Handelsstreit: China bezichtigt die USA einen neuen „Kalten Krieg“ anfangen zu wollen – „Das heutige China ist nicht die ehemalige Sowjetunion“

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Handelsstreit: China bezichtigt die USA einen neuen „Kalten Krieg“ anfangen zu wollen – „Das heutige China ist nicht die ehemalige Sowjetunion“

Die Corona-Krise hat als Jahrhundert-Ereignis seit ihrem Ausbruch sämtliche Aufmerksamkeit auch innerhalb der Finanzwelt auf sich gezogen, da die Wirtschaft durch sie unter extremer Belastung steht. Doch nur weil die Krise weiterhin wütet, heißt das nicht, dass die vorherigen Probleme aus der Welt sind, im Gegenteil, vor allem der Handelsstreit zwischen den USA und China hat in den letzten Wochen wieder deutlich an Fahrt aufgenommen.

Die wachsenden Spannungen in Hongkong sind in der Einführung des neuen Sicherheitsgesetzes durch die chinesische Regierung gegipfelt und haben die USA dazu veranlasst, der Stadt ihren Sonderstatus für den internationalen Handel abzuerkennen. Hinzu kommt, dass neben Huawei, das bereits seit einigen Monaten im Fadenkreuz der USA steht, nun auch die in den letzten Wochen einen weltweiten Siegeszug angetretene App Tiktok in das Visier der USA geraten ist. Zuletzt gab es Berichte darüber, dass Microsoft den Erwerb der internationalen Geschäfte der App plant. Der App wird vorgeworfen, enorme Sicherheitslücken aufzuweisen und dass private Daten der Nutzer nach China fließen würden.

China bezichtigt die USA, einen neuen Kalten Krieg zu entfachen

Wang Yi, Chinas Außenminister, hatte jüngst mit Äußerungen in einem Interview mit den staatlichen Medien Xinhua News Agency für Aufsehen gesorgt und den USA unterstellt, einen neuen Kalten Krieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt entfachen zu wollen.

„Das heutige China ist nicht die ehemalige Sowjetunion“, wird er in einer übersetzen Version des US-Nachrichtendienstes CNBC zittiert. Er fügte hinzu, dass sein Land „nicht die Absicht habe, die neuen Vereinigten Staaten zu werden“. Wir haben nicht die Absicht, die neuen USA zu werden. China exportiert keine Ideologie und mischt sich niemals in die inneren Angelegenheiten anderer Länder ein “, sagte er.

In der jüngeren Vergangenheit haben amerikanische Politiker immer wieder Chinas Vorgehensweise kritisiert und gewarnt, dass China die USA als dominierende Macht auf dem Planeten ersetzen wollen. Zudem sind die wirtschaftlichen Praktiken Chinas den Amerikanern schon lange Zeit ein Dorn im Auge. Der Vorwurf ist vor allem der illegale Technologietransfer von amerikanischen Unternehmen hin zum chinesischen Markt. Aufgrund dessen hatte US-Präsident Donald Trump den Handelsstreit 2018 erstmals eskalieren lassen und eine Reihe von gegenseitigen Zollerhebungen ins Rollen gebracht. China weist diese Vorwürfe immer wieder von sich und stellt sich in der eigenen Kommunikation als Opfer der USA dar, im krassen Gegensatz zu der eher aggressiven Kommunikationsart Donald Trumps, aber auch anderer amerikanischer Sprecher wie beispielsweise US-Außenminister Mike Pompeo.

China macht zudem den Gegenvorwurf, dass die USA aktiv versuchen würden, den Aufstieg des Landes im globalen wirtschaftlichen Bereich zu verhindern. Im Endeffekt ist der Konflikt zwischen den beiden wirtschaftlichen Großmächten unausweichlich, da einerseits die USA als größte Volkswirtschaft der Welt diesen Status auf keinen Fall verlieren wollen. Auch aus dem Grund, da ein Großteil der amerikanischen Politik auf diesem Stützpfeiler beruht. Das große US-Haushaltsbilanzdefizit lässt sich beispielsweise nur mit dem Dollar als Weltleitwährung ohne Gefahr realisieren. Andererseits strebt China wirtschaftlich weiter vorwärts und hat vor ein paar Jahren nach langer Zeit des Schweigens klar deklariert, einen führenden Platz in der weltweiten Gemeinschaft einnehmen zu wollen.

China ist auch kein unschuldiges Opfer

Die Gangart Trumps gegenüber China mag zwar aufgrund der –  für einen Politiker teilweise äußerst unschicklichen – Art und Weise diskutabel sein, im Kern sind viele Vorwürfe der USA jedoch plausibel. Die Vorwürfe des illegalen Technologietransfers kommen nicht nur von amerikanischer Seite, dies ist ein Umstand für den China schon lange kritisiert wird. Auch die politischen und wirtschaftlichen Aktivitäten Chinas auf der ganzen Welt sind in Teilen fragwürdig und passen bei einer genaueren Betrachtung nicht mit der Aussage des Außenministers zusammen, dass Chinas sich nicht in die Angelegenheiten anderer Länder einmischen würde.

Das Projekt „Neue Seidenstraße“ bei dem auf der ganzen Welt neue – von China mittels vergebenen Krediten finanzierte – Infrastrukturprogramme ins Leben gerufen werden, hat viele Partnerländer, vor allem in Asien, in eine politische Abhängigkeit gegenüber China getrieben. Auch Chinas Engagement in Afrika dient nicht nur rein wirtschaftlichen Zwecken, sondern ist gleichzeitig ein Ausbau des geopolitischen Einflusses auf der ganzen Welt.

Die Aktienmärkte blenden das Thema derzeit noch aus

Als der Konflikt zwischen den beiden Großmächten das letzte Mal im Sommer 2019 so richtig eskaliert ist, hat das für enorme Verwerfungen an den Märkten gesorgt. Zum Ende des Jahres hin hatte sich die Lage dann wieder etwas beruhigt und der anschließende Ausbruch des Coronavirus hat beide Länder komplett in den Bann geschlagen.

Daher blenden auch die Aktienmärkte derzeit noch das Thema Handelskrieg aus, zu allumfassend sind bisher noch die Auswirkungen durch die Krise. Die massiven fiskalischen Interventionen der Staaten und Notenbanken sorgen zudem für eine zusätzliche, starke Unterstützung der Märkte. Allerdings wird das Virus nicht ewig das beherrschende Thema an den Märkten bleiben. Der Handelskrieg zwischen den USA und China ist höchstens pausiert, jedoch noch lange nicht zu ende. Wahrscheinlich wird dieser Konflikt aufgrund seiner Tragweite und Komplexität – denn es geht wie gesagt um das Ringen darum, wer zukünftig die wirtschaftliche Nummer eins auf dem Planeten sein soll – die Welt noch sehr viel länger beschäftigen als sogar eine Pandemie von der Größenordnung des Coronavirus.

Von Alexander Mayer

Titelfoto: Tomasz Makowski / Shutterstock.com

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