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Kutzers Zwischenruf: Die Anleger selbst müssen „Botschafter der Aktie“ werden!

Hermann Kutzer

Kritik am deutschen Rentensystem und die Forderung nach Förderung der Aktienanlage sind seit langem in der Diskussion von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Entscheidend vorangekommen ist man allerdings nicht. Deshalb bin ich am Freitag während der Schlussdiskussion zum Bundeshaushalt 2020 hellhörig geworden, als es in Verbindung mit Kritik an der EZB in den Bundestag schallte: Die Politik muss aktiv werden, muss Aktien und Investmentfonds für die Altersvorsorge begünstigen. Wir brauchen ein Land der Aktionäre, der Eigentümer. Das wäre auch gut für das Investitionsklima in der Wirtschaft. Leider kamen diese Sätze nicht aus dem Lager der GroKo. Wahrscheinlich könnten uns die Betroffenen selbst ein Stück weiter bringen - Privatanleger als Vorbilder, die mit ihren positiven Erfahrungen aktiv für die Aktie werben.

Gerade jetzt gibt es neue negative Schlagzeilen von neutraler Seite zu diesem Dauerbrenner: Die sich wandelnde Arbeitswelt stellt auch die Alterssicherung vor neue Herausforderungen. Eine OECD-Studie vergleicht auf Basis standardisierter Indikatoren die Rentensysteme der Industrieländer und untersucht, wie Regierungen eine adäquate Absicherung aller Bevölkerungsteile erzielen können. Die aktuelle Ausgabe befasst sich insbesondere mit der Alterssicherung von Selbstständigen und anderen atypisch Beschäftigten. Für uns kommt die Studie zu miserablen Ergebnissen: Deutschland ist eines der wenigen OECD-Länder, das keine obligatorische Rentenversicherung für alle Selbständigen hat. Einige Gruppen von Selbständigen sind in berufsständischen Systemen versichert, allerdings ist die Alterssicherung für Selbständige insgesamt lückenhaft. Auch für die wachsende Zahl an Arbeitnehmern, die neue Formen der Arbeit z.B. über Plattformen ausüben, sind aufgrund mangelnder Absicherung und niedriger Beiträge die Rentenaussichten düster.

Gleichzeitig zeigt unsere Investmentcommunity ihre Muskeln in einer selbstbewussten Stellungnahme: Die Fondswirtschaft spielt in der Altersvorsorge eine bedeutende Rolle. Die Bürger sorgen für die Rente zwar meist über Lebensversicherungen oder über ihre Betriebsrente vor, indirekt sind sie aber in Fonds investiert. Ein Großteil der Altersvorsorge steckt in Spezialfonds und Publikumsfonds. Laut einer Umfrage des Fondsverbands BVI verwalteten die Gesellschaften zur Jahresmitte 2019 rund 1.440 Milliarden Euro für Altersvorsorgezwecke. Dies entspricht 45 Prozent des verwalteten Gesamtvermögens der Fondsbranche. Im Vergleich zur Jahresmitte 2017 ist das ein Zuwachs um 280 Milliarden Euro.

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Es gibt neben der Altersvorsorge ein zweites aktuelles Thema, dass für die Förderung der Aktie (und gegen deren steuerliche Diskriminierung) spricht: Weniger CO2-Emissionen dank gut entwickelter Aktienmärkte. Wer hätte das gedacht. Eine Studie der

Europäischen Zentralbank (EZB) kommt nämlich zu einem überraschenden Ergebnis: Gut entwickelte Aktienmärkte können helfen, den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß einer Volkswirtschaft zu verringern. Denn Aktienmärkte seien besser als Banken darin, Investitionen in umweltfreundliche oder „grüne“ Bereiche zu lenken. Die Autoren sprechen die Empfehlung aus, dass Ländern mit stark bankbasierten Finanzsystemen und dem Ziel einer umweltfreundlichen Politik nicht nur auf neuartige Anlageformen wie Green Bonds setzen sollten. Vielmehr sollte auch die Entwicklung des Aktienmarkts vorangetrieben werden, um umweltfreundliche Innovationen zu fördern.

Altersvorsorge und Klimaschutz - zwei zentrale Themen unserer Zeit, ein Ziel: Die Förderung des Aktienmarkts, der jedermann die Möglichkeit eröffnet, sich wertsteigernd am Produktivkapital der Wirtschaft zu beteiligen. Deshalb erinnere ich gerade jetzt an meinen Appell an alle Aktienfans, sich aktiv als „Botschafter der Aktie“ (früher sprach ich von „Missionaren der Aktie“) zu engagieren. Das heißt, geschätzte Leser: Werben Sie im Kreis von Verwandten, Freunden und Bekannten bei passender Gelegenheit mit Ihren Erfahrungen für die langfristige Aktienanlage! Indirekt tun Sie sich und anderen damit einen Gefallen.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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