Wir brauchen Bürgergeld und Eurobonds

Stefan Riße

Durch den totalen „Shut-Down“ der Volkswirtschaften in der westlichen Welt drohen Dominoeffekte, die in eine gefährliche Abwärtsspirale der Realwirtschaft führen können. Unternehmen müssen schließen oder legen ihre Produktion still. Einkommensausfälle werden gar nicht oder durch Maßnahmen wie Kurzarbeitergeld nur teilweise ausgeglichen. Wir sehen jetzt schon, dass wir nicht nur in einer Welt der „just in time“ Produktion, sondern bedingt durch die jahrelangen Tiefzinsen in einer Welt der „just in time“ Finanzierung leben. Das System ist deshalb äußerst fragil, so dass Einnahmeausfälle von einem Monat bereits zu großen Verwerfungen führen werden. Es drohen daher massenhaft Pleiten, die wiederum die ohnehin noch geschwächten Banken in eine Notlage bringen können. Dies wiederum würde die Kreditvergabe zur Unzeit einschränken und die Krise weiter verschärfen.

Einmalig 3000 Euro würde helfen

Ich fordere daher ein eurozonenweites einmaliges Bürgergeld von 3.000 Euro, damit laufende Verpflichtungen wie Mieten bezahlt werden können, und um nach Beendigung des Shut-Downs einen Nachfrageschub auszulösen, der den Wirtschaftsmotor wieder ankurbelt. Die bisher von der Bundesregierung beschlossenen Hilfsmaßnahmen sind zu begrüßen, Sie reichen jedoch nicht aus und sind nach allem was wir sehen nicht so schnell und unbürokratisch zu erhalten, wie verkündet. Die Auszahlung des Bürgergeldes wäre in wenigen Tagen auf den Weg zu bringen. Es würde an alle Personen erfolgen, die 2019 Steuern bezahlt haben. So würden nur diejenigen Personen etwas zurückerhalten, die zuvor auch in die Gemeinschaft eingezahlt haben. Bezieher von Renten und Sozialleistungen bekämen ohnehin die Leistungen in unverminderter Höhe weiter und seien daher finanziell nicht betroffen. Die Auszahlung wäre an die jeweilige Steuernummer gebunden und könnte kurzfristig durch die Finanzämter vorgenommen werden.

Eurobonds, die die EZB kauft, wären eine günstige Finanzierungsform

Bei rund 200 Mio. Steuern zahlenden Bürgern in der Eurozone würden sich die Kosten auf rund 600 Mrd. Euro belaufen. Finanziert werden könnte dies über die erstmalige Ausgabe von Eurobonds mit einem Zinskupon von Null und einer Laufzeit von mindestens 30 Jahren, für die die Länder der Eurozone gesamtschuldnerisch haften. Diese könnten von der Europäischen Zentralbank (EZB) erworben werden. Die Eurozone würde dafür einen Sonderhaushalt bilden. Zum Ende der Laufzeit kann die Ausgabe der Anleihen durch neue Eurobonds mit gleichen Konditionen ersetzt werden. Das Volumen wäre geringer als das zuletzt von der EZB beschlossenen Anleihe-Aufkaufprogramm (Quantitative Easing), es wäre nur viel effizienter, weil das Geld nicht an den Finanzmärkten landen und für steigende Vermögenspreise und am Ende steigende Mieten sorgen würde, sondern direkt in der Realwirtschaft ankäme. Inflation sei jedoch nicht zu erwarten, da nur wegbrechende Nachfrage ausgeglichen würde und eine Überstimulierung und in ihrer Folge unerwünschte Preissteigerungen nicht zu erwarten seien.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.

Weitere News

weitere News
Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

rißes blog

Derivate-Wissen

Sie möchten in den "DAX" investieren?

Indexzertifikate geben Ihnen die Möglichkeit an der Kursentwicklung eines Index teilzuhaben.

Erfahren Sie mehr zu Partizipations-Zertifikaten