Israel verstärkt im Vorfeld von Waffenruhe Angriffe im Gazastreifen

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Doha/Kairo/Jerusalem (Reuters) - Wenige Tage vor Beginn der im Gaza-Krieg vereinbarten Waffenruhe hat Israel seine Angriffe in dem Palästinenser-Gebiet noch einmal ausgeweitet.

Bei schwerem Bombardement aus der Luft wurden in der Nacht und am Donnerstag - also nach der Einigung auf eine Feuerpause - mindestens 77 Palästinenser getötet, wie aus den Behörden und von Bewohnern im Gazastreifen verlautete. Doch auch militante Palästinenser in dem Küstengebiet setzten ihre Angriffe fort. Sie feuerten laut dem israelischen Militär eine Rakete auf Israel ab, verletzt wurde niemand. Am Mittwoch hatten sich Israel und die radikal-islamische Hamas auf eine Feuerpause in dem seit 15 Monaten anhaltenden Krieg geeinigt, die am Sonntag in Kraft treten soll.

Die von Katar, den USA und Ägypten vermittelte Vereinbarung löste im Gazastreifen und in Israel Freudenfeiern aus. Die Einigung sieht im Grundsatz eine zunächst sechswöchige Waffenruhe und die Freilassung einiger Geiseln aus der Gewalt der Hamas vor. Im Gegenzug sollen palästinensische Gefangene aus israelischer Haft entlassen werden. Später soll sich das israelische Militär schrittweise aus dem Gazastreifen zurückziehen.

Die Vereinbarung ebnet auch den Weg für verstärkte Hilfslieferungen in das dicht besiedelte Gebiet, wo die Menschen unter katastrophalen Umständen leben. In der ägyptischen Grenzstadt El-Arisch bildeten sich bereits Schlangen von Lastwagen mit Hilfsgütern, die unmittelbar nach Wiedereröffnung der Grenze in den Gazastreifen fahren sollten.

Die Hamas sprach mit Blick auf die Vereinbarung von einem großen Erfolg. In Israel muss zunächst noch die rechts-religiöse Regierung zustimmen. Mit dem Votum wurde zunächst im Tagesverlauf gerechnet. Allerdings verschob Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Sitzung mit der Begründung, die Hamas sei von Vereinbarungen wieder abgerückt und habe in letzter Minute neue Forderungen gestellt. Ein hochrangiger Hamas-Vertreter wies dies zurück und bekräftigte, dass sich seine Organisation an die bereits erzielte Übereinkunft halten werde. Dennoch wird in Israel mit Widerstand von Hardlinern in Netanjahus Kabinett gegen die Vereinbarung gerechnet.

Der Krieg wurde durch den Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst. Dabei starben 1200 Menschen, 250 weitere wurden verschleppt. Von den Entführten sollen sich noch 98 im Gazastreifen befinden. Durch die auf den Überfall folgende israelische Offensive in dem dicht besiedelten Gebiet wurde nach palästinensischen Angaben mehr als 46.000 Menschen getötet.

(Bericht von Andrew Mills, Nidal al-Mughrabi und Maayan Lubell, geschrieben von Elke Ahlswede, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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