EZB kann laut ihrem Vize nur sehr langsam die Zinsen senken

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Frankfurt (Reuters) - Die EZB kann laut ihrem Vizepräsidenten Luis de Guindos wegen der unsicheren Inflationsaussichten nur sehr langsam die Zinsen senken.

Das Ausmaß an Unsicherheit sei hoch, sagte der Stellvertreter von EZB-Chefin Christine Lagarde am Mittwoch auf einer Veranstaltung des Finanznachrichtendiensts MNI. "Deshalb muss man, wenn man sich in einem dunklen Raum befindet, sehr vorsichtig sein", sagte er. "Man muss sich sehr langsam bewegen, sich mit viel Umsicht bewegen." De Guindos bekräftigte zudem frühere Prognosen, wonach die Inflationsentwicklung in den kommenden Monaten holprig sein werde.

"Die Hauptnachricht ist, wir haben keinen irgendwie vorherbestimmten Pfad für die Entwicklung von Zinssenkungsentscheidungen in den nächsten sechs Monaten", sagte de Guindos. Das sei auch die richtige Herangehensweise. Die EZB befindet sich nach Einschätzung des EZB-Vize mit den Zinsen immer noch in einem restriktiven Bereich. Darunter verstehen Volkswirte ein Zinsniveau, das eine Volkswirtschaft bremst.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte in der vergangenen Woche die Kurswende vollzogen und erstmals seit fast fünf Jahren die Zinsschraube gelockert. Der am Finanzmarkt richtungsweisende Einlagensatz, den Banken für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, wurde um einen Viertelprozentpunkt auf 3,75 Prozent gesenkt. Eine weitere Senkung bereits auf der nächsten Zinssitzung am 18. Juli gilt inzwischen als unwahrscheinlich.

Die Inflation im Euroraum hatte im Mai auf 2,6 Prozent zugenommen, nach einer Rate von 2,4 Prozent im April. Die EZB strebt 2,0 Prozent als optimales Niveau an. Sorgen bereitet den Währungshütern unter anderem, dass sich der Preisschub im Dienstleistungssektor als hartnäckiger herausgestellt hat als bislang erwartet worden war. Darüber hinaus war das Lohnwachstum, ein Haupttreiber der Teuerung momentan, zu Jahresbeginn unerwartet kräftig gestiegen. Im ersten Quartal lag in der 20-Länder-Gemeinschaft das Wachstum der Tariflöhne bei 4,7 Prozent. Generell gilt ein Lohnwachstum von um die drei Prozent als vereinbar mit dem Inflationsziel der Währungshüter.

(Bericht von Frank Siebelt, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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