Brexit-Folge - Deutscher Handel mit Großbritannien bricht ein

Reuters

Berlin (Reuters) - Die deutschen Exporteure leiden nach dem Brexit-Handelsabkommen unter schweren Einbrüchen im Geschäft mit Großbritannien.

Die Ausfuhr von Waren in das Vereinigte Königreich fiel in den ersten beiden Monaten 2021 um 20,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum auf 9,7 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Zum Vergleich: Die gesamten deutschen Ausfuhren sanken im Januar/Februar um 4,5 Prozent. Noch teurer kommt der Brexit allerdings die britischen Exporteure zu stehen. Die deutschen Importe von der Insel brachen im Januar und Februar zusammen um 39,6 Prozent ein auf 4,4 Milliarden Euro. Die Ausfuhren Deutschlands nach Großbritannien machten in den ersten beiden Monaten des Jahres knapp fünf Prozent aller deutschen Exporte aus.

"Viele britische Exporteure waren schlecht vorbereitet", erklärte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr, den heftigen Einbruch der Exporte nach Deutschland. "Die Briten müssen erst herausfinden, wie das jetzt geht, Waren in die EU zu schicken. Aber hier wird es Lerneffekte geben." Daher dürften die Einbrüche im Laufe des Jahres nicht mehr so stark sein, zumal die Konjunktur im Königreich wegen der raschen Impffortschritte schneller wieder in Schwung kommen dürfte als die der Euro-Zone. Davon könnte etwa die deutschen Autohersteller profitieren.

Großbritannien ist 2020 aus der EU ausgetreten. Seit Anfang 2021 gilt vorläufig das erst an Weihnachten ausgehandelte Handels- und Kooperationsabkommen, das für Unternehmen zahlreiche Änderungen und oftmals einen höheren bürokratischen Aufwand mit sich bringt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass allein deutsche Unternehmen künftig rund zehn Millionen Zollanmeldungen pro Jahr einreichen müssen. Das dürfte etwa 400 Millionen Euro kosten.

Stabiler als der Handel mit Waren entwickelt sich Felbermayr zufolge der mit Dienstleistungen. "Auch hier wird der Brexit seine Spuren hinterlassen, aber nicht so deutliche wie im Güterbereich", sagte der Handelsexperte. Im Bereich von Finanz-, Unternehmens- und Versicherungsdienstleistungen spiele London nach wie vor ganz vorne mit, ebenso bei Medien. "Hier ist der Zuwachs an Barrieren nicht so hoch wie im Güterbereich."

Seit 2016 – dem Jahr des Brexit-Referendums – haben die deutschen Warenexporte in das Vereinigte Königreich stetig abgenommen. 2015 hatten sie 89 Milliarden Euro betragen, 2020 waren es noch knapp 67 Milliarden Euro.

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