Konsumklima hellt sich etwas auf - "Verunsicherung aber groß"

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Berlin (Reuters) - Die Kauflaune der deutschen Verbraucher steigt zum Jahreswechsel leicht - trotz schlechter Nachrichten aus der Wirtschaft über einen zunehmenden Arbeitsplatzabbau.

Das für Januar berechnete Konsumbarometer kletterte um 1,8 Punkte auf minus 21,3 Zähler, wie die GfK und das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) am Donnerstag zu ihrer Dezember-Umfrage unter 2000 Personen mitteilten. Diese bewerteten ihr künftiges Einkommen und die Aussichten für die Konjunktur etwas besser. Auch legte ihre Bereitschaft zu größeren Anschaffungen zu, während die Sparneigung abnahm.

Einen Konsumboom erwarten die Experten aber nicht. "Eine nachhaltige Erholung des Konsumklimas ist nach wie vor nicht in Sicht, dazu ist die Verunsicherung der Konsumenten derzeit noch zu groß", sagte NIM-Experte Rolf Bürkl. "Hauptursache sind die hohen Lebensmittel- und Energiepreise." Zudem würden in vielen Bereichen die Sorgen um die Job-Sicherheit größer. So fiel das Beschäftigungsbarometer im Dezember den siebten Monat in Folge und erreichte mit 92,4 Zählern das niedrigste Niveau seit Mitte 2020, wie das Münchner Ifo-Institut bei seiner Manager-Umfrage ermittelte. "Immer weniger Unternehmen bauen Personal auf", sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. "Dafür steigt der Anteil der Betriebe, die Arbeitsplätze abbauen wollen."

WACHSENDE SORGE UM DEN EIGENEN JOB

Banken-Ökonomen sehen deshalb aktuell wenig Chancen für ein Konsumfeuerwerk. "Unter den aktuellen Bedingungen dürfte sich der Konsumknoten nur schwer lösen lassen", sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger. "Wachsende Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz dürften die Ausgabebereitschaft zusätzlich dämpfen." Im beginnenden Bundestagswahlkampf würden sich die Parteien gerade mit Versprechungen für die Wähler überschlagen, sagte Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank – von Steuersenkungen über Strompreissubventionen und Autoprämien bis Mehrwertsteuererleichterungen. Die Menschen würden aber erst einmal abwarten, was denn eine neue Regierung tatsächlich beschließen werde. Dazu komme, dass viele Unternehmen aus der Industrie gerade mit Beschäftigungsabbau für Schlagzeilen sorgen. "Das macht die Menschen nervös", sagte de la Rubia. "Da legt man lieber Geld zurück."

Nach vier Rückgängen in Folge stabilisieren sich die Konjunkturerwartungen der Verbraucher zum Jahresende. Dieser Teilindikator gewinnt 3,9 Zähler hinzu, gleicht damit die Verluste des Vormonats aus und liegt bei plus 0,3 Punkten. Ökonomen rechnen allerdings nicht mit einer kräftigen Konjunkturerholung in Deutschland. Die führenden Institute trauen Europas größter Volkswirtschaft 2025 bestenfalls ein Mini-Wachstum zu.

Nach dem starken Einbruch im Vormonat erholen sich die Einkommenserwartungen im Dezember wieder etwas. Dieses Barometer steigt um 4,9 Zähler auf plus 1,4 Punkte, bleibt aber deutlich niedriger als im Sommer. Als Grund dafür nannten die Experten maue Wachstumsaussichten und steigende Arbeitslosigkeit. "Zudem dürften die deutlichen realen Einkommenszuwächse, wie wir sie aus diesem Jahr kennen, 2025 der Vergangenheit angehören."

Die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen legte etwas zu. Dieser Indikator gewinnt 0,6 Punkte und liegt nun bei minus 5,4 Zählern. "Neben den hohen Preisen für Lebensmittel und Energie verhindert derzeit die zunehmende Sorge um den Job eine bessere Konsumstimmung", hieß es von GfK und NIM. "Zu dieser Sorge tragen auch die intensiven Diskussionen um Arbeitsplatzabbau, Werksschließungen und Produktionsverlagerungen ins Ausland bei."

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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