Chinesische Staatsdiener mit erster großer Löhnerhöhung seit einem Jahrzehnt

Peking (Reuters) - Millionen von Staatsbediensteten in ganz China haben diese Woche überraschend Lohnerhöhungen bekommen.
Die Monatslöhne für Regierungsangestellte wie Lehrer oder Polizisten seien um durchschnittlich 500 Yuan (66,53 Euro) erhöht worden, sagten mehrere Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Auch in sozialen Medien war davon die Rede. Einige jüngere Beamte berichteten von monatlichen Erhöhungen von fast 300 Yuan. Insgesamt würde die sofortige Auszahlung einen einmaligen Impuls für die Wirtschaft in Höhe von etwa zwölf bis 20 Milliarden Dollar bedeuten, sollten alle 48 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes mehr Geld bekommen.
Zuletzt hatte die Regierung im Jahr 2015 eine landesweite Gehaltserhöhung für Beamte ankündigt. Damals wurden die Verdienste um mehr als 30 Prozent angehoben. Das sollte nicht nur die Kaufkraft stärken, sondern auch die Anfälligkeit der Staatsdiener für Korruption verringern.
"Pekings Strategie scheint darauf abzuzielen, den Konsum von Menschen zu fördern, die eher bereit sind, Geld auszugeben", sagte Volkswirt Xu Tianchen von der Economist Intelligence Unit. "Bisher haben wir Bargeldausschüttungen an arme Bevölkerungsschichten und Lohnerhöhungen im öffentlichen Sektor gesehen." Einkommensschwache Gruppen neigten dazu, einen höheren Anteil ihres Einkommens auszugeben. Auch Staatsdiener dürften aufgrund ihrer höheren Sozialleistungen eher dazu bereit sein als Angestellte in der Privatwirtschaft, Geld auszugeben.
Der Schritt wurde von der Regierung weder angekündigt noch näher erläutert. Es war zunächst nicht klar, wie die Erhöhung finanziert wird, wie hoch die Gesamtkosten sind und wie stark der prozentuale Anstieg der Gehälter ist. Ein Lehrer und ein Beamter in Südchina sagten, sie hätten eine Erhöhung von etwa zehn Prozent erhalten. Die Höhe der Gehaltserhöhung hänge auch von der wirtschaftlichen und finanziellen Situation der jeweiligen Provinzregierungen ab, sagte eine andere Person. Das Informationsbüro des Staatsrats, das für die Regierung spricht, reagierte nicht sofort auf eine Bitte um Stellungnahme.
Unterdessen kommentierten viele Staatsbedienstete die Gehaltserhöhung in den sozialen Medien. "Es ist eine gute Sache für alle, wenn wir aus der Deflation herauskommen können", schrieb eine Person aus Jiangsu auf Weibo. Andere äußerten sich kritisch. "Wie kann man den Konsum ankurbeln, indem man auf eine kleine Gruppe von Beamten abzielt?", so ein Weibo-Nutzer aus Hubei.
Eine Rekordzahl von 3,4 Millionen jungen Chinesen hat sich im vergangenen Jahr der Prüfung für den öffentlichen Dienst unterzogen. Sie werden angelockt von der Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz. Die Zahl der Bewerber für den öffentlichen Dienst hat sich seit 2014 verdreifacht.
Die Regierung strebt für das neue Jahr erneut ein Wirtschaftswachstum von rund fünf Prozent an. Experten zufolge dürfte das angesichts der anhaltenden Immobilienkrise, fallender Preise und der Gefahr von höheren Zölle auf Exporte in die USA schwierig werden.
(Büro Peking, geschrieben von Rene Wagner, redigiert von Elke Ahlswede. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)