Goldhausse kann noch lange weitergehen

Stefan Riße

Wann immer ich mich hier zum Thema Gold geäußert habe, hatte es vor allem langfristig betrachtet einen positiven Tenor. Dabei bin ich kein Goldanbeter, kein Crashprophet, der nur in Sachwerten wie Gold einen wahren Wert erkennt. Im Gegenteil, richtig sympathisch ist mir die Geldanlage in Edelmetallen nicht. Denn wer es tut, investiert sein Geld in totes Metall. Gold produziert nichts und deshalb wirft es auch keine Rendite ab.

Auch das Orakel aus Omaha hat investiert

Investmentlegende Warren Buffett war nie ein Freund des Goldes. Die oben von mir angeführten Argumente gegen Edelmetalle sind auch die seinen. Und auch mein Börsenziehvater, der 1999 verstorbene André Kostolany, sah das genauso. Buffett erzählte mal eine lustige Geschichte: „Wenn es Außerirdische geben sollte, die so gute Fernrohre haben, dass sie uns Menschen auf der Erde beobachten können, dann werden sie viele rationale und gute Dinge sehen, die wir tun. Aber bei einer Sache würden sie wohl mit dem Kopf schütteln. Denn wir Menschen graben tiefe Löcher in die Erde, um in Staubform da so etwas Gelbglänzendes heraus zu holen. Dann schmelzen wir es ein in Barren und Münzen, graben wieder Löcher in die Erde, um es dort hinein zu bringen und dann für viel Geld von Leuten bewachen zu lassen.“ Frage: Ist hier ein Mehrwert für die Menschheit entstanden? Die Antwort ist einfach: Nein. Dennoch hat Buffett jetzt mittelbar in Gold investiert. Die Renditelosigkeit des Goldes umgeht er, indem er nicht in physisches Gold investiert, sondern in die Goldminengesellschaft Barrick Gold. Die erwirtschaftet durch die Exploration von Gold ja Dividenden, die er dann wieder anlegen kann. Denn Buffetts wichtigste Erkenntnis ist wohl die, dass nichts so kraftvoll für die Vermögensvermehrung ist wie der Zinseszins, also die Wiederanlage von Erträgen. Das lässt sich natürlich auch auf Dividenden übertragen.

Goldanleger brauchten einen langen Atem

Schon seit vielen Jahren setze ich auf einen steigenden Goldpreis. Die Leser meiner Kolumnen wissen das. Das war bis 2011, als die Feinunze Gold mit gut 1.900 US-Dollar neue Rekorde erreicht, auch sehr ertragreich. Doch fast neun Jahre hat es nun gedauert, bis der Goldpreis dieses Niveau wieder erreicht hat. Damals inmitten der Eurokrise gab es eine wahre Goldeuphorie, die dann - wie es immer ist - zunächst einmal von fallenden Kursen abgelöst wurde. Doch trotz der neuen Rekordkurse könnte die Goldrallye weiterlaufen. Denn der Haupttreiber für den Goldpreis ist der Realzins, also die Zinsen minus Inflation. Und die sind nun auch in den USA aufgrund des starken Rückgangs der zehnjährigen Renditen deutlich negativ geworden. Die fehlende Verzinsung des Goldes und damit sein größter Nachteil sind in dieser Situation nicht mehr vorhanden. Da mit Zinsanhebungen kaum zu rechnen ist und die massiven Anleihekäufe der Notenbanken auch den langfristigen Zins unten halten werden, spricht auch in Zukunft vieles fürs Gold. Denn im Unterschied zum unendlich vermehrbaren Geld, dass derzeit auch stark vermehrt wird, ist die Menge allen Goldes überschaubar und nie so stark zu steigern wie die des Papiergeldes momentan. Das spricht auf jeden Fall für eine Depotbeimischung des Edelmetalls entweder direkt oder von Goldminenaktien.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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03.12.2021, 22:59, Deutsche Bank Indikation
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