Deutschland und Frankreich ringen um Erhalt von Airbus-Jobs

Reuters

Berlin/Paris (Reuters) - Deutschland und Frankreich pochen auf eine gerechte Verteilung des Abbaus von 15.000 Arbeitsplätzen beim europäischen Flugzeugbauer Airbus.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) betonte am Mittwoch in Berlin: "Wir gehen selbstverständlich davon aus, dass diese Umstrukturierung auch so erfolgen wird, dass sie kein Land bevorzugen und kein Land benachteiligen wird." Deutschland ist mit der Streichung von 6000 Arbeitsplätzen - darunter 900 bei der Augsburger Premium Aerotec, deren Abbau bereits vorher beschlossen war - noch vor Frankreich am stärksten betroffen. Der französische Verkehrs-Staatssekretär Jean-Baptiste Djebarri pocht darauf, dass Airbus bei dem Abbau weitestgehend auf Kündigungen verzichten solle.

Airbus hatte die Abbaupläne am Dienstagabend verkündet. Der Konzern reagiert damit auf die Coronakrise, in der die Nachfrage nach neuen Flugzeugen eingebrochen ist. Airbus drosselt deshalb die Produktion von Verkehrsflugzeugen für mindestens zwei Jahre um 40 Prozent. Jeder sechste der 90.000 Arbeitsplätze in der Sparte soll bis zum Sommer 2021 gestrichen werden. Kündigungen seien nicht auszuschließen, auch wenn sie möglichst vermieden werden sollten, erklärte der Konzern. Airbus setzt unter anderem darauf, dass mehr als ein Drittel der Belegschaft ohnehin in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen würden.

Altmaier äußerte Verständnis für die Einschnitte: Airbus sei in einer ähnlichen Lage wie die Lufthansa: Beide seien vor der Corona-Krise gesund gewesen und litten unter den Folgen der Pandemie. "Wir haben ein Interesse daran, dass beide Unternehmen diese Krise unbeschadet überstehen." Neue Flugzeuge würden auch künftig gebraucht. Der Minister verwies daerauf, dass im Konjunkturpaket eine Milliarde Euro für die Entwicklung emissionsarmer und geräuscharmer Flugzeuge vorgesehen seien.

Djebarri sagte in einem Interview mit dem Rundfunksender BFM, die Regierung gehe davon aus, dass Airbus durch verkürzte Arbeitszeiten und die staatliche Förderung "grüner Flugzeuge" auf den Abbau von 2000 Arbeitsplätzen verzichten könne. In Frankreich sollen 5000 Stellen wegfallen. "Airbus steht vor einer sehe schweren Zeit. Der Staat steht zu Airbus, wie auch zu Air France." Bei der Fluggesellschaft sollen Djebarri zufolge 7500 Arbeitsplätzen gestrichen werden. Die Regierung habe Air France nicht mit sieben Milliarden Euro geholfen, um einen Stellenabbau zu finanzieren, sondern un zu überleben und um die Löhne zahlen zu können, sagte er.

Die französische Gewerkschaft Force Ouvriere bezeichnete Kündigungen bei Airbus als "rote Linie", die nicht überschritten werden dürfe. Auch die deutsche Gewerkschaft IG Metall brachte eine verkürzte Arbeitszeit und eine Verlängerung der Kurzarbeit ins Gespräch, um den Abbau zu dämpfen. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez sagte am Mittwoch, er hoffe in Gesprächen mit Airbus Lösungen zur Rettung von Arbeitsplätzen zu finden. In Spanien sollen 700 Stellen gestrichen werden.

Wo in Deutschland Stellen gestrichen werden sollen, ist nach Angaben der IG Metall noch unklar. Die Rüstungssparte von Airbus hatte schon im Februar den Abbau von 2300 Stellen beschlossen, gut 800 davon in Deutschland.

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