Russland greift südukrainische Region Odessa mit Raketen an

Reuters · Uhr

Kiew/Moskau (Reuters) - Wenige Tage nach seinem schweren Raketenangriff auf Kiew und andere Städte in der Ukraine hat das russische Militär die Schwarzmeer-Region Odessa unter Beschuss genommen.

Fünf Raketen und zwanzig Drohnen seien in der Nacht auf Ziele in der Region im Süden abgefeuert worden, teilte die ukrainische Luftwaffe am Mittwoch mit. Es seien Hafen-Lagerhäuser, Lastwagen und ein ziviles Schiff beschädigt worden, erklärte der Gouverneur von Odessa, Oleh Kiper. Ein Taxifahrer und ein Wachmann seien ums Leben gekommen, ein Seemann sei verletzt worden. In der Region Riwne im Westen des Landes hätten die russischen Streitkräfte Energieanlagen mit Drohnen angegriffen, teilte der Netzbetreiber Ukrenergo mit. Dies habe zu vorübergehenden Stromausfällen in der Region geführt. Ein Feuer sei ausgebrochen, erklärte Regionalgouverneur Olexandr Kowal. Berichte über Opfer gebe es nicht.

Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, während des russischen Angriffes seien insgesamt 14 von zwanzig Drohnen über acht Regionen abgefangen und zerstört worden. Zudem sei es gelungen, drei von vier russischen Lenkraketen des Typs Kh-59/Kh-69 abzufangen.

Die russischen Truppen greifen immer wieder die Stromversorgung der Ukraine sowie ihre Häfen am Schwarzen Meer an. Diese sind unter anderem wichtig für die Getreideausfuhr der Ukraine, die einer der größten Exporteure der Welt ist. Nach eigenen Angaben nimmt Russland nur militärische Ziele ins Visier, keine zivilen. Am Montag jedoch traf nach Einschätzung der Ukraine und der UN eine russische Rakete das größte Kinderkrankenhaus in Kiew. Russland und die Ukraine werfen einander vor, für die Beschädigung des Krankenhauses verantwortlich zu sein. Der Beschuss sorgte in vielen Ländern für Empörung.

Auch der indische Ministerpräsident Narendra Modi, der noch am Dienstag zu Besuch bei Präsident Wladimir Putin in Moskau weilte, erklärte in dessen Anwesenheit, der Tod unschuldiger Kinder sei sehr schmerzhaft. Ähnlich äußerte sich Modi am Mittwoch in Wien anlässlich eines Treffens mit Kanzler Karl Nehammer. Der Verlust unschuldigen Lebens sei nirgendwo akzeptabel, sagte Modi. Lösungen für Konflikte könnten nicht auf dem Schlachtfeld gefunden werden.

GEHEIMDIENST FSB - TERRORANSCHLAG DER UKRAINE VEREITELT

Auf russischer Seite wurde nach Angaben des Gouverneurs der Grenzregion Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, ein Mann bei einem ukrainischen Angriff getötet. Sieben Menschen seien verletzt worden.

Zudem hat der russische Inlandsgeheimdienst FSB nach eigenen Angaben einen ukrainischen "Terroranschlag" auf ein russisches Kriegsschiff verhindert. Ein Agent des ukrainischen Geheimdienstes sei festgenommen worden, berichteten russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf den FSB. Es handele sich um die "Admiral Kusnezow", den einzigen Flugzeugträger Russlands, der sich im Hafen von Murmansk im russischen Nordwesten zur Reparatur befinde. Der FSB erklärte, einer der Soldaten des Kriegsschiffs sei von einem ukrainischen Staatsbürger kontaktiert worden, der ihn zu einem Angriff auf das Schiff überreden wollte, jedoch festgenommen worden sei. Reuters konnte den Bericht nicht unabhängig verifizieren.

(Bericht von: Anastasiia Malenko, Tanvi Mehta, Krishn Kaushik; geschrieben von Sabine Ehrhardt, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

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