Kutzers Zwischenruf: Noch keine good News – trotzdem haben Anleger Nach-Virus-Hoffnungen

Hermann Kutzer

Ist das Schlimmste bereits überstanden? Die Aktienmärkte sind im Erholungsmodus. Und es gibt auch ein paar positive Konjunkturmeldungen, insbesondere aus den USA. Zweifelhaft bleibt dennoch die Nachhaltigkeit des jüngsten Kursanstiegs. Aufatmen können eigentlich nur die kurzfristigen Spekulanten, die von der Markttechnik ermutigt und aktiv wurden, als der Dax unerwartet unter die lange stabile Marke bei 13.150 und dann gleich sogar unter 13.000 Punkte abrutschte. Ein Niveau geeignet für Anleger, die auf eine absehbare deutliche Erholung setzen wollen, weil sie den Virus nicht dauerhaft fürchten.

Damit sehen bullisch eingestellten Investoren immer noch Chancen für eine allmähliche Wiederbelebung der Weltwirtschaft im Jahresverlauf. Allerdings mehren sich mit der Ausbreitung des Virus und bereits erkennen Schäden für die Entwicklung der Wirtschaft auch Zweifel. Kann der Dax sein von prominenten Propheten angepeiltes Ziel für 2020 dennoch erreichen? Noch brauchen 15.000 bis 16.000 nicht ad acta gelegt zu werden.  Für eine endgültige Entwarnung sind aber Kurse oberhalb der 13.150er Marke nötig. Erst wenn das nachhaltig gelingt, wäre die Rückkehr in den jüngst verlassenen Aufwärtsmodus wieder geglückt.

Deshalb ist es interessant zu sehen, was die vorhin vorgelegte erste Umfrage der Verhaltensforscher von Sentix ergeben hat. Deren Urteil: Wir können natürlich nicht wissen, wie sich das Coronavirus weiterentwickelt. Aus der Erfahrung mit früheren Pandemien lässt sich aber erkennen, dass solche Ereignisse - so kritisch und schwierig sie für die unmittelbar Betroffenen sind - in der Regel den grundsätzlichen Pfad der Börse nicht verändern. So scheinen auch die befragten Investoren zurzeit die Lage einzuschätzen. Denn an der mittelfristigen Grundüberzeugung zu Aktien hat sich nicht nur nichts geändert, diese ist sogar gewachsen. Bemerkenswert, wie ich meine. Das Kalkül der Anleger scheint simpel: Sobald das Virus erfolgreich eingedämmt ist, laufen die Geschäfte wieder normal, Rückstände in der Produktion werden zumindest teilweise aufgeholt werden und die Zentralbanken, vor allem in China schon eingeleitet, dürften die Wirtschaft mit Krediterleichterungen stützen.

Für Anleger also auch eine Chance in der Krise, besser: eine Chance, aus der Krise herauszukommen. Kurzfristig herrscht aber noch beträchtliche Angst vor einer weiteren Eskalation der Lage - kein Wunder, wenn man den aktuellen Newsflow beachtet. Vermutlich müssen wir noch einige Zeit warten (vielleicht ein bis zwei Wochen?), bis die Neuerkrankungszahlen spürbar zurückgehen.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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