Zeitung - Wintershall Dea prüft Rückzug aus Libyen

Reuters

Frankfurt (Reuters) - Der Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea erwägt einem Zeitungsbericht zufolge den Rückzug aus Libyen.

Für das Unternehmen komme ein Verbleib nur infrage, wenn sich die wirtschaftliche Lage der dortigen Niederlassung deutlich verbessere, berichtete das "Handelsblatt" (Mittwochausgabe) unter Berufung auf Konzernkreise. Man sei an einem Punkt angelangt, an dem das Engagement in dem Land wirtschaftlich kaum noch zu vertreten sei. Der Fall beschäftige auch die Bundesregierung, von der der Ölkonzern Unterstützung verlange. Im Fokus stehe die Frage, ob Wintershall Dea staatliche Garantien in Anspruch nehmen könnte. Am Mittwoch sei ein Treffen des Staatssekretärs im Bundeswirtschaftsministerium, Ulrich Nußbaum, mit Wintershall-Dea-Chef Mario Mehren und BASF-Vizechef Hans-Ulrich Engel geplant. Der Ludwigshafener Chemieriese hält 67 Prozent an dem Ölkonzern.

Das Bundeswirtschaftsministerium, Wintershall Dea und BASF wollten sich zu dem Bericht nicht äußern. Der Chemiekonzern hatte im Mai seine Kasseler Tochter Wintershall mit dem Hamburger Rivalen Dea verschmolzen. An dem Gemeinschaftsunternehmen hält die Investorengruppe LetterOne um den russischen früheren Dea-Eigner Michail Fridman 33 Prozent.

Wintershall Dea ist seit 1958 in Libyen aktiv. Der Konzern hat zwei Milliarden Dollar in die Exploration und Förderung investiert und betreibt dort acht Ölfelder. An diesen Aktivitäten ist die russische Gazprom mit 49 Prozent beteiligt. Wintershall Dea sieht sich in Libyen mit "herausfordernden Bedingungen" konfrontiert, wie das Unternehmen selbst auf seiner Internetseite erklärt. Die anhaltende angespannte Lage beeinträchtige die dortigen Aktivitäten seit 2011. Die Produktion musste zurückgefahren werden und war teils langfristig unterbrochen. Die potenzielle Fördermenge dort liegt bei 80.000 Barrel pro Tag.

Wie das "Handelsblatt" weiter berichtete, pochen BASF und Wintershall Dea auf die Auszahlung einer Hermes-Bürgschaft, weil es wegen der politischen Unruhen in Libyen wiederholt zu Produktionsausfällen kam. Es gehe um "erhebliche Beträge". Der Ölkonzern fordere von der Bundesregierung zudem mehr Unterstützung bei Streitigkeiten mit der staatlichen libyschen Ölgesellschaft National Oil Corporation (NOC), dabei gehe es um rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen der Förderung.

Die beiden Unternehmen hatten eigentlich 2017 ihren Streit beigelegt und sich auf eine Wiederaufnahme der Ölförderung in dem nordafrikanischen Land geeinigt. Der deutsche Konzern war vor dem Sturz des damaligen Machthabers Muammar Gaddafi im Jahr 2011 der zweitgrößte Ölkonzern in Libyen.

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