Mehrheit in Deutschland bewertet Integration von Flüchtlingen weiter positiv
Berlin (Reuters) - Die Deutschen bewerten die Integration von Flüchtlingen überwiegend positiv, allerdings nicht mehr so gut wie noch vor zwei Jahren.
Skeptischer äußerten sich in einer neuen Studie vor allem Deutsche ohne Migrationshintergrund, überdurchschnittlich auch Männer und Ostdeutsche. Positiv werden besonders Menschen aufgenommen, die vor Krieg und Gewalt fliehen, weniger Menschen, die aus Armutsgründen nach Deutschland kommen. Die Bundesregierung betonte, trotz des Ampel-Aus werde Geld für weitere Integrationskurse bereitstehen.
Der Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) - ein wissenschaftliches Expertengremium - veröffentlichte am Dienstag in Berlin das fünfte Integrationsbarometer. Es beruht auf einer Befragung von gut 15.000 Menschen zwischen November 2023 und Juli 2024, in etwa zur Hälfte von Menschen mit beziehungsweise ohne Migrationshintergrund. Insgesamt liegt der Index für das Integrationsklima nun bei 66,3 Punkten und damit auf dem Niveau von vor vier Jahren. 2022 waren es allerdings noch 68,5 Zähler. Die Skala reicht von 0 bis 100, je höher der Wert, desto besser wird das Integrationsklima eingeschätzt.
Der SVR-Vorsitzende Hans Vorländer sagte, negativer werde von Menschen ohne Migrationshintergrund die Integration in den Teilbereichen Bildung und Nachbarschaft bewertet. Positiver wahrgenommen werde sie dagegen auf dem Arbeitsmarkt. Abgefragt wurde zum Beispiel, ob man das eigene Kind an einer Schule mit hohem Migrationsanteil anmelden würde. Das würden unter Menschen ohne Migrationshintergrund nur noch 55 Prozent der Befragten tun, vor zwei Jahren waren es noch 65,2 Prozent.
Häufige Kontakte mit unterschiedlichen Kulturen führen Vorländer zufolge zu einer positiveren Bewertung. Die Unterschiede zwischen Ost und West hatten sich bei der Erhebung vor zwei Jahren angenähert, jetzt gehen sie wieder auseinander. Jede dritte Person nimmt Geflüchtete zunächst als Bedrohung für den Wohlstand wahr. Vorländer verwies auf die schwache Wirtschaftsentwicklung in Deutschland in den vergangenen Jahren und die trüben Aussichten, die von Rezessionsängsten geprägt seien.
Staatssekretärin Juliane Seifert aus dem SPD-geführten Innenministerium sagte, über 3,6 Millionen Menschen hätten bereits an Integrationskursen teilgenommen. "Umso wichtiger ist es, dass in der Bundesregierung verabredet wurde, die Integrationskurse auch während einer vorläufigen Haushaltsführung für 2025 zu sichern."
Eigene Daten zu Syrern und Ukrainern lassen sich aus der Studie nicht ablesen. Vorländer sagte, es gebe bei Syrern aber eine hohe Zahl an Einbürgerungen, eine hohe Motivation zum Erlernen der deutschen Sprache und eine gute Integration in den Arbeitsmarkt.
(Bericht von Christian Krämer, redigiert von Christian Rüttger. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)