Anleger vor Fed-Protokoll und Nvidia-Zahlen vorsichtig

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Frankfurt (Reuters) - Wenige Stunden vor zwei wichtigen Terminen in den USA hielten sich die Anleger an den Börsen mit Engagements zurück.

Der Dax und EuroStoxx50 lagen am Mittwochnachmittag knapp im Plus bei 17.094 und 4766 Zählern. Die wichtigsten US-Indizes eröffneten leicht im Minus.

Die Investoren warteten auf die Veröffentlichung des Protokolls der letzten Zinssitzung der US-Notenbank Fed am Abend. Die Anleger werden die Stimmung rund um die Zinsentscheidung im Januar mit Blick auf den künftigen geldpolitischen Kurs gründlich analysieren. "Die Anleger sollten hier tatsächlich jede Formulierung auf die Goldwaage legen, um die exakte Stimmung innerhalb der Fed herauszufiltern und so neue Hinweise auf den möglichen Zeitpunkt der ersten Zinssenkung zu erhalten", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Nach US-Börsenschluss stehen auch die Geschäftszahlen von Nvidia an. "Bei den sehr hohen Kursen im Technologiesektor ist die Nervosität der Anleger über jede mögliche Enttäuschung groß", sagte Rick Meckler, Partner beim US-Investitionsberater Cherry Lane. Nach einem Kursplus von mehr als 40 Prozent seit Jahresbeginn habe die Aktie des weltgrößten Anbieters für KI-Spezialprozessoren eine enorme Fallhöhe. "Nvidia muss heute nicht nur die Erwartungen übertreffen, sondern auch eine sehr optimistische Prognose abgeben, damit sich der Aktienpreis wieder nach oben bewegt."

NVIDIA ENTSCHEIDET ÜBER WOHL UND WEHE AN DEN BÖRSEN

Damit dürfte die Entwicklung bei Nvidia Experten zufolge bestimmen, wie es am ganzen Aktienmarkt weitergeht. "Dass irgendwann einmal Zahlen und Ausblick eines einzelnen Unternehmens die weltweiten Börsen so in ihren Bann ziehen und im Vorfeld beinahe lähmen könnten, hätte vor ein paar Jahren auch noch keiner gedacht", sagte Marktstratege Jürgen Molnar vom Handelshaus RoboMarkets. Denn der Quartalsbericht des Spezialisten im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) dürfte zeigen, wie nachhaltig der Hype um die neue Technologie ist.

Auch einige enttäuschende Firmenbilanzen in Europa sorgten für Zurückhaltung. "Wir haben in einigen Sektoren eine leichte Schwäche in Bezug auf die Gewinne gesehen, was nicht überraschend ist", sagte Daniela Hathorn, Marktanalystin bei Capital.com. Denn die Firmen müssten inflationsbedingt höhere Löhne zahlen und kämpften mit steigenden Finanzierungskosten.

In Deutschland zog ein Kursrutsch beim US-Konzern SolarEdge nach einem schwachen Ausblick die Aktien von SMA Solar mit nach unten. Die Papiere des nordhessischen Solartechnik-Anbieters fielen um knapp vier Prozent.

MILLIARDENABSCHREIBUNG IN CHINA DRÜCKT HSBC

Im Bankensektor sorgte eine Milliardenabschreibung in China von HSBC für lange Gesichter. Die Aktien sackten in London um 8,3 Prozent ab. Anleger kehrten Glencore nach einer Gewinnhalbierung in 2023 den Rücken. Die Titel des Bergbaukonzerns verloren bis zu 4,5 Prozent.

Aus den Depots flogen auch die Papiere von BAE Systems, die bis zu 3,6 Prozent verloren. Nach zweistelligen Zuwachsraten im vergangenen Jahr rechnet der größte britische Rüstungskonzern mit einem langsameren Gewinnwachstum. Der Vorstand erwarte je Aktie einen Anstieg des bereinigten Ergebnisses um sechs bis acht Prozent nach einem Plus von 14 Prozent auf 63,2 Pence im Jahr 2023.

Gefragt nach Zahlen waren dagegen Carrefour mit einem Plus von rund fünf Prozent. Beim französischen Einzelhandelsriesen stehen die Zeichen nach einem Gewinnsprung in seinem hart umkämpften Heimatmarkt auf Zuversicht. "Die Gruppe dürfte 2024 dank der sich erholenden Kaufkraft eine günstigere Marktumgebung in Europa vorfinden", sagte Finanzchef Matthieu Malige. Außerdem wolle Carrefour die Preise in Frankreich in diesem Jahr weiter senken, um wettbewerbsfähiger zu werden.

(Bericht von Anika Ross und Zuzanna Szymanska, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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