Neue Mobilität: Warum ich eher die Bird-Aktie als Lilium kaufen würde

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Neue Mobilität: Warum ich eher die Bird-Aktie als Lilium kaufen würde

Schnell und unkompliziert von A nach B zu kommen, ist nicht immer leicht. Züge fallen gern mal aus und Autos stehen regelmäßig im Stau. Als Alternative bieten sich neuartige Mobilitätssysteme an, die sich nun darauf vorbereiten, sehr schnell Milliardenumsätze zu generieren. Bird Global versucht es mit E-Scootern und Lilium mit einer Art Flugtaxi.

Welches Konzept wird sich eher durchsetzen und Investoren ein Vermögen bescheren — Bird-Aktie oder Lilium-Aktie?

Zwei SPAC-Deals mit viel Zukunftsfantasie

Mitte September schloss Lilium seine Fusion mit einem SPAC namens „Qell“ ab. Brutto flossen dem Unternehmen damit 584 Mio. US-Dollar zu, wovon noch ein großer Batzen für die Transaktionskosten usw. abgeht. Damit soll nun zügig ein elektrifizierter 7-Sitzer zur Serienreife entwickelt werden, um damit Netzwerke aus schnellen Shuttleverbindungen zwischen benachbarten Städten zu organisieren.

Bird wiederum fusionierte Anfang November mit dem SPAC „Switchback II“ und freut sich über zusätzliche liquide Mittel von 414 Mio. US-Dollar, ebenfalls abzüglich Transaktionskosten. Hier lautet das Ziel, mit E-Scooter-Systemen den Individualverkehr in Großstädten zu revolutionieren.

Bei Bird geht es folglich eher um Distanzen im Bereich von 5 Kilometern quer durch den Stadtdschungel, während die Lilium-Flieger Distanzen von rund 200 Kilometern überwinden sollen. Die beiden Mobilitätssysteme stehen also kaum in Konkurrenz. Vielmehr erscheinen sie gut kombinierbar. Man jettet beispielsweise in 40 Minuten von Frankfurt nach Stuttgart und leiht dann nach der Landung am sogenannten Vertiport einen E-Scooter, um unabhängig von der Verkehrslage schnell zu seinem Ziel zu kommen.

Lilium sieht sich auf einem guten Weg, schon 2024 erste Umsätze zu generieren, und 2025 will der Hersteller über 300 Flieger („eVTOL“) verkaufen. Das soll für mehr als 1 Mrd. US-Dollar Umsatz sorgen. Bis 2040 könnte der weltweite Mobilitätsmarkt, der damit adressiert werden kann, rund 500 Mrd. US-Dollar schwer sein, sagt das Management.

Bei Bird werden sogar noch etwas größere Zahlen genannt: Die Marktchance rund um die Mikromobilität sei mit 800 Mrd. US-Dollar zu beziffern. Das schnell wachsende Unternehmen will schon 2024 die Schwelle von 1 Mrd. US-Dollar Umsatz überwinden.

Wo die Chancen größer sind

Ein Vorteil von Bird ist, dass das Unternehmen bereits jetzt Umsätze im Bereich von 200 Mio. US-Dollar schreibt. Operative Gewinne stellt das Management schon in zwei Jahren in Aussicht. Den Weg dorthin kann es dank der bereits generierten operativen Daten ziemlich plausibel beschreiben.

Eine ganze Reihe von Maßnahmen sorgt dafür, dass aus einem anfangs aussichtslosen und verlustreichen Geschäftsmodell ein echter Gewinner werden könnte. So investiert Bird zum Beispiel konsequent in die Weiterentwicklung der Fahrzeuge, um Schwachpunkte auszumerzen. Die neueste Generation ist robuster, besser diebstahlgeschützt und muss seltener aufgeladen werden.

Zudem hilft modernste Positionierungstechnologie dabei, dass Kunden nur dort fahren können, wo es auch erlaubt ist. Das stärkt die Akzeptanz bei den Verantwortlichen in den Städten. Ein kluger Schachzug war wahrscheinlich auch, den Betrieb auf lokal verankerte Flottenmanager zu übertragen, die variabel vergütet werden.

Bird kann sich so besser auf die Entwicklung von Hard- und Software fokussieren und das Geschäft schneller skalieren. Bei Lilium sieht man das ähnlich, wobei die Betreiber dort nicht kleine Selbstständige sind, die Stadtviertel betreuen, sondern erfahrene Spieler wie der Infrastrukturkonzern Ferrovial, die große Regionen wie Florida oder sogar ganz Brasilien abdecken.

Im jüngsten Business Update berichtete das Management von zahlreichen Fortschritten. ABB steht bereit, die Ladeinfrastruktur aufzubauen, Ferrovial will zusätzlich die Märkte Spanien und Großbritannien erschließen und am Palm Beach International Airport darf Lilium exklusiv einen Vertiport benutzen.

Dennoch ist der Weg zur Kommerzialisierung steinig. Der 7-Sitzer ist noch lange nicht marktreif und die diversen Zulassungsverfahren sind mit vielen Unsicherheiten behaftet. Das weiß auch das Management, weshalb es alle Hebel in Bewegung setzt, um den Prozess zu beschleunigen. Mehr als 500 hochbezahlte Ingenieure arbeiten eifrig daran, den Traum vom geräuscharmen und emissionslosen Flug-Shuttle so schnell wie möglich wahr werden zu lassen.

Die Bird-Aktie ist attraktiver als die Lilium-Aktie

Beim Kurs von 6,17 US-Dollar kommt Bird auf eine Marktkapitalisierung von 1,7 Mrd. Euro. Die Lilium-Aktie bringt beim Kurs von 8,02 US-Dollar 2,3 Mrd. US-Dollar auf die Waage. Für einen höheren Preis bekommen wir folglich mehr Unsicherheit und weniger mittelfristigen Umsatz, bei meinem Eindruck nach vergleichbaren langfristigen Potenzialen.

Ich finde beide Ansätze faszinierend und habe großen Respekt vor den schnellen Fortschritten, die Lilium bereits erzielt hat. Aber im Moment erscheint mir Bird klar der bessere Deal zu sein.

Der Artikel Neue Mobilität: Warum ich eher die Bird-Aktie als Lilium kaufen würde ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2021

Bild: Lilium GmbH

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