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Lehman Brothers und ein Rockstar – steht der große Crash schon vor der Haustür?

Fool.de

Am 15. September konnte die Finanzwelt ein trauriges Jubiläum feiern: den zehnten Jahrestag der Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers. Das war der Höhepunkt der Hypothekenkrise 2008 und führte zu einem weltweiten heftigen Rückgang der Aktienkurse.

Lehman Brothers und ein Rockstar – steht der große Crash schon vor der Haustür?

So stand der DAX am 12. September 2008 (dem Freitag vor der Lehman-Pleite) bei 6.234,89 Punkten. Bis zum Tiefststand von 3.588,89 Punkten am 9. März 2009 verlor der deutsche Leitindex 42 % - ein Crash wie aus dem Bilderbuch.

Natürlich wurde in den Medien viel über diesen Jahrestag berichtet und immer wieder auf die aktuelle Situation am Aktienmarkt verwiesen. Mehr als ein Experte warnte vor den hohen Bewertungen und dass die Gefahr eines erneuten Crashs sehr groß sei.

Und dann gab es da noch jemanden, der sich in der Woche zu Wort meldete:

Rockstar (!) und Börsenguru (?)

Die Popgruppe Kiss war in den achtziger Jahren sehr erfolgreich und provozierte durch die weiß geschminkten Gesichter ihrer Mitglieder. Der Leadsänger der Band ist Gene Simmons, der vor zwei Wochen mit dieser Aussage Schlagzeilen machte:

Rock-Legende Gene Simmons: Der Markt wird fallen

Damit der geneigte Leser nicht sofort wegklickt, fehlte natürlich nicht der Hinweis darauf, dass Simmons schon 2009 am Tiefpunkt zum Aktienkauf geraten habe - also quasi ein Börsenexperte sei.

Nun gebe ich auf derartige Artikel im Regelfall nicht viel, weil niemand die kurzfristige Entwicklung der Börsenkurse vorhersagen kann. In dem Interview relativiert Simmons seine eigene Aussage auch gleich wieder, sodass er am Ende bei jedem Ausgang sagen kann, er habe das so vorhergesehen. Im Übrigen rechnet er mit einem Rückgang beim Dow um 1.100 bis 1.200 Punkte - beim aktuellen Stand von 26.733,32 Punkten (21.09.) sind das gute 4 %. Ein Crash sieht für mich anders aus …

Aber es gibt doch so viele Schlagzeilen über den Crash!

Das stimmt. Wenn du bei Google etwa die Begriffe „Experte Crash“ eingibst, bekommst du eine halbe Million Ergebnisse. Viele davon sind schon älter und zeigen, dass diese Experten alle falsch gelegen haben.

Wichtig für dich ist dabei, im Hinterkopf zu behalten, dass sich Schlagzeilen mit dem Reizwort „Crash“ unter Börsianern besonders gut verkaufen. Letztlich bin ich so auch auf den Artikel über Gene Simmons gestoßen; doch der Erkenntnisgewinn aus diesen Zeilen ist sehr übersichtlich.

Also ist alles wieder gut?

So einfach ist es leider doch nicht. Niemand kann bestreiten, dass die Aktienkurse sehr hoch sind, in den USA sogar auf Rekordniveau. Viele angesehene Experten kommen mit ausgewählten Indikatoren, nach denen der Markt noch teurer sei als vor den Abstürzen 2000 und 2008/9.

Das alles ist richtig und Foolishe Anleger wissen ja auch, dass es irgendwann einen Crash geben muss, denn starke Kurseinbrüche gehören zum Geschäft des Aktieninvestors dazu.

Wann geht’s denn nun bergab?

Diese Frage kann ich natürlich auch nicht beantworten. Ich habe aber den Eindruck, dass wir nicht unmittelbar vor dem großen Kursrutsch stehen. Vielmehr wird schon seit längerem jeder Rückgang genutzt, um günstiger einzusteigen.

Vor allem aber fehlt mir eine Sache, die wir 2000 und 2008 gesehen haben: eine unfassbare Euphorie. Vor 18 Jahren war das Internet die Verheißung, die alles verändern würde, und Unternehmen ohne jeden Umsatz wurden mit Milliarden von Dollar bewertet. Die große Finanzkrise wurde auch dadurch ausgelöst, dass sich nun endlich jeder Amerikaner sein eigenes Haus leisten konnte, das für alle Zeiten nur noch im Wert steigen konnte.

Diese Begeisterung fehlt mir heute. Niemand scheint dem Braten zu trauen, zu sehr sorgen Handelskriege, echte Kriege, Brexit, politische Schreckensszenarien und steigende Zinsen für Angst. Zugleich führen fehlende Anlagealternativen dann doch dazu, dass Investoren schon bei leicht fallenden Kursen wieder zugreifen.

Für dich als Foolish denkenden Investor ist es umso wichtiger, dich von Ängsten und tollen Schlagzeilen nicht beeindrucken zu lassen, sondern dich konsequent auf die Unternehmen und deren Stärken zu konzentrieren.

Peter Roegner, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Foto: JMiks / Shutterstock.com

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