den Finanzmärkten reagierte der US-Dollar mit deutlichen Kursgewinnen auf die Äußerungen Powells. Die Renditen von amerikanischen Staatsanleihen stiegen ebenfalls an. Die Aktienmärkte reagierten auf die Aussicht steigender Leitzinsen dagegen mit Kursverlusten.

Die Lage am Arbeitsmarkt habe sich bedeutend verbessert und das Wachstum sei robust, weswegen die US-Wirtschaft „keine anhaltend hohe Unterstützung durch die Geldpolitik mehr braucht“, sagte Powell. Die Entwicklung der Pandemie sorge weiter für große Unsicherheit, räumte er ein. Aber die jüngste Omikron-Welle scheine schnell wieder nachzulassen, weswegen auch die wirtschaftlichen Folgen begrenzt sein dürften, sagte Powell weiter.

Inflationsrate zwingt zum Handeln 

Anhaltend starkes Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung setzten allerdings stabile Preise voraus, sagte Powell. Die Inflationsrate liegt seit Monaten deutlich über dem Ziel der Fed von mittelfristig 2 Prozent. Im Dezember war die Inflation im Vergleich zum Vorjahr auf 7 Prozent gestiegen. Das war der höchste Wert seit Jahrzehnten.

„Preiserhöhungen haben sich auf eine größere Bandbreite von Waren und Dienstleistungen ausgeweitet“, sagte Powell. Auch Löhne seien zuletzt stark gestiegen. Mit Blick auf die Inflationsrate sei die Lage zuletzt „ein wenig schlechter geworden“, räumte er ein. Die Fed gehe aber weiter davon aus, dass die Teuerungsrate im Lauf des Jahres deutlich fallen werde, sagte Powell.

Experten machen unter anderem die rasche wirtschaftliche Erholung von der Corona-Krise, großzügige Konjunkturprogramme sowie Unterbrechungen globaler Lieferketten für den Anstieg der Preise verantwortlich. Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Dollar weniger kaufen können als zuvor. Erhöhungen des Leitzinses durch die Fed würden die Teuerungsrate drosseln, aber auch das Wirtschaftswachstum ausbremsen, was in der Folge zu mehr Arbeitslosigkeit führen könnte.

Die Fed ist den Zielen der Preisstabilität und Vollbeschäftigung verpflichtet. Die Arbeitslosenquote fiel im Dezember auf 3,9 Prozent, viele Unternehmen klagen bereits über einen Mangel an Bewerbern. Vor der Corona-Krise hatte die Arbeitslosenquote bei 3,5 Prozent gelegen, dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. „Unser Ziel ist es, die Inflation wieder auf zwei Prozent herunter zu bekommen und auch genügend Unterstützung zu bieten, um den Arbeitsmarkt gesund zu halten“, sagte Powell.

Die Fed hatte im vergangenen Jahr bereits eine Kehrtwende eingeleitet– weg von den Hilfsprogrammen gegen die Corona-Krise und hin zu einerstrafferen Geldpolitik. Die Drosselung der milliardenschweren Wertpapierkäufe der Notenbank zur Stützung von Finanzmärkten und Konjunktur soll wie zuletzt angekündigt weitergeführt werden, um das Programm Anfang März zu beenden, wie die Fed mitteilte.

Im Lauf des Jahres soll auch die durch Krisenprogramme angeschwollene Bilanz der Fed rasch abgebaut werden, was den Märkten weiter Liquidität entziehen würde. Powell betonte, die „bedeutende Reduzierung“ solle „ordnungsgemäß und vorhersehbar“ durchgeführt werden, um Marktteilnehmer nicht zu überraschen. Durch den Erwerb von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren ist die Bilanz der Fed auf fast neun Billionen US-Dollar gestiegen. Vor der Finanzkrise 2008 betrug die Bilanzsumme ein Zehntel dessen.

Obwohl sich viele Menschen in Umfragen unzufrieden über die wirtschaftliche Entwicklung äußern, brummt die US-Konjunktur bislang: Am Donnerstag wird die Regierung die erste Schätzung zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2021 bekanntgeben. Finanzministerin Janet Yellen erwartet ein rasantes Wachstum von rund 5,3 Prozent, die Fed rechnete zuletzt mit einem Plus von 5,5 Prozent.

Redaktion onvista / dpa-AFX

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