Europas drittgrößter Reisekonzern FTI meldet Insolvenz an

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München (Reuters) - Europas drittgrößter Reiseveranstalter FTI ist pleite.

Das Münchner Unternehmen kündigte am Montag einen Insolvenzantrag der konzernführenden FTI Touristik GmbH beim Amtsgericht München an. Anträge für weitere Veranstalter-Marken dürften in den nächsten Tagen folgen. FTI habe angesichts mauer Buchungszahlen die finanzielle Lücke bis zum geplanten Verkauf an ein Konsortium den US-Finanzinvestor Certares nicht schließen können, hieß es in einer Mitteilung. Die hochverschuldete Firma hatte die Bundesregierung um weitere Finanzhilfen ersucht, war aber abgeblitzt. Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums nannte die FTI-Insolvenz "tragisch", der Bund sei konstruktiv gewesen, habe aber auch mit Rücksicht auf den Haushalt kein weiteres Geld mehr geben können.

Zehntausende Urlauber müssen nun um ihre Reisen und Anzahlungen bangen. Von Dienstag (4. Juni) an könnten Reisen mit FTI voraussichtlich nicht mehr oder nur teilweise angetreten werden, teilte das Unternehmen mit. Man arbeite "mit Hochdruck daran", dass Urlauber, die bereits unterwegs seien, ihre Reisen wie geplant beenden könnten. Das Außenministerium verwies auf Gespräche mit dem Reiseversicherungsfonds und den Konsulaten, damit Urlauber nicht alleine gelassen werden.

Seit 2021 springt eigentlich der Reisesicherungsfonds bei Touristik-Pleiten in die Bresche. Er war nach der Insolvenz von Thomas Cook 2019 ins Leben gerufen worden. Der Topf - insgesamt 750 Millionen Euro - wird aber erst 2027 gefüllt sein - so lange sichert der Staat mit ab. Nach einem Bericht von "Business Insider" wollte FTI 200 Millionen Euro aus dem Fonds nehmen, für die der Bund haften sollte.

FTI schien im April gerettet, als der US-Finanzinvestor Certares die Übernahme für den symbolischen Preis von einem Euro ankündigte und auch Schulden übernehmen wollte. Doch nun droht FTI noch vor dem für den Herbst geplanten Abschluss des Verkaufs das Geld auszugehen: Die Buchungszahlen seien seither "deutlich hinter den Erwartungen zurück geblieben", hieß es in der Mitteilung. Der daraus folgende erhöhte Liquiditätsbedarf könne nicht mehr überbrückt werden.

Die Bundesregierung sah Regierungskreisen zufolge den neuen Investor in der Pflicht zu helfen. Laut "Business Insider" hatte Certares 75 Millionen Euro nicht überwiesen, weil FTI keine verlässliche Liquiditätsplanung vorlegen konnte. Dem Konsortium um den US-Investor gehörte auch der bisherige Mehrheitseigner, die Unternehmerfamilie Sawiris aus Ägypten, an.

FTI war bereits in der Corona-Krise mit staatlichen Hilfen von rund 600 Millionen Euro vor der Insolvenz bewahrt worden. Der Bund muss nun um den größten Teil des Geldes bangen. Einen Teil hat der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) bereits abgeschrieben. "Es muss davon ausgegangen werden, dass nur geringe Rückflüsse aus den offenen Forderungen zu erwarten sind", sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Nach einem Bericht des "Handelsblatts" waren Verhandlungen mit der Bundesregierung und der EU-Kommission über einen Schuldenschnitt gescheitert.

FTI erwirtschaftete mit mehr als 11.000 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2022/23 einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro und sieht sich damit als Europas drittgrößter Reisekonzern hinter TUI und DER Touristik. Neben Deutschland ist FTI auch in Österreich, der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden aktiv.

(Bericht von Alexander Hübner; Mitarbeit: Christian Krämer und Andreas Rinke; redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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