Traumziel Neuseeland mit Rekord-Auswanderung im ersten Halbjahr

Reuters · Uhr

Wellington (Reuters) - Das für viele Auswanderer als Traumziel geltende Neuseeland meldet einen Negativrekord: Noch nie haben so viele Menschen das Land in einer ersten Jahreshälfte verlassen wie diesmal.

131.200 Personen gingen von Januar bis Juni, wie das Statistikamt des Landes am Dienstag mitteilte. Etwa ein Drittel davon zog es nach Australien. 80.174 der Auswanderer sind neuseeländische Staatsbürger. Als Grund für den Wegzug gelten die steigende Arbeitslosigkeit, hohe Zinsen und das maue Wirtschaftswachstum.

Der sogenannte Wanderungssaldo - also die Zahl der Zuwanderer abzüglich der Auswanderer - bleibt zwar auf hohem Niveau. Ökonomen rechnen aber damit, dass die Zahl der einwandernden Ausländer aufgrund der schwächeren Konjunktur sinken wird. Die teure Lebenshaltung, hohe Zinsen und abnehmende Beschäftigungsmöglichkeiten dämpfen.

So hat die neuseeländische Regierung den öffentlichen Dienst des 5,3 Millionen Einwohner zählenden Landes verkleinert, weshalb viele qualifizierte Arbeitskräfte auf der Suche nach einer Stelle sind. Australien sucht dagegen viele Fachkräfte - etwa in Bereichen wie der Krankenpflege, aber auch Polizisten und Lehrer. Interessenten werden sogar Umzugspakete angeboten. Das zieht viele Neuseeländer an, die zudem kein Visum benötigen, um dort zu arbeiten.

Merrily Allen plant derzeit ihren Umzug mit ihrem Partner und ihrer 14-jährigen Tochter im Frühjahr 2025 nach Hobart im australischen Tasmanien. "Dort gibt es eine Menge Möglichkeiten. Sie suchen immer nach Leuten in meinem Beruf", sagt Allen, die in der zahnmedizinischen Verwaltung arbeitet. "Ich habe viele Freunde, die nach Australien gegangen sind (...) einfach wegen der besseren Arbeitsmöglichkeiten und des besseren Lebens. Australien scheint es einfach drauf zu haben."

Während der Corona-Pandemie kehrten Neuseeländer, die im Ausland lebten, in einer historisch hohen Zahl nach Hause zurück. Dazu trug die Corona-Politik der damaligen Regierung bei, die die Ausbreitung der Krankheit erfolgreich eindämmte.

Inzwischen hat die neuseeländische Wirtschaft zu kämpfen. Die Zentralbank hat ihren Leitzins im Kampf gegen die Inflation um 5,21 Prozentpunkte angehoben - die aggressivste Straffung seit Einführung des Leitzinses im Jahr 1999. Das lähmt die Wirtschaft. Diese ist im ersten Quartal nur um 0,2 Prozent gewachsen. Die Arbeitslosenquote stieg im Frühjahr auf 4,7 Prozent, während die Inflation mit 3,3 Prozent nach wie vor hoch ist.

(Bericht von Lucy Craymer, geschrieben von Rene Wagner; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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