Deutsche Inflation zieht an - "Kein Grund zur Sorge"

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Berlin (Reuters) - Rückschlag im Kampf gegen die Inflation in Deutschland: Wegen deutlich höherer Preise für Dienstleistungen die Teuerungsrate im Mai erstmals in diesem Jahr gestiegen.

Die Verbraucherpreise zogen um 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat an, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch eine frühere Schätzung bestätigte. Im März und April lag die Inflationsrate mit jeweils 2,2 Prozent noch auf dem niedrigsten Wert seit rund drei Jahren.

Experten gaben aber Entwarnung und rechnen schon bald wieder mit einer Fortsetzung des Abwärtstrends. "Der leichte Anstieg der Inflation im Mai ist kein Grund zur Sorge", sagte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien. "Für die kommenden Monate ist mit einer Rückkehr zu fallenden Inflationsraten zu rechnen." Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser geht davon aus, dass die Teuerungsrate im August erstmals seit März 2021 unter die Zwei-Prozent-Marke sinken dürfte.

"DÄMPFENDER EFFEKT FÄLLT WEG"

Dass die Inflation nun gestiegen ist, hat auch einen statistischen Grund. Das Deutschland-Ticket für den Nahverkehr für 49 Euro im Monat wurde im Mai 2023 eingeführt. "Da im Vorjahresvergleich dieser dämpfende Effekt jetzt wegfällt, ist die Inflationsrate erhöht", sagte Dullien. Dadurch verteuerten sich die kombinierten Tickets für Bahn, Bus und Ähnliches um 3,5 Prozent.

Preistreiber Nummer eins waren auch deshalb die Dienstleistungen. Für sie wurden 3,9 Prozent mehr verlangt als ein Jahr zuvor (April: +3,4 Prozent). Ökonomen zufolge liegt das auch an den stark steigenden Löhnen, die die Preise der arbeitsintensiven Dienstleistungen nach oben treiben. Die Preise für Versicherungen zogen um 13,0 Prozent an, die für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen um 7,7 Prozent, während in Gaststätten 6,9 Prozent mehr verlangt wurden. Pauschalreisen verteuerten sich mit 5,6 Prozent ebenfalls spürbar.

Energie kostete diesmal 1,1 (April: -1,2) Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Brennholz, Holzpellets oder andere feste Brennstoffe verbilligten sich um 9,5 Prozent, Strom um 7,4 Prozent und Erdgas um 5,2 Prozent. Dagegen verteuerte sich Fernwärme um 27,9 Prozent, Kraftstoffe um 2,2 Prozent.

Nahrungsmittel kosteten 0,6 (April: +0,5) Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Molkereiprodukte gaben dabei um 5,1 Prozent nach, während frisches Gemüse um 3,5 Prozent günstiger zu haben war. Merklich teurer waren erneut hingegen Olivenöl (+48,5 Prozent) sowie Zucker, Marmelade, Honig und andere Süßwaren (+6,9 Prozent). Die Kerninflation - bei der die schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet werden - verharrte bei 3,0 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt in der Währungsunion eine Teuerungsrate von zwei Prozent an. Obwohl diese im Mai im Euroraum auf 2,6 Prozent gestiegen ist, hat die EZB vorige Woche erstmals seit fünf Jahren ihren Leitzins gesenkt - von 4,50 auf 4,25 Prozent.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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