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Gefährlicher Strudel! Doch wie tief ist das Wasser?

Holger Scholze

Es war nur ein kurzes Aufatmen Die vorsichtige Freude über die angekündigte, einseitige Waffenruhe und den Abzug der israelischen Truppen aus dem Gaza-Streifen hielt leider nur kurz an. Und dabei war dies zumindest schon einmal der Anlass für eine kleine neue Hoffnung auf eine gewisse Entspannung des zuweilen sehr undurchsichtigen Konflikts im Nahen Osten, der sich über den Sechstagekrieg 1967 und die Suezkrise 1956 bis zum Israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 und darüber hinaus zurückverfolgen lässt. Ob es in der Region tatsächlich eines Tages zu einer geschickten diplomatischen Lösung kommen kann, bei der alle beteiligten Seiten ihr Gesicht waren können, wird die Zeit zeigen. Aus menschlicher Sicht sind jedenfalls derartige kriegerische Auseinandersetzungen einfach nur entsetzlich. Und - da dies ja hier unser Thema ist - an den Finanzmärkten sorgen sie obendrein für große Verunsicherung. Und als ob die geopolitische Situation durch dieses Thema und durch die heftigen Kämpfe zwischen Extremisten der sunnitischen Bewegung „Islamischer Staat“ und den Kurden im Nordirak nicht schon angespannt genug wäre, kehrt nun auch noch die Ukraine-Krise mit voller Wucht in den Fokus der Börsianer zurück. Das alles ist wahrlich nur schwer zu ertragen. Furcht vor einer Eskalation der Ukraine-Krise
In Europa ist die Angst vor einer Verschärfung der Ukraine-Krise in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Durch den Aufmarsch von rund 20.000 kampfbereiten russischen Soldaten im Grenzgebiet sorgt sich die NATO davor, dass Russland unter dem Vorwand eines humanitären oder friedenssichernden Einsatzes Truppen in das Nachbarland entsenden könnte. Zumal seit Beginn des Monats auch Panzer, Infanterie, Artillerie, Luftabwehrsysteme sowie logistische Unterstützung in der Region zusammengezogen wurden. Auch Polens Miniosterpräsident Donald Tusk erkannte, dass die Gefahr einer direkten Intervention Russlands in der Ost-Ukraine stark gestiegen sei. Doch will der russische Präsident Wladimir Putin seine Truppen tatsächlich in die Ukraine einmarschieren lassen oder soll die ganze Aktion nur neuen Druck aufbauen? Schließlich hatte er bereits am Dienstag seine Regierung angewiesen, Vergeltungsmaßnahmen für die jüngsten Wirtschaftssanktionen des Westens gegen sein Land vorzubereiten. Natürlich dürften einheimische Produzenten und Verbraucher davon nicht belastet werden. Denkbar wäre hier aber zum Beispiel eine Beschneidung oder Zurücknahme der Überflugrechte für Europäische Fluggesellschaften über Sibirien. Dies würde natürlich die Kosten für Flüge nach Asien in die Höhe treiben. Die Aktien der Airlines reagierten jedenfalls bereits mit deutlichen Abschlägen von nochmals mehr als drei Prozent. Aber auch die Kurse an der Moskauer Börse tendierten schwächer. Der russische Leitindex fiel auf den niedrigsten Stand seit Anfang Mai. Und der Rubel rutschte auf ein Viereinhalb-Monats-Tief. Wirtschaftsklima verschlechtert sich
Eine Folge der genannten Spannungen spürte nun auch das ifo-Institut bei seiner aktuellen Umfrage. Demnach hat sich das Wirtschaftsklima im Euro-Raum erstmals seit Ende 2012 verschlechtert. Die befragten Ökonomen befürchten in den kommenden sechs Monaten steigende Energiepreise und Einschränkungen beim Export durch den Ukraine-Konflikt. Überraschenderweise musste zuletzt sogar die deutsche Industrie einen Auftragsrückgang von 3,2 Prozent hinnehmen. Und Italien ist inzwischen wieder in die Rezession gerutscht. Nach einem schwächeren Jahresauftakt schrumpfte das dortige Bruttoinlandsproduktes im zweiten Quartal um 0,2 Prozent. Korrektur am Aktienmarkt hält an
Es ist also kein Wunder, dass auch der DAX zuletzt deutlich nachgab und sich nun sogar der psychologisch wichtigen Marke von 9.000 Punkten annähert. Zusätzlicher Druck kam durch den Abzug ausländischen Kapitals aus dem Euro-Raum und damit auch aus deutschen Aktien auf. Vor diesem Zusammenhang hatte ich hier bereits vor einigen Wochen hingewiesen. Kommt es noch schlimmer?
Wie weit die Kurse in der laufenden Korrektur nach unten gezogen werden, kann wohl niemand mit Bestimmtheit vorhersehen. Selbst für die Charttechniker wird es schwierig, da der DAX, der TecDAX sowie der SDAX ihre 200-Tage-Linien gerissen haben und der MDAX sogar unter sein bisheriges Jahrestief abgerutscht ist. Ich bleibe dabei, eine solche Korrektur ist durchaus normal und für die langfristige Entwicklung des Marktes sogar gesund. Für einen deutlich weitergehenden Absturz gibt es aus meiner Sicht jedoch keine einleuchtenden Gründe. Die aktuellen Verkäufe sind von der oben beschriebenen Angst getrieben. Und dies ist durchaus nachvollziehbar. Denn für jeden Investor steht natürlich die Minimierung des eigenen Risikos im Vordergrund. Entscheidend wird am Ende sein, wie stark die deutsche Wirtschaft durch die russischen Maßnahmen getroffen wird. Dabei stehen natürlich die Erdgas-Lieferungen ganz besonders im Fokus. Wo ist der neue Boden?
Jetzt heißt es, einen kühlen Kopf zu bewahren! Überstürzte Verkäufe könnten sich als großer Fehler herausstellen. Besser wäre es, die Stabilisierung des Marktes abzuwarten. Ich habe den Eindruck, dass hierfür schon ein einziger überzeugender Impuls ausreichen könnte. Ein neuer Boden, der die Basis für spätere, deutliche Kursanstiege bilden dürfte, wird sich allerdings nicht innerhalb weniger Tage herausbilden können. Auch deshalb nicht, weil wir uns gerade in den traditionell etwas umsatzschwächeren Sommermonaten befinden. Aber möglicherweise wird der Anfang der von mir erwarteten Stabilisierung bald gelegt. Achten Sie auf die EZB!
Eine Schlüsselrolle könnte hierbei erneut die Europäische Zentralbank (EZB) einnehmen. Am heutigen Donnerstag steht um 13:45 Uhr die nächste Zinsentscheidung auf dem Programm. Mit einer Veränderung des Leitzinses ist diesmal zwar nicht zu rechnen, aber möglicherweise wird EZB-Präsident Mario Draghi ja auch andere Maßnahmen verkünden und diese in der Pressekonferenz ab 14:30 Uhr näher erläutern. So wäre zum Beispiel ein großangelegtes Wertpapierkaufprogramm nach amerikanischem Vorbild (QE) durchaus denkbar... Schauen wir mal! Ihr Holger Scholze

