Kutzers Zwischenruf: Wall Street jetzt eine Chance für Spekulanten

Hermann Kutzer

Stabilisierung - Erholung - Aufatmen? Eines ist sicher: Es gibt jetzt neben den Katastrophenmeldungen auch erste Signale der Hoffnung. Mehr aber noch nicht. Immerhin können mutige Anleger darüber nachdenken, sich neu zu engagieren. Zwei Entwicklungen reizen die im Herzen stets optimistischen Börsianer: Entspannung im chinesischen Coronavirus-Zentrum und Abflachung der Infektionskurve bei uns sowie unglaublich umfangreiche Liquiditätshilfen von Regierungen und Notenbanken. Im zerstrittenen Trump-land funktioniert das Krisenmanagement noch nicht wie in Mitteleuropa. Dennoch geben sich Wall-Street-Strategen zunehmend bullisch. Trotz der herben Verluste und deprimierenden Gewinnschätzungen erwarten sie eine fulminante Kurserholung im Jahresverlauf mit Jahresendzielen für den S&P 500 von 2.700 Punkten aufwärts oder mindestens 20 Prozent Kurspotenzial. Dazu Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank: „Hintergrund ist eine prognostizierte Erholung der Unternehmensgewinne im Jahr 2021, die Ende 2020/Anfang 2021 die fundamentale Grundlage für die Bewertung und das Kursniveau am Aktienmarkt sein werden.“ Natürlich müssen für diese mittelfristig guten Aussichten gewisse Bedingungen erfüllt sein - vor allem muss die Pandemie unter Kontrolle gebracht werden.

Nichts ist unmöglich. Doch warnt mich mein Bauchgefühl, denn niemand (wo auch immer) kann den Faktor Zeit auch nur einigermaßen genau abschätzen. Deshalb ist es zu früh, als „normaler“ Privatanleger schon jetzt großartig auf das Prinzip Hoffnung zu setzen. Denn das vielzitierte fallende Messer (= Kurse), in das man nicht greifen sollte, kann schlimmstenfalls noch viel tiefer fallen!

Kombiniert man jedoch mein „Drei-Töpfe-Management“ mit dem „Bisschen-Ansatz“, kann daraus eine prickelnde Spekulation werden. Mutige Aktienfans können aus ihrem dritten, dem spekulativen Topf (= separates Depot,) und/oder aus ihrer Liquidität amerikanische Titel oder Indizes kaufen, ohne ihre Anlagestrategie grundsätzlich zu verändern und die Vorsicht schon aufzugeben. Trump & Co. muss und wird’s in den nächsten Tagen kapieren und der US-Wirtschaft Gas geben - sonst wird er die Wahl im November nicht gewinnen. Wie gesagt: Erst einmal nur eine spekulative Möglichkeit für besonders Mutige, keine allgemeine Anlageempfehlung.

Viel wichtiger ist: Tun Sie alles, geschätzte Anleger, um gesund zu bleiben!

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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08.04.2020, 23:06, außerbörslich

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