Deutschland kritisiert Urananreichung im Iran - "Geht in falsche Richtung"

Berlin/Genf (Reuters) - Deutschland kritisiert den Iran für den geplanten Ausbau seiner Urananreicherung.
"Ich kann sagen, dass dieser Schritt eindeutig in die falsche Richtung geht", sagte ein Sprecher des Bundesaußenministeriums am Freitag in Berlin. Der Iran will weitere Zentrifugen zur Anreicherung von Uran in seinen Anlagen in Fordow und Natanz installieren. Das geht aus einem vertraulichen Bericht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) hervor, den Reuters einsehen konnte. Deeskalation müsste für den Iran eigentlich das Gebot der Stunde sein, so der Sprecher des Auswärtigen Amtes. Das Land halte im Atomstreit seine Verpflichtungen dauerhaft nicht ein. Hier gebe es Handlungsbedarf.
Der IAEO-Bericht fußt auf Informationen, die der Iran der Behörde übermittelt hat. Das Land hat bereits weit über 10.000 Zentrifugen in Natanz und Fordow sowie in einer oberirdischen Anlage in Natanz in Betrieb. In dem Bericht werden Pläne zur Installation von 32 sogenannten Kaskaden vorgestellt, die jeweils 174 Zentrifugen umfassen. Außerdem will der Iran demnach eine Kaskade mit 1152 fortschrittlichen IR-6-Zentrifugen installieren.
Der Westen fürchtet seit langem, dass der Iran den Bau von Atombomben anstrebt. Die Regierung in Teheran weist dies zurück. Diesen Freitag wollten sich Vertreter des Iran mit Top-Diplomaten der E3-Gruppe aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien in Genf treffen. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, es habe im September bereits ein ähnliches Treffen in New York gegeben. Man suche den Kontakt zur neue Regierung in Teheran.
Ein hochrangiger Regierungsvertreter des Iran sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Gespräche in Genf würden "hart und ernsthaft" werden. Man werde Russland und China in der nächsten Woche über die Treffen informieren. Sollte es eine Verständigung auf einen Weg zur Lösung des Atomstreits geben, liege der Ball dann im Feld der USA, den Deal von 2015 neu zu beleben oder zu beerdigen.
Im Januar kommt der designierte US-Präsident Donald Trump wieder ins Amt. In seinem Kabinett werden einige Iran-Hardliner sein. Es wird damit gerechnet, dass der Republikaner den Druck auf die Wirtschaft des Iran erhöhen will. In seiner ersten Amtszeit hatte Trump 2018 das 2015 von sechs Staaten geschlossene Nuklearabkommen mit dem Iran aufgekündigt und neue Sanktionen gegen die Islamische Republik verhängt. Teheran stockte danach seine Bestände an angereichertem Uran wieder auf. Die nukleare Aufrüstung des Iran sei eines der größten Risiken in den nächsten Monaten, sagte der Chef des französischen Auslandsgeheimdienstes, Nicolas Lerner, in Paris.
(Bericht von Christian Krämer, John Irish und Parisa Hafezi, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)