Chemie-Nobelpreis für Proteinforscher Baker sowie KI-Forscher Hassabis und Jumper

Stockholm/Frankfurt (Reuters) - Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr zur Hälfte an den US-Biochemiker David Baker sowie an die KI-Forscher Demis Hassabis und John Jumper.
Sie werden damit für ihre Arbeiten zum "computergestützten Proteindesign" sowie für die "Vorhersage von Proteinstrukturen" ausgezeichnet, wie das Nobelkomitee am Mittwoch in Stockholm mitteilte. David Baker sei das fast unmögliche Kunststück gelungen, völlig neue Arten von Proteinen zu entwickeln. Hassabis und Jumper hätten mit der Entwicklung eines KI-Modells ein 50 Jahre altes Problem gelöst: die Vorhersage der komplexen Strukturen von Proteinen. "Sie haben den Code für die erstaunlichen Strukturen der Proteine geknackt."
Diese beiden Entdeckungen eröffneten enorme Möglichkeiten, erklärte der Vorsitzende des Chemie-Nobelkomitees, Heiner Linke. Der 62-jährige Baker ist Professor der Universität Washington in Seattle. Ihm gelang es 2003, ein neues Protein zu entwerfen, das sich von allen anderen Proteinen unterscheidet. Seitdem habe seine Forschungsgruppe "eine fantasievolle Proteinkreation nach der anderen hervorgebracht, darunter Proteine, die als Arzneimittel, Impfstoffe, Nanomaterialien und winzige Sensoren verwendet werden können", urteilte das Nobelkomitee.
Hassabis (48) ist Vorstandschef des KI-Spezialisten Google DeepMind, der 2014 für rund 400 Millionen Dollar von Google übernommen wurde. Der 1985 geborene US-Amerikaner Jumper ist Senior Research Scientist bei Google DeepMind. Sie stellten 2020 das KI-Modell AlphaFold2 vor. Mit dessen Hilfe konnten sie die Struktur von praktisch allen 200 Millionen Proteinen vorhersagen, die Forscher identifiziert haben. Seit ihrem Durchbruch wurde AlphaFold2 von mehr als zwei Millionen Menschen aus 190 Ländern genutzt. Neben einer Vielzahl wissenschaftlicher Anwendungen können Forscher nun Antibiotikaresistenzen besser verstehen und Bilder von Enzymen erstellen, die Plastik zersetzen können.
Der Nobelpreis gilt international als eine der wichtigsten wissenschaftlichen Auszeichnungen. Im vergangenen Jahr waren Moungi Bawendi, Louis Brus und Alexei Ekimov für die Entdeckung und Entwicklung von Quantenpunkten ausgezeichnet worden. Als bekannteste Trägerin des Chemie-Nobelpreises gilt Marie Curie, die ihn 1911 für die Entdeckung der Elemente Radium und Polonium erhielt. In den kommenden Tagen werden weitere Nobelpreise für besondere Leistungen in anderen Bereichen vergeben, darunter der Preis für Literatur am Donnerstag und für Frieden am Freitag. Den Abschluss macht die Verleihung des Wirtschafts-Nobelpreises am Montag.
(Bericht von Niklas Pollard und Patricia Weiß. Redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)