Steinmeier mahnt in Pandemie zur Besonnenheit

Reuters

Berlin (Reuters) - Angesichts zunehmender Aggressionen in der Bevölkerung mahnt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der Pandemie zur Besonnenheit.

"Gerade in dieser angespannten Lage sollten gute Argumente sprechen, nicht Verachtung, nicht Wut, schon gar nicht Hass", sagte Steinmeier bei der Ernennung der Ministerinnen und Minister der neuen Bundesregierung am Mittwoch im Berliner Schloss Bellevue. Das Staatsoberhaupt mahnte die neue Bundesregierung: "Die Menschen hoffen darauf, dass Sie Führung zeigen und – gemeinsam mit den Ländern – die notwendigen Maßnahmen ergreifen." Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete unterdessen die höchste Zahl an Corona-Toten an einem Tag seit Februar.

"Bei allem Streit und bei allen Zweifeln, bei allen Wunden, die die Pandemie geschlagen hat: Wir wollen uns auch nach der Krise noch in die Augen schauen können", sagte Steinmeier. Auch dann werde Deutschland noch ein Land mit einer Bevölkerung sein. "Lassen wir nicht zu, dass die Pandemie uns dauerhaft auseinandertreibt." Zugleich betonte der Bundespräsident: "Die Realität der Pandemie im Herbst 2021 ist bitterernst." Die Krise fordere nicht nur die Politik. "Sie fordert uns alle, es kommt auf jeden von uns an." Es sei geboten, "nicht auf die Lautesten zu hören, sondern dafür zu sorgen, dass uns die Pandemie nicht ein weiteres Jahr fest im Griff hält". Wichtig sei zudem, "jetzt und ganz konkret, unsere Kontakte zu reduzieren, uns impfen zu lassen".

Das RKI meldete für Mittwoch 69.601 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Das sind 2415 Fälle mehr als am Mittwoch vor einer Woche, als 67.186 Neuinfektionen gemeldet wurden. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank auf 427,0 von 432,2 am Dienstag. Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. 527 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle binnen eines Tages auf 104.047. Insgesamt fielen in Deutschland bislang mehr als 6,29 Millionen Corona-Tests positiv aus.

Am Donnerstag kommt der neue Kanzler Olaf Scholz erstmals in der Ministerpräsidentenkonferenz mit den Regierungschefs der Länder zusammen. Beschlüsse werden bei dem Treffen nicht erwartet. Am Freitag wollen Bundestag und Bundesrat allerdings eine Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes beschließen. Ob die weitgehende Stagnation der Zahl der Neuinfektionen und der Inzidenz in den vergangenen Tagen auf ein Abflachen der Pandemie-Welle hinweist oder auf eine fehlerhafte Erfassung der Daten durch überlastete Gesundheitsämter gerade in Regionen mit hohen Corona-Zahlen zurückzuführen ist, ist umstritten. RKI-Chef Lothar Wieler hat bereits von einer erheblichen Untererfassung gesprochen. Als unsicher gilt die Datenlage vor allem in Sachsen.

WHO: OMIKRON AUF DEM VORMARSCH

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO verbreitet sich die neue Omikron-Variante rasant über den Globus. Sie sei in 57 Ländern angekommen, teilte die UN-Behörde in Genf mit. Bei ähnlichen Krankheitsverläufen wie bei der Delta-Variante würden voraussichtlich mehr Menschen in Krankenhäusern behandelt werden müssen, da es zu mehr Infektionen komme. Noch gebe es wenig Erkenntnisse darüber, ob Menschen an Omikron schwerer erkrankten als an anderen Virusmutationen und ob die bislang verfügbaren Impfstoffe einen ausreichend Schutz böten. Der Hersteller BioNTech/Pfizer teilte allerdings mit, nach derzeitiger Kenntnis gehe man davon aus, dass der Impfstoff bei nur zwei Dosen bei Omikron von einer geringeren Wirksamkeit sei. Drei Dosen seien indes immer noch effektiv.

Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters sind seit den ersten registrierten Corona-Fällen in China vor rund zwei Jahren weltweit rund 5,6 Millionen Menschen in Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Die Zahl der seitdem bestätigten Corona-Fälle beläuft sich demnach auf 266,67 Millionen. In den USA werden die meisten Erkrankungen (rund 49,5 Millionen) und Todesfälle (über 794.000) gezählt. Die Zahlen aus den Vereinigten Staaten umfassen den jüngsten Anstieg um mindestens 111.194 Infektionen und 1856 Todesfälle.

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