Ukrainischer Außenminister reist zu Friedensgesprächen nach China

Kiew/Peking (Reuters) - Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba reist am Dienstag auf Einladung Chinas zu Gesprächen nach Peking.
Dabei solle es um ein Ende des von Russland begonnenen Krieges und eine mögliche Rolle Chinas dabei gehen, erklärte das Außenministerium in Kiew am Montag. Kuleba werde während der bis Donnerstag dauernden Reise mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi über die bilateralen Beziehungen sprechen. "Das Hauptthema der Diskussion wird die Suche nach Wegen sein, die russische Aggression zu stoppen, und Chinas mögliche Rolle bei der Schaffung eines stabilen und gerechten Friedens", teilte das ukrainische Außenministerium auf seiner Website mit.
Kulebas Visite ist ungewöhnlich, da China allgemein als Russland nahestehend gilt. So hatten die Regierungen in Moskau und Peking nur wenige Tage vor Beginn der russischen Invasion der Ukraine im Februar 2022 eine "grenzenlose Partnerschaft" vereinbart. Und obwohl China die russische Invasion nicht verurteilt hat und stattdessen dazu beiträgt, Russlands Kriegswirtschaft am Laufen zu halten, ist die ukrainische Regierung zurückhaltend mit ihrer Kritik an der Volksrepublik. Diese wiederum erklärt, ihre Beziehungen zu Russland seien auf der Basis der Bündnisfreiheit aufgebaut und richteten sich nicht gegen Dritte.
In den vergangenen Monaten und mit Blick auf eine mögliche Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten im November sind mehrere Friedensinitiativen entstanden - hat doch der Republikaner Trump gedroht, die Hilfszahlungen für die Ukraine einzustellen. So richtete die Schweiz im Juni auf Bitten der Ukraine einen Friedensgipfel aus, zu dem aber Russland nicht eingeladen war und an dem China nicht teilnahm. Im November soll es einen zweiten solchen Gipfel geben - womöglich diesmal mit Russland.
China veröffentlichte am 23. Mai zusammen mit Brasilien einen separaten Sechs-Punkte-Friedensplan. Darin wird eine internationale Friedenskonferenz unterstützt, die von beiden Kriegsparteien anerkannt würde. China und Brasilien gehören wie auch Russland zur Brics-Gruppe der führenden Schwellenländer, die bei allen politischen und wirtschaftlichen Unterschieden das gemeinsame Ziel haben, ein Gegengewicht zur Dominanz des Westens und wirtschaftlich starker Länder wie die der G7 zu bilden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, nur die mächtigsten Länder der Welt seien in der Lage, den Krieg in seinem Land erfolgreich zu beenden. Als zwei dieser Länder nannte er China und die USA, die ein enger Verbündeter der Ukraine sind. China müsse bei der Lösung des Krieges eine wichtige Rolle spielen, unterstrich Selenskyj.
(Bericht von: Liz Lee, Olena Harmash, Yuliia Dysa; geschrieben von Sabine Ehrhardt, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)