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Zweite Abwärtswelle?

Stefan Riße

Wie gewonnen, so zerronnen. Es war eine wirklich beeindruckende Aufholjagd, die die Aktienmärkte ab Januar hingelegt haben. Nun hat der DAX die Hälfte seiner Gewinne aber bereits wieder abgegeben und notiert über 1.000 Punkte unter seinem Jahreshöchststand im Juli. Die Wall Street hat sich wie schon im vergangenen Jahr besser gehalten. Sie profitiert zum einen von den gigantischen Aktienrückkäufen der amerikanischen Unternehmen, die mehr ausmachen als die Aktienrückkäufe aller anderen Unternehmen in der Welt. Zum anderen lässt sich nicht bestreiten, dass die großen amerikanischen Tech-Titel, die unter dem Namen FAANG (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google) subsumiert werden, enorme Gewinne erwirtschaften und weiterhin kräftig wachsen, während sich das Gros vor allem der klassischen Industrieunternehmen in einer Gewinnrezession befindet.

Dezember-Tiefs im Visier?

Es stellt sich nun die Frage, ob sich die Aktienmärkte in einer zweiten Abwärtswelle befinden. Die erste hätte es dann im zweiten Halbjahr 2018 ab Oktober gegeben. Unüblich wäre das nicht. Im Jahr 2015 brachen die Kurse im August sehr deutlich ein, erholten sich wieder kräftig bis Dezember, um dann im Januar 2016 noch mal auf Talfahrt zu gehen und die Tiefs aus dem August 2015 gemessen am DAX sogar zu unterbieten. Ähnliches haben wir in der Finanzkrise gesehen. Da gab es die erste Abwärtswelle 2007 im Sommer, dann Erholung bis Dezember und im Januar 2008 nochmals erhebliche Verluste. Was sich danach mit der folgenden Abwärtsbewegung ab Herbst 2008 mit Tiefstkursen im April 2009 abspielte, darf als historisch sehr selten betrachtet werden und erscheint in der aktuellen Situation nicht wahrscheinlich. Aber eine zweite Abwärtswelle heute, die die Tiefststände aus dem Dezember 2018 nochmals erreicht oder unterbietet, ist nicht unwahrscheinlich. Diese Welle läuft möglicherweise gerade. August und September sind saisonal betrachtet sehr schwache Monate, während der Juli ein sehr guter Monat ist. Das hat der Juli auch in diesem Jahr wieder gezeigt. Deshalb wäre es nicht unlogisch, wenn der Markt vor dem Hintergrund der aktuell auch fundamental schwierigen Situationen dem Saisonmuster weiter folgen würde.

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Fundamentales Umfeld so schlecht wie lange nicht

Wer meine Beiträge schon länger liest, der weiß, dass meiner Ansicht nach vor allem Liquiditätsfaktoren die entscheidende Rolle für die kurz- bis mittelfristige Börsentendenz spielen. Daran hat sich auch nichts geändert. Es lässt sich aber nicht verleugnen, dass die aktuelle fundamentale Situation mit dem Handelsstreit zwischen den USA und China, dem Vereinigten Königreich, das auf einen harten Brexit zusteuert, dem Konflikt in der Straße von Hormus und einer sich weltweit massiv abschwächenden Weltwirtschaft die fundamentalen Bedingungen so schlecht sind wie seit langem nicht. Dies könnte man ignorieren, wenn die Geldpolitik bereits seit längerer Zeit gelockert worden wäre. Denn Maßnahmen der Notenbanken wirken immer mit einer gewissen Zeitverzögerung. Die Ende Juli vorgenommene erste Leitzinssenkung durch die US-Notenbank Federal Reserve nützt hier noch nichts. Wichtig wäre auch, dass die Notenbanken wieder damit beginnen, Wertpapiere aufzukaufen. Bisher tut dies nur noch die Bank auf Japan mit großem Volumen.

Rezession dürfte ideale Kaufgelegenheit werden

Meine Vermutung, dass die Kurse noch weiter fallen, soll aber nicht als Abgesang auf die Aktien missverstanden werden. Im Gegenteil. Die immer stärker ins Negative abrutschenden Zinsen bei Staatsanleihen und sogar Unternehmensanleihen machen die Aktie alternativloser denn je. Gibt es nochmals einen Ausverkauf, aufgebaut auf der Angst vor einer Rezession, die dann möglicherweise auch eintritt, dürfte wieder einmal auf dem Höhepunkt der Angst an den Märkten der beste Kaufzeitpunkt gegeben sein. Dann nämlich werden die Notenbanken massiv gegensteuern und die Liquidität wird wie üblich zunächst an den Aktienmärkten landen. Das Ganze würde dann auch solide unterstützt sein, denn die Weltwirtschaft dürfte nach einer Rezession, die nach dem längsten Wirtschaftsaufschwung der vergangenen 100 Jahre nichts Ungewöhnliches wäre, weiterwachsen.

Anleger, die noch gar keine Aktien haben, sollten, ohne groß auf das Timing zu achten, unbedingt investieren. Selbst bei den geringen Inflationsraten, die wir haben, kostet sie über längere Zeiträume der Nullzins real betrachtet große Teile ihres Vermögens. Aktive Anleger können mit Käufen wahrscheinlich noch abwarten. Die von mir beobachten Stimmungsindikatoren zeigen ebenfalls noch keine Kaufsignale, was neben dem noch fehlenden monetären Rückenwind ein weiterer Hinweis dafür ist, dass mit Neuengagements noch abgewartet werden kann.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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