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.

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Expertenprofil
Holger Scholze Holger Scholze TV-Börsen­korrespondent & Moderator

Holger Scholze ist freiberuflicher TV-Börsenkorrespondent & Moderator. Er pendelt seit März 2002 regelmäßig zwischen seinem Lebensmittelpunkt Dresden und dem Finanzplatz Stuttgart, um von dort live für den Nachrichtensender n-tv sowie Börse Stuttgart TV zu berichten. Die jeweils aktuelle Marktsituation analysiert Holger Scholze aber auch in Schalten mit dem Deutschen Anleger Fernsehen oder diversen Radiostationen.

Darüber hinaus hält er Vorträge und schreibt für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Internetdienste Artikel zu den Themenschwerpunkten Wirtschaft und Börse. So gehört Holger Scholze seit dem Sommer 2013 auch zu den fünf „OnVista-Kolumnisten“. Auch bei Podiumsdiskussionen oder Gesprächsrunden führt er regelmäßig durchs Programm. Zudem ist Holger Scholze bei ausgewählten Veranstaltungen oder Gala-Abenden als Moderator anzutreffen.

Holger Scholze engagierte sich bereits während seines BWL-Studiums ab 1996 in der Interessengemeinschaft Börse an der TU Dresden, war dort auch Vorstandsvorsitzender sowie Beirat und ist seit 2007 Ehrenmitglied des Vereins.
Von 1997 bis 2002 arbeitete er in der Projektleitung des damals in ganz Deutschland simultan stattfindenden Aktionstag Börse International und hatte maßgeblichen Anteil am Erfolg dieser Großveranstaltungen. 1999 und 2000 war Holger Scholze im Vorstand des Bundesverbandes der Börsenvereine an deutschen Hochschulen und später in dessen Beirat tätig. Noch heute unterstützt er tatkräftig die Arbeit der größten nichtpolitischen Studenteninitiative Deutschlands.
Außerdem konnte Holger Scholze in der Wertpapierabteilung und im Private Banking der HypoVereinsbank, im Fondsmanagement der Activest Luxembourg und durch weitere Tätigkeiten bei renommierten Gesellschaften im In- und Ausland vielfältige Erfahrungen sammeln.

Holger Scholze

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