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Hurra! Deutschland verliert an Wettbewerbsfähigkeit!

Stefan Riße
Hurra! Deutschland verliert an Wettbewerbsfähigkeit!

Der Euro kam zu früh. So viel lässt sich heute sicher sagen. Auch die Befürworter der gemeinsamen Währung, zu denen ich im Herzen zähle, werden dies nach den schwierigen Jahren seit der Finanzkrise heute einsehen. Viel zu unhomogen waren die Länder, die sich hier zu einer Währungsunion zusammenschlossen. Erst hätte die Wirtschafts- und Finanzunion kommen müssen, und dann die Währungsunion. Denn das Problem lag in den unterschiedlichen Teuerungsraten der jeweiligen Länder. Die Peripherie-Länder hatten vor Einführung des Euros stets höre Inflationsraten. So verloren sie gegenüber Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit, konnten dies aber durch die Abwertung ihrer Währungen immer wieder ausgleichen. Diese Möglichkeit war Ihnen ab der Einführung des Euros versperrt. Die Inflationsraten aber blieben höher als in Deutschland, letztendlich nach Einführung des Euros auch getrieben durch den Immobilienboom in vielen Ländern. Dieser war entstanden und angeheizt worden durch die tiefen Zinsen, die diese Länder durch die Währungsunion importierten. Denn mit Deutschland als wichtigster Ankerwährung des Euros war das deutsche Zinsniveau quasi übernommen worden. So verloren die Peripherie, aber auch Länder wie Irland, über die Jahre an Wettbewerbsfähigkeit. Durch den immobilienbedingt stattfindenden Wirtschaftsaufschwung wurden diese Probleme aber zunächst überdeckt.

Deflation statt Abwertung

Im gemeinsamen Währungsraum bleibt zur Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit am Ende nur das Mittel der Deflation. Ganz konkret bedeutet dies, dass die Länder, die höhere Inflationsraten hatten und an Wettbewerbsfähigkeit verloren haben, nun geringere Inflationsraten haben müssen, damit sie wieder wettbewerbsfähig werden können. Wie wir an Ländern wie Griechenland, Irland aber auch Italien erkennen, ist dies ein schwieriger Prozess. Soll die Währungsunion Bestand haben, ist es jedoch die einzige Möglichkeit.

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Hoffnung für die Eurozone

Seit der Eurokrise war deshalb die alles entscheidende Frage, ob es gelingt, dass die Peripherieländer in der beschriebenen Weise wieder ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückerlangen. Dazu gab es in dieser Woche eine Meldung, die fast unterging. Denn laut Berechnungen der Bundesbank haben Griechenland, Spanien und auch Irland Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Deutschland gewonnen. Konkret hat Deutschland nämlich 5,5 Prozent Wettbewerbsfähigkeit gegenüber seinen anderen Handelspartnern in der EU verloren. Das hört sich aus deutscher Sicht erst mal negativ an, ist es aber nicht. Denn was wäre die Alternative? Hätte Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit noch weiter ausgebaut, wäre die Währungsunion nur noch durch permanente Transferleistungen in Richtung Süden aufrecht zu erhalten. Und da auch die Länder mit den bisherigen Wettbewerbsnachteilen sicher noch nicht über den Berg sind, gibt es Anlass zur Hoffnung, dass die Währungsunion vielleicht doch überleben wird. Aus dieser Sicht bleibt Italien derzeit das größte Sorgenkind. Nicht wegen der viel diskutierten Schulden, sondern eben wegen der Wettbewerbsfähigkeit.

Ex-US-Notenbankchef Alan Greenspan oder auch Hedgefonds-Legende George Soros haben als prominente Auguren dem Euro ja den Untergang prophezeit, sie könnten sich vielleicht doch irren. Zu hoffen wäre es, denn ein Auseinanderbrechen der Währungsunion würde unglaubliche Verwerfungen mit sich bringen. Ganz großer Verlierer wäre Deutschland durch eine dann neu eingeführte massiv aufwertende D-Mark.

Foto: PhotoMediaGroup / Shutterstock.com

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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