Ukraine greift russische Oblast Lipezk an - Luftwaffenbasis getroffen
Moskau/Kiew (Reuters) - Drei Tage nach Beginn des Vorstoßes in die russische Oblast Kursk hat das ukrainische Militär die weiter im Landesinneren liegende Oblast Lipezk mit Drohnen angegriffen.
Bei dem Beschuss seien Lagerbestände an Lenkbomben beschädigt worden, erklärte das ukrainische Militär am Freitag auf dem Kurzmitteilungsdienst Telegram. Ein großes Feuer sei ausgebrochen, es seien mehrere Explosionen beobachtet worden. Auf dem Flugplatz außerhalb der gleichnamigen Regionalhauptstadt Lipezk seien russische Kampfflugzeuge vom Typ Su-34, Su-35 und MiG-31 stationiert. Die Oblast Lipezk liegt östlich der Grenzregion Kursk und damit weiter im Landesinneren von Russland. Auch der Gouverneur von Lipezk, Igor Artamonow, berichtete von einem "massiven Angriff" der Ukraine mit Drohnen. Es sei zu Explosionen gekommen, neun Menschen seien verletzt worden. Teilweise sei die Stromversorgung ausgefallen. In der Regionalhauptstadt sei der Ausnahmezustand ausgerufen worden.
Ein ukrainischer Insider sagte, die meisten Flugzeuge auf dem Stützpunkt bei Lipezk hätten nicht rechtzeitig vor dem Angriff abheben können. "Anfang August haben wir den Flugplatz Morosowsk von Lenkbomben und Kampfflugzeugen geräumt, heute ist Lipezk-2 an der Reihe." Der Insider verwies dabei auf einen ukrainischen Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt Morosowsk in der russischen Grenzregion Rostow.
Der Regionalgouverneur von Lipezk teilte mit, es seien vier Dörfer evakuiert worden, davon einige in der Nähe des Luftwaffenstützpunktes. Alle Unterhaltungsveranstaltungen seien abgesagt worden und sie Sicherheitsvorkehrungen für andere Veranstaltungen, etwa im Sport, würde verschärft. "Wir lassen uns nicht einschüchtern und geben nicht nach, aber wir haben auch nicht vor, das Leben unserer Leute zu riskieren", sagte Gouverneur Artamonow.
Dem Verteidigungsministerium in Moskau zufolge schoss die Luftabwehr in der Nacht insgesamt 75 ukrainische Drohnen ab, die meisten davon über Lipezk und der Grenzregion Belgorod.
Auch die von Russland bereits 2014 annektierten ukrainischen Halbinsel Krim war Ziel ukrainischer Angriffe. In der Nähe der Stadt Sewastopol, wo die russische Schwarzmeerflotte seit jeher ihr Hauptquartier hat, wurden nach Angaben des dortigen Gouverneurs Michail Raswoschajew drei Drohnen und drei Drohnenboote zerstört.
Das ukrainische Militär wiederum hat nach eigenen Angaben einen russischen Drohnenangriff vollständig abgewehrt. Die Luftabwehr habe in der Nacht alle 27 Drohnen über sieben Regionen abgeschossen, teilte die Luftwaffe mit. Von Russland attackiert worden seien die Regionen Kiew, Poltawa, Sumy, Mykolajiw, Cherson, Donezk und Dnipropetrowsk.
FÖDERALER NOTSTAND IN OBLAST KURSK AUSGERUFEN
In der Grenzregion Kursk hielten die Kämpfe an. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, die russischen Truppen seien weiter dabei, den Vorstoß der Ukraine nach Kursk abzuwehren. Für die Oblast verhängte das Katastrophenschutzministerium in Moskau den föderalen Notstand.
Ein in den sozialen Medien am Freitag veröffentlichtes und von Reuters verifiziertes Video zeigte einen Konvoi ausgebrannter russischer Militärlastwagen in der russischen Oblast Kursk. Sie standen entlang einer Autobahn. Auf dem Video waren rund 15 Lastwagen zu sehen, darunter einer mit der Kennzeichnung Z. Dies ist das in Russland gebräuchliche Symbol für die dort als "spezielle Militäroperation" bezeichnete russische Invasion der Ukraine. Reuters konnte anhand von Gebäuden, Bäumen und Straßenverläufen den Ort der Aufnahme als das Dorf Oktjabrskoje verifizieren. Es war jedoch nicht festzustellen, wann genau das Video gedreht wurde.
In Kursk waren am Dienstagmorgen bei einem der größten ukrainischen Gegenangriffe auf russisches Territorium in dem seit 24. Februar 2022 dauernden Krieg nach russischen Angaben rund tausend ukrainische Soldaten eingedrungen. Sie hätten die Staatsgrenze mit Panzern und gepanzerten Fahrzeugen überquert und seien von Drohnenschwärmen und Artilleriefeuer gedeckt worden. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte den Vorstoß als Provokation bezeichnet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lobte am Donnerstag die ukrainische Armee. "Jeder kann sehen, dass die ukrainische Armee weiß, wie man überrascht. Und wie man Ergebnisse erzielt."
(Bericht von Reuters, geschrieben von Sabine Ehrhardt, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)