Die Unersättlichen

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Rückblick auf die vergangene Woche

Die Corona-Krise wird die Welt verändern. Hört man so. Wirklich? Ja, sicher, es wird jetzt abends für Kassiererinnen, Pflegerinnen, Krankenschwestern und LKW-Fahrer geklatscht. Man rückt in der Krise zusammen - wenn auch nicht im wörtlichen Sinne. Schon aus Hygienegründen. Aber das Schlechte ist leider auch nicht aus der Welt. Im Gegenteil. Die finanziellen Hilfsleistungen, die der Staat derzeit über die Wirtschaft und übers Volk ausschüttet, sind ein gefundenes Fressen für Kriminelle. Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen und Berlin können ein Lied davon singen. Kaum waren die Websites zur Beantragung der Soforthilfen für Kleinunternehmer, Freiberufler und Soloselbständige online, standen gut organisierte Cyberkriminelle schon als erste in der Schlange. Man munkelt, dass unter anderem auch staatliche Hacker-Truppen aus China, Russland und Nordkorea dabei gewesen sein sollen. Millionenbeträge wurden innerhalb von wenigen Tagen vom Staat abgegriffen, in Bitcoin getauscht und ins Ausland geschafft. 

Das ist übel. Und vor allem überflüssig. Andere bedienen sich ganz legal aus europäischen oder der deutschen Staatsschatulle. So kam in der vergangenen Woche heraus, dass ein großer Teil des 37 Milliarden schweren europäischen Corona-Hilfspakets "Coronavirus Response Investment Initiative" (CRII) in die Taschen von Viktor Orbán fließt. 5,6 Milliarden Euro sackt Ungarn ein - und das, obwohl das Land bisher kaum unter der Corona-Krise leidet und seit kurzem de facto eine Diktatur ist. Orbán regiert seit dem 13. März per Dekret. Das Parlament nickt nur noch ab. Man kann sich ausrechnen, in welche Taschen die Milliarden aus Brüssel in Ungarn fließen werden. Ach ja: Italien erhält aus Brüssel nicht einmal halb so viel Geld wie Ungarn. Irgendwelche EU-Verteilungsschlüssel, die kein Mensch nachvollziehen kann, sind daran schuld. Es ist absurd.

Man muss aber nicht nach Budapest schauen, um in Gesichter zu sehen, die sich angesichts des scheinbar unerschöpflichen Geldflusses aus der Staatskasse freuen. Auch hierzulande gräbt scheinbar Jeder, wie er kann, an einem Extrakanal, um möglichst viel Bares aufs eigene Feld fließen zu lassen. Jede Branche ist derzeit angeblich systemrelevant und verlangt nach finanziellen Sondertöpfen. Die Lobbyisten liefern sich in Berlin derzeit einen erbitterten Wettstreit um die fettesten Beihilfen. Fluggesellschaften wie die Lufthansa rufen nach Verstaatlichung - aber bitte ohne Mitspracherecht der Geldgeber. Hoteliers und Gastwirte erwarten Zuschüsse und eine Senkung der Mehrwertsteuer für ihr Gewerbe. Bierbrauern wird bundesweit die Biersteuer gestundet. Auch Maschinenbauer und private Radiosender verlangen nach Staatshilfen. Ich auch! Ich auch! Ich auch! Man könnte es die neue MeToo-Debatte nennen. Die Gewerkschaften wiederum entwickeln ausgerechnet in dem Moment, in dem viele Unternehmen ums Überleben kämpfen, ganz eigene Phantasien. Im einstimmigen Chor fordern DGB, Verdi und Co. eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes durch die Arbeitgeber auf mindestens 90 Prozent. Aus Sicht der Gewerkschaften ist das natürlich nur konsequent. Null Arbeit fast bei vollem Lohnausgleich, und der Staat zahlt die Sozialabgaben. Noch nie waren Gewerkschafter ihrem heimlichen Ziel so nah wie jetzt.

Und so kommt es, wie es eigentlich immer kommt: Die Lauten kassieren, die Stillen bezahlen es. Auch nach Corona wird sich daran vermutlich nichts ändern. Wenn es ans Aufräumen geht, werden sich die, die am lautesten nach Staatshilfen gerufen und sich damit die Taschen vollgemacht haben, wohl ganz leise verdrücken. Aber wer weiß. Vielleicht stehen sie dann auch auf dem Balkon und klatschen.

Ausblick auf die Termine in dieser Woche

Am Dienstag veröffentlicht das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung die Konjunkturerwartungen in der Eurozone. Befragt werden dafür institutionelle Anleger. Der Trend war - kaum überraschend - in den vergangenen Wochen eher negativ. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Selten wurde dem sogenannten ZEW-Index als Stimmungsbarometer so viel Bedeutung beigemessen wie derzeit.  

Am Mittwoch veröffentlicht das Office of Federal Reserve Housing Enterprise Oversight den Immobilienpreisindex für die USA. Der Index zeigt, wie sich der Wohnungsmarkt in den USA entwickelt. Es ist ein wichtiger Indikator, denn der Immobilienmarkt ist ein sehr sensibler Faktor der US-Wirtschaft. Kommt die Corona-Krise hier an, wird es brenzlig.

Am Donnerstag zeigt die GfK Verbrauchervertrauensumfrage, wie hoch das Vertrauen der Verbraucher in die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland ist. Zuletzt war der Index deutlich abgesackt. Für Donnerstag wird wieder ein deutlicher Anstieg erwartet - sogar fast auf Vor-Corona-Niveau.

Am Freitag könnte der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex für Aufsehen sorgen. Der Index ist ein Frühindikator für die aktuellen Bedingungen und die Geschäftserwartungen in Deutschland. Die Stimmung der Manager in den mehr als 7.000 befragten Unternehmen gilt derzeit als vorsichtig optimistisch.

